Qualcomm-Studie zeigt Wissenslücken beim Auto der Zukunft

Zwei Drittel der Deutschen kennen Connected Cars nicht

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Lediglich rund 33 Prozent der Deutschen gaben in eine Studie an, zu wissen was ein Connected Car ist. Und dies obwohl es doch heißt, das Auto sei der Deutschen liebstes Kind.
Das Gros der Deutschen weiß nicht, was ein Connected Car ist.
Das Gros der Deutschen weiß nicht, was ein Connected Car ist.
Foto: Daimler AG

Für Autofans und Propagandisten einer vernetzten IoT-Zukunft sind die Ergebnisse einer Qualcomm-Studie ernüchternd: Nur 33,5 Prozent der deutschen Autofahrer glauben zu wissen, was ein Connected Car ist. Dabei scheinen Männer besser (43 Prozent) informiert zu sein als Frauen (23,6 Prozent). Besonders häufig werden mit dem Begriff Fahrzeuge assoziiert, die mit anderen Geräten vernetzt werden können (42,3 Prozent), sowie Fahrzeuge, die mit einem Internetanschluss ausgestattet sind (26,8 Prozent). Dass vernetzte Fahrzeuge auch miteinander kommunizieren (etwa zur Kontrolle des Fahrzeugabstands), wird lediglich von 10 Prozent der deutschen Autofahrer verstanden. Dies sind nur einige der Ergebnisse der Studie "Was halten Deutsche vom Connected Car". Hierzu wurden 1388 Autofahrer in Deutschland befragt.

Erwartungen an das Connected Car

Ernüchterndes Ergebnis der Qualcomm-Studie.
Ernüchterndes Ergebnis der Qualcomm-Studie.
Foto: Qualcomm

Staumeldungen in Echtzeit, Musik vom Smartphone, Suche nach Restaurants oder freien Parkplätzen - das vernetzte Fahrzeug bietet dank ständiger Internetverbindung eine ganze Reihe von Services. Was wäre für deutsche Autofahrer dabei am wichtigsten? Für sie stehen ganz klar die Möglichkeiten der Echtzeitnavigation im Vordergrund - minutengenaue Staumeldungen für die optimale Verkehrsberechnung sind für 56,2 Prozent der Befragten der größte Nutzen eines Connected Cars. Ständige Internetverbindung und Online-Browsen erscheinen dagegen nur für rund 9,9 Prozent als größter Vorteil, Entertainment-Services wie Streaming-Dienste wurden von 8,7 Prozent zum entscheidenden Feature erklärt. Die Möglichkeit, Social-Media-Kanäle zu nutzen, spielt nur für 1,6 Prozent die wichtigste Rolle.

Insgesamt erwarten sich deutsche Autofahrer eine Aufwertung des Fahrerlebnisses: 42 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen das Autofahren mit einem Connected Car mehr Spaß machen würde. Technische Features wie In-Car-Apps und personalisierbare Dashboards könnten diesen Effekt in naher Zukunft noch verstärken.

Der Killer-Service im Connected Car ist die intelligente Echtzeitnavigation.
Der Killer-Service im Connected Car ist die intelligente Echtzeitnavigation.
Foto: Qualcomm

Connected Cars sind außerdem imstande, mit ihrer Umwelt und mit anderen Fahrzeugen zu kommunizieren. Die sogenannte Vehicle-to-Everything-Kommunikation (V2X) schließt Fahrzeuge, Fußgänger, Gebäude und sogar die Straßen selbst mit ein. V2X bildet so die Grundlage für neue Advanced-Driver-Assistant-Systeme (ADAS), die die Fahrsicherheit erhöhen - zum Beispiel indem sie vor Hindernissen, Gefahren oder entgegenkommenden Fahrzeugen warnen - selbst wenn sie für den Fahrer noch nicht sichtbar sind.

Auto spricht mit Auto

Die Connected Carrs kommunizieren per V2X und X2X miteinander.
Die Connected Carrs kommunizieren per V2X und X2X miteinander.
Foto: Mercedes

Zudem ermöglicht es diese Technologie auch, dass die Fahrzeugabstände verringert werden, um den Verkehrsfluss zu optimieren. Ohne Abstriche bei der Sicherheit, könnte dabei die Abstände auf bis zu einen Meter reduziert werden. Der heute übliche Sicherheitsabstand würde entfallen, da die Fahrzeuge Geschwindigkeit sowie Beschleunigungs- und Bremsmanöver miteinander koordinieren würden. Auch die Lageerkennung wird durch V2X verbessert: Weil alle Verkehrsteilnehmer Daten sammeln und miteinander austauschen, sind Informationen über Staus oder Unfälle in Echtzeit verfügbar.

Bei Qualcomm wertet man die Ergebnisse als Beleg dafür, dass Connected Car ein Thema ist, das immer wichtiger wird. "Die Mehrheit der Befragten zeigte ein großes Interesse an der neuen Technologie", fasst Georg Schweighofer, Director Marketing bei Qualcomm CDMA Technologies, die Ergebnisse zusammen, "auch wenn die Automobilindustrie sicher noch mehr tun könnte, um Autofahrer über das Potenzial ihrer Connected Cars aufzuklären."

Inhalt dieses Artikels

 

Horst Ulrich Köther

Bei der ganzen Diskussion und aller Polemik für und wider das autonome Fahren über Sensoren oder gesteuert über "C2C" oder "C2V" - oder wie auch immer, wird ein ganz wichtiger Punkt derzeit gänzlich vergessen: Die Haftung! Solange ich als Fahrer / Besitzer für das Gefahrenpotential meines Fahrzeuges haften muß, gebe ich die Kontrolle über dasselbe NICHT aus der Hand. Die best-mögliche Unterstützung durch das Auto und alle diese Systeme, ja - aber NIEMALS ein "fahrtechnischer Eingriff" eines solchen Systems. Wenn soetwas in meinem Auto verbaut wäre, müßte es deaktiviert werden. Ein Fahrzeug, daß selber bremst, lenkt oder beschleunigt, kommt AUF KEINEN FALL in Frage! Schon die Diskussion darüber, wer im Falle des Falles zu schützen ist, Fahrzeuginsassen, Kinder oder alte Leute auf der Straße, zeigt auf, daß hier erstmal zu klären ist, wer bei dieser Entscheidung haftet - der Fahrer jedenfalls nicht, wenn das Auto für ihn entscheidet! Bevor das nicht geklärt ist, darf soetwas nicht auf die Straße.

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