Zukunft für IBM Workplace bleibt unklar

30.05.2006
Von Michael Wagner
Auf dem IBM Technical Forum der DNUG gab die IBM einen Ausblick auf bevorstehende Updates in ihrem Collaboration-Portfolio. Im Zentrum stehen Notes und der Portal-Server.

Wie die IBM bereits auf der Lotusphere 2006 angekündigt hat, wächst Lotus Notes im "Hannover"-Release weiter mit Workplace zusammen. Dabei erhält der Groupware-Veteran auch innovative Features von der neuen Produktlinie, wie etwa den Activity Explorer zur zentralen Organisation von Vorgängen in einem Projekt. Die Fusion der beiden Welten bedingt auch, dass der Domino-Server Workplace-Technik erhält. Über Einzelheiten schwieg sich die IBM auf der DNUG in Karlsruhe allerdings noch aus.

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Position von Workplace

Mit dem neuen Workplace-Kurs verschwimmen nicht nur die Grenzen zu Lotus Notes. In der Vergangenheit war das Verhältnis zum "Websphere Portal Server" noch relativ klar. Ersterer bot die Infrastruktur für die neue Web-basierende Collaboration-Familie und wurde daher im Paket mit Workplace ausgeliefert. Die Version 6 des Portal-Servers enthält jedoch eine ganze Reihe von Applikationen, die bis dato dem Collaboration-Bundle vorbehalten war. Dazu zählen Dokumenten- und Content-Management sowie eine Lösung für elektronische Formulare.

Angesichts dieser Verschiebung von wesentlichen Funktionen sowohl in das Basisprodukt als auch zu Notes stellt sich die Frage nach der Perspektive für Workplace. Von der Rolle des Java- und DB2-basierenden Notes-Nachfolgers, die der neuen Produktfamilie ursprünglich zugedacht war, rücken die Armonker immer mehr ab. Der Grund dafür dürfte vor allem in der Erfolglosigkeit der Software liegen, für die IBM bis dato kaum nennenswerte Installationen vorweisen kann. Workplace hat sich bei vielen Anwendern einen schlechten Ruf eingehandelt, weil es als kompliziert und schwerfällig gilt.

SAP-Anbindung

Als exklusives Workplace-Feature, das die Daseinsberechtigung des Collaboration-Produkts rechtfertigen sollte, stellte Big Blue einen neuen SAP-Konnektor vor. Technisch betrachtet spricht allerdings nichts dagegen, dieses Modul zukünftig auf Basis des bloßen Portal-Services anzubieten. Angesichts von "Duet" (Codename "Mendocino"), der von Microsoft und SAP gemeinsam realisierten Integration von mySAP und Office, gewinnt die Anbindung von Workplace an das ERP-System der Walldorfer an Bedeutung. Mit "Workplace für SAP" kündigte IBM nun die Verfügbarkeit eines entsprechenden Zusatzproduktes an. Aus der Sicht von Big Blue dient Workplace damit als ein alternatives Frontend für SAP, das auch gegen Duet positioniert wird.

Workplace für SAP integriert die "Employee Self Services" des J2EE-basierenden mySAP-Systems und kann in Verbindung mit dem "Workplace for Business Strategies and Reporting" Informationen aus mySAP aufbereiten, bis hin zur Darstellung von Balanced Scorecards. IBM greift dabei auf die BAPI-Schnittstellen von mySAP zurück. Im Unterschied dazu setzt Duet nur auf die neueren Web-Service-Interfaces auf. Die IBM nennt daher als Vorteil ihres Produkts gegenüber der Office-Konkurrenz, dass es auch ältere Versionen des ERP-Systems unterstützt.

Konzessionen an das Web 2.0

Ganz im Zeichen des Web 2.0 standen andere Erweiterungen, die IBM für die Hannover-Version zeigte. Was auf der Lotusphere noch unter dem Codenamen "Dogear" als Studie in den Labs demonstriert wurde, mutierte nun zum Bestandteil des nächsten Lotus Notes. Es handelt sich dabei um einen Social-Bookmarking-Service. Benutzer können damit Web-Adressen gemeinsam speichern, verschlagworten und per RSS-Feed weitergeben.

RSS bleibt allerdings kein exklusives Feature von Dogear, sondern soll systemweit verfügbar werden. Über eine zentrale Administration können Systemverwalter Feeds für beliebige Notes-Datenbank veröffentlichen. IBM demonstrierte diese Funktion anhand eines Podcast-Service, der in Notes gespeicherte MP3-Dateien auslieferte.

Open Document Format für Notes

Neben RSS unterstützt die kommende Version von Lotus Notes ein weiteres offenes Datenformat. Es handelt sich dabei um das Open Document Format (ODF), das kürzlich zum ISO-Standard erhoben wurde. Allerdings bließ die IBM offen, ob das Dokumentenformat auf die so genannten Productivity Tools beschränkt sein würde, hinter denen sich ein modifiziertes Open Office 1.1 verbirgt und die mit Hannover ausgeliefert werden sollen. In einer solchen Minimalvariante würden diese Programme aus Notes gestartet und speicherten ihre Dateien nach dem Muster von Mail-Anhängen in Felder der Datenbank. Eine weitergehende Variante würde indes ODF als Alternative zum proprietären Richtext-Format positionieren.

Nach Einschätzung von Mike Rhodin liegt das Potenzial des Open Document Formats in den Innovationen, die aus der Open-Source-Community zu erwarten sind, und die den Markt für Desktop-Applikationen neu beleben könnten. (ws)