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Zu viel Macht: Kritik an Google & Co.

28.06.2006
Medienexperten haben auf einer internationalen Tagung in Berlin die Monopolmacht von Internet-Suchmaschinen kritisiert und mehr Kontrolle gefordert.

"Es ist wichtig, die Macht nicht unbeobachtet entwickeln zu lassen", sagte Tagungsgleiter Marcel Machill am Dienstag in Berlin. Die Anbieter Yahoo!, Microsoft MSN und allen voran Google seien mit mehr als 90 Prozent Marktanteil zum regelrechten Informationsfilter geworden. Daher hätten sie auch eine "publizistische Verantwortung".

Die großen Suchmaschinenbetreiber betrachteten sich lediglich als Anbieter einer rein mathematischen Suchtechnologie, sagte Machill, der an den Universitäten Leipzig und Dortmund Journalistik lehrt. Eine Selbstzensur über die gesetzlichen Anforderungen hinaus weisen sie zurück. Dabei lieferten Trefferlisten auch Verknüpfungen zu Seiten mit Inhalt von "erheblichem öffentlichem Interesse". Da Internet-Nutzer Untersuchungen zufolge höchstens die ersten 20 Treffer benutzten, ergebe sich aus der Reihenfolge, in der die Treffer angezeigt werden, eine entscheidende Vorauswahl.

Als Beispiel nannte Machill die Eingabe des Begriffs NSDAP in Google: Bis vor kurzem sei der Nutzer damit auf eine Seite mit rechtsextremem Inhalt gelangt. "Stellen Sie sich vor, dass Schüler sich im Internet über das Thema informieren wollen", gab der Experte zu bedenken. Die Verknüpfung sei aus rechtlichen Gründen in Deutschland gestrichen worden. Betreiber sollten nach Ansicht Machills aber einen Schritt weitergehen. Sie sollten eine "eigene Verantwortung" entwickeln.

In Deutschland haben die Betreiber, darunter auch die deutschen Töchter von Yahoo!, Google und Microsoft MSN, im vergangenen Jahr einen Verhaltenskodex vereinbart. In den Trefferlisten sollen nicht jugendfreie und Gewalt verherrlichende Seiten gesperrt werden. Denkbar sei für die Zukunft auch die Entwicklung "vertrauenswürdiger" Suchmaschinen, zum Beispiel von einem öffentlich-rechtlichen Träger.

Die Anbieter würden selbst zum "Opfer externer Manipulation", erläuterte Machill. Die Platzierung in Trefferlisten werde von so genannten Suchmaschinen-Optimierern beeinflusst. Dies habe sich bereits zu einem eigenen Geschäftszweig entwickelt, denn für Firmen sei die Platzierung inzwischen ein Wettbewerbsfaktor.

Generell sind Suchmaschinen nach Ansicht Machills aber ein "sinnvolles Instrument". Die Nutzer müssten nur lernen, kritisch mit ihnen umzugehen. Wer sich zu einem Thema im Internet informiere, solle sich nicht auf die ersten zehn Treffer nur einer Suchmaschine verlassen, sondern auch auf alternative Anbieter zurückgreifen. (dpa/tc)