Karriere machen

Zum Coaching - aber zu welchem?

Michael Schweizer ist freier Autor in München.
Das Angebot reicht von der Stellensuche bis zum autogenen Training. Methoden, Qualität und Preise unterscheiden sich stark.
Im Coaching geht es immer um ein konkretes Problem, das der Klient eingangs benennt.
Im Coaching geht es immer um ein konkretes Problem, das der Klient eingangs benennt.
Foto: Gabriel Blaj - Fotolia.com

Heinz K. (Name geändert) begann nach dem Studium als Junior Controller bei einem IT-Mittelständler. Er stieg auf, wechselte in ein internationales IT-Unternehmen und arbeitete dort auch im Ausland. Als er sich noch einmal verändern wollte, hatte er mit seinen Bewerbungen keinen Erfolg. Sein Coach Wolfgang Wagner von Bewerber Consult in Frankfurt am Main entdeckte den möglichen Grund im Zeugnis: K. war auf seiner vorletzten Position als Finanzchef tätig gewesen, in dieser Rolle aber nur interimistisch eingesetzt worden. Wagner und K. berieten nun, wo dieser Nachteil - in Relation zu K.s Stärken - weniger ins Gewicht fallen würde, und kamen auf die Autoindustrie. Nach fünf Wochen hatte K. dort sein erstes Vorstellungsgespräch.

"Wir bieten kein psychologisches Coaching an, bei dem die Klienten auf Phantasiereisen geschickt werden oder autogenes Training lernen", sagt Birgit Zimmer-Wagner, die Mitbetreiberin von Bewerber Consult. "Bei uns geht es immer konkret um den nächsten Schritt." Für die Bewerber recherchiere man im verdeckten Stellenmarkt und denke mit ihnen auch über ungewöhnliche Wege nach. Nach drei Gesprächsterminen seien die Bewerbungen an der richtigen Adresse, der vierte Termin sei dann oft dem Videotraining gewidmet, in dem das anstehende Bewerbungsgespräch simuliert werde. Birgit Zimmer-Wagner: "Ich sage immer: Wenn der Klient mitmacht, gibt es einen neuen Job nach einem Coaching für 1000 bis 1500 Euro, je nach angestrebter Position."

Im Coaching geht es immer um ein konkretes Problem, das der Klient eingangs benennt. Benachbarte Ansätze, von denen sich viele Coachs aber abgrenzen wollen, sind Training und Beratung. Der Trainer muss es besser wissen, der Coach strebt dagegen zum Klienten eine Beziehung auf Augenhöhe an und hilft zur Selbsthilfe. Die Lösung des Problems soll aus der Persönlichkeit des Klienten heraus gelingen. Das ist der Unterschied zur unmittelbar betriebswirtschaftlichen Beratung.

Geparde brauchen Pausen

Gudrun Happich, die in Köln das Galileo Institut für Human Excellence betreibt, blickt auf 15.000 Coaching-Stunden mit 800 Klienten zurück. Sie coacht vor allem Führungskräfte, meist im Auftrag ihrer Unternehmen. Oft geht es um die Mühen des Aufstiegs: "Wenn jemand als Fachkraft zum ersten Mal zur Führungskraft befördert wird, dann ändert sich die Welt. Weniger bekannt ist, dass sie sich beim Übergang vom mittleren Management zur Spitze noch einmal ändert." Um hier einfühlsam unterstützen zu können - "Nicht ich löse das Problem, sondern mein Klient" -, brauche der Coach selbst umfangreiche Führungserfahrung.

Gudrun Happich, Galileo Institut: "Wenn eine Fachkraft zur Führungskraft befördert wird, ändert sich die Welt."
Gudrun Happich, Galileo Institut: "Wenn eine Fachkraft zur Führungskraft befördert wird, ändert sich die Welt."
Foto: Privat

Stolz ist die Diplombiologin auf ihre "Biosystemik": "Dieses Konzept soll Klienten helfen, etwas, was in der Natur erfolgreich ist, in ihr eigenes Handeln zu übernehmen." Der Gepard zum Beispiel ist das schnellste Lebewesen der Erde, aber nur auf 800 bis 1000 Meter. Hat er seine Beute gerissen, ist er so erschöpft, dass er zunächst nicht einmal fressen kann. Nutzanwendung: Wer zu punktuellen Höchstleistungen neigt, muss sich Pausen gönnen, sonst bricht er zusammen.

Für ein themen- und anlassbezogenes Coaching schlägt Happich oft fünf bis sechs Termine vor. In einem Drittel der Fälle wird es verlängert. Unbefristet sind "Sparringspartnerschaften" mit Führungskräften aus der obersten Ebene, die sich auf Dauer einen unabhängigen Gesprächspartner wünschen. Ihre Honorare vergleicht Happich mit denen "eines sehr guten Anwalts".