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Zumwinkel-Skandal: Deutsches Manager-Image am Boden

14.02.2008
Von pte pte
Die Razzia beim Deutsche-Post-Boss und Aufsichtsrat-Chef Klaus Zumwinkel wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung hat die Wertedebatte um Top-Manager erneut angeheizt. Experten bewerten das aktuelle Beispiel als einen der schlimmsten Skandale, der die deutsche Wirtschaft jüngst erschütterte. Vor dem Hintergrund des Rotlichtsumpfes bei Volkswagen, dem Schmiergeldsystem bei Siemens und nicht zuletzt dem Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera, stellt sich die Frage nach der Qualität deutscher Manager, deren Vorbildimage für den deutschen Wirtschaftsstandort angekratzt sein dürfte.

"Top-Manager dieser Größenordnung haben eine gesellschaftliche Verantwortung, die sie im Zuge ihrer Entlohung auch wahrnehmen müssen. Die Gehälter in Deutschland sind im europäischen Vergleich betrachtet, absolut wettbewerbsfähig. So lange Konzernlenker wie Zumwinkel ihre Arbeit gut machen, sollen sie auch gutes Geld bekommen. Es scheint aber so zu sein, dass sich - auch vor dem Hintergrund der zahlreichen Affären in der Vergangenheit - einige nicht mehr an diesen Grundsatz halten. Wenn nach den Politikern nun auch führende Wirtschaftstreibende einen desaströsen Imageverlust bekommen, bleibt nicht mehr viel übrig, was die Gesellschaft zusammenhält.", so Klaus Aden, geschäftsführender Gesellschafter von Lachner Aden Beyer & Company http://www.labcompany.net , im Gespräch mit pressetext.

Zumwinkel, der die Deutsche Post seit fast 19 Jahren führt und über ein Jahreseinkommen von rund sieben Mio. Euro verfügt, galt bis dato als einer profiliertesten deutschen Manager. Besonders stark in die Kritik geriet der Unternehmenslenker, als dieser im Dezember 2007 eigene Post-Aktien gewinnbringend verkaufte. Kurz nach der Einigung über den von ihm geforderten Mindestlohn in der Postbranche nutzte er den Kursanstieg der Konzernaktie und erlöste aus dem Verkauf der 200.000 Aktienoptionen in kürzester Zeit rund 2,24 Mio. Euro. Während die Staatsanwaltschaft bereits seit Monaten unter strengster Geheimhaltung wegen dem Verdacht der Steuerhinterziehung ermittelte und ein Haftbefehl gegen den Vorstandschef vorliegt, bestätigte nun auch die Post selbst das eingeleitete Ermittlungsverfahren.

Obwohl Zumwinkel aus Altersgründen spätestens im November seinen Posten abgegeben hätte, verwundert der aktuelle Vorfall Branchenexperten umso mehr. Im Detail prüfen die Fahnder, ob Zumwinkel auf ein Bankkonto in Liechtenstein den Millionenbetrag - Insider sprechen von rund zehn Mio. Euro - deponiert und nicht versteuert hat, berichtet die Financial Times Deutschland. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel soll der nun durch Vorstand Frank Appel in Abstimmung mit dem Aufsichtsratschef Jürgen Weber vertretene Post-Chef über zwei Jahrzehnte lang Steuern hinterzogen haben. Mit Hilfe einer Liechtensteiner Stiftung soll Zumwinkel auch versucht haben, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern. (pte)