Weitere Belastung erwartet

Zukauf belastet QSC unterm Strich

08.08.2011
Der Kölner TK-Anbieter QSC hat das zugekaufte Umsatzwachstum im zweiten Quartal mit niedrigeren Gewinnen bezahlt.
Die QSC-Zentrale in Köln
Die QSC-Zentrale in Köln
Foto: QSC

Wie das TecDax-Unternehmen am Montag in Köln mitteilte, stieg der Umsatz zweistellig, während der Überschuss wegen des Zukaufs des Internetdienstleisters Info AG leicht sank. Die Zahlen fielen insgesamt deutlich schwächer aus als Analysten erwartet hatten. Die Aktie startete mit deutlichen Verlusten in den Tag: Der Kurs sackte um bis zu 9,51 Prozent auf 2,035 Euro, erholte sich dann jedoch wieder etwas bis auf minus 3,65 Prozent bei 2,167 Euro.

Beim Umsatz machte der Telekomanbieter dank des Zukaufs Info AG einen Sprung um rund 16 Prozent auf 121,8 Millionen Euro. Beim Ergebnis schlug der Zukauf jedoch zunächst negativ zu Buche: Mit 3,9 Millionen Euro blieb unterm Strich weniger übrig als im Vorjahr (4,3 Millionen Euro). Inklusive einmaligen Transaktionskosten von 0,8 Millionen Euro habe das Unternehmen für die Übernahme der Info AG und der Anfang des Jahres gekauften IP Partner insgesamt einen "niedrigen" einstelligen Millionenbetrag ausgegeben. Rückstellungen für Ertragsteuern und latente Steuern nach dem Info AG-Kauf hätten zusätzlich dazu geführt, dass der Gewinn niedriger ausfiel als im Vorjahr, hieß es weiter. Das Unternehmen erwartet auch für das zweite Halbjahr Integrationskosten von ein bis zwei Millionen Euro je Quartal.

Der Umbau des Konzerns geht aus Sicht des Managements voran. Mittlerweile erziele man 79 Prozent der Umsätze mit IP-basierten Dienstleistungen und nur noch 21 Prozent mit Call-by-Call-Sprachdiensten und dem Vertrieb von DSL-Anschlüssen. Das Unternehmen vollzieht seit geraumer Zeit den Wandel vom Netzbetreiber zum Serviceanbieter und will sich so teure Netzwartungskosten und Abschreibungen auf das Netz sparen. Die Zukunft sieht die Unternehmensführung in margenträchtigeren Datendiensten wie etwa dem Cloud Computing und der Beratung. Der Begriff Cloud Computing beschreibt die Bereitstellung von Software und Daten aus dem Internet, die von Geschäftskunden dann mobil genutzt werden können.

QSC-Chef Bernd Schlobohm
QSC-Chef Bernd Schlobohm

Als einen Schritt hin zur neuen Strategie sieht das Management auch den Kauf der Info AG. Anfang Mai hatte QSC die Mehrheit an dem Dienstleister erworben. Die Info AG sieht sich als Spezialist auf dem Gebiet für Datenauslagerung und IT-Beratung für Geschäftskunden. Durch das Umsatzwachstum im QSC-Geschäftssegment Managed Services sieht sich die Unternehmensführung in ihrem Kurs bestätigt: Nach 18,5 Millionen Euro im Vorjahr erlösten die Kölner mit ihren Zukäufen hier nun 34,9 Millionen Euro. In keinem anderen Segment erwirtschafte QSC eine höhere Marge, hieß es im Halbjahresbericht. Der Umsatz im Produktgeschäft hingegen fiel von 21,2 Millionen Euro auf 19,2 Millionen Euro. Bedingt sei diese Entwicklung im Wesentlichen durch einen anhaltenden Preiskampf in der Sprachtelefonie.

Für das operative Geschäft rechnet QSC neben einem starken Wettbewerb im Sprachgeschäft auch mit Belastungen durch die Kürzungen sogenannter Terminierungsentgelte. Diese Entgelte erhalten Netzbetreiber für die Durchleitung von Gesprächen aus fremden Netzen. Im Mobilfunkbereich führe die seit Dezember gültige Entgeltsenkung bei QSC zu Umsatzrückgängen von rund fünf Millionen Euro je Quartal. Mit Gültigkeit ab dem 1. Juli haben die Regulierungsbehörden auch im Festnetz Kürzungen vorgenommen. Diese belasteten die Umsätze voraussichtlich mit einem einstelligen Millionenbetrag, teilt das Unternehmen im Halbjahresbericht mit.

Die Prognose für das Jahr hält das Management aufrecht. Der Vorstand schätzt für den Barmittelzufluss (Free Cash Flow) einen Wert von 35 Millionen bis 45 Millionen Euro. Bis zur Mitte des Jahres hat das Unternehmen bereits Zuflüsse in Höhe von 28,9 Millionen Euro verzeichnet. Zudem bleibt das Unternehmen bei dem Ziel, für 2011 erstmals eine Dividende auszuschütten. (dpa/tc)