Zufriedene Mitarbeiter bringen mehr

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Der Druck am Arbeitsplatz wächst. Arbeitgeber werden sich aber unzufriedene und kranke Mitarbeiter kaum leisten können. Wenn es darum geht, den Stress erträglich zu halten, sind Firmen und Angestellte gleichermaßen gefordert.

Unsere Arbeitswelt wird sich in den nächsten Jahren rasant verändern. Experten weisen darauf hin, dass in den hoch entwickelten Ländern heute die meisten Menschen Bürojobs haben und 65 Prozent der Beschäftigten ihr Geld im Dienstleistungssektor verdienen. Immer mehr Freelancer und Existenzgründer wie Ich-AG-Betreiber werden das Bild des Arbeitsmarktes bestimmen, aber auch Beschäftigte mit mehreren Auftraggebern oder Teilzeitarbeiter, die ein paar Monate arbeiten und dann eine Zeit lang ohne Job sind.

"Der Trend, permanent und überall erreichbar und von jedem Ort und zu jeder Tageszeit einsatzfähig zu sein, hat sich rasend schnell entwickelt", so die Unternehmensberaterin Birgit Godehardt aus Köln auf einer Veranstaltung des berufsgenossenschaftlichen Instituts Arbeit und Gesundheit in Dresden. Es sei naiv zu glauben, dass der "extreme" Kosten- und Zeitdruck sowie der Wunsch der Arbeitgeber nach permanenter Prozessoptimierung und Qualitätsverbesserung, abnehmen würden.

Immerhin 41 Millionen Beschäftigte in der EU leiden unter arbeitsbedingtem Stress, so die europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Die Folge sind 600 Millionen Fehltage und 44 Milliarden Euro pro Jahr volkswirtschaftlicher Schaden. "Arbeitsbedingter Stress ist der Ausdruck eines organisatorischen Problems und nicht die Schwäche eines Einzelnen", schlussfolgert die Agentur.

Aber nicht nur das berufliche Umfeld verändert sich. Godehardt weist auf die Situation im Privatleben hin. Existenzängste wegen drohender Arbeitslosigkeit sind verbreitet, instabile Partnerschaften und Patchwork-Familien sowie Freizeit-Stress führen zusätzlich zu psychischen und physischen Belastungen. In diesen Zeiten sei eine vernünftige Work-Life-Balance besonders wichtig, in der sich Gesundheit, Fitness, Privatleben und Partnerschaft mit Arbeit und Karriere in Einklang bringen ließen. "Balance bedeutet nicht das süße Nichtstun, sondern anregende Abwechslung und Ausgewogenheit", so die Beraterin.

Christine Flüter-Hoffmann, Projektleiterin am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, ist zuversichtlich, dass die deutschen Arbeitgeber langsam verstehen, dass Mitarbeiter umso produktiver sind, je zufriedener sie an den Arbeitsplatz kommen. Das sind sie vor allem dann, wenn sie ihre Arbeitszeit flexibel gestalten können. "Eine selbstverantwortliche Zeitplanung trägt stark zu einer höheren Motivation bei." Sie steigere zudem die Arbeitsplatzattraktivität.

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