Freiberufler-Exklusivstudie der Computerwoche

Zittern um den nächsten Auftrag

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Ohne IT-Freiberufler geht in Deutschland nichts. Die COMPUTERWOCHE hat 1200 Freelancer zu ihrer Situation befragt und die Ergebnisse in einer dreiteiligen Serie aufgearbeitet.

Soviel vorweg: Die meisten IT-Freiberufler sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Sie lieben ihre abwechslungsreiche Tätigkeit und bereuen ihre Entscheidung zugunsten der Selbständigkeit nicht. Als Gründe für die Freiberuflichkeit werden der COMPUTERWOCHE-Untersuchung zufolge vor allem "Unabhängigkeit" und "Selbständigkeit" (61,5 Prozent) genannt. Auf den Plätzen folgen der Spaß an einem "abwechslungsreichen Job" und die "besseren Verdienstmöglichkeiten" mit je 40 Prozent der Nennungen. Nach Problemen befragt, nennen die Freiberufler als größte Herausforderung die Planbarkeit von Folgeprojekten (57 Prozent). Hartmut Lüerßen, Marktexperte und Partner der Lünendonk GmbH, bestätigt dies: "Für IT-Freiberufler gibt es zwei entscheidende Stellschrauben - die Auslastung und den Tagessatz." Laut Lüerßen besteht die Schwierigkeit darin, sich bereits während eines laufenden Projekts nach einem neuen umschauen zu müssen. Die Situation spitze sich in Krisenzeiten zu, weil dann Projekte zeitlich und inhaltlich beschnitten und sogar aufgegeben würden. "Das nächste Projekt möglichst elegant an das aktuelle dranzuhängen wäre der Idealzustand", meint Lüerßen.

Wann kommt das nächste Projekt?

Dabei können Personalvermittler der Umfrage zufolge helfen: IT-Freiberufler, die mit Agenturen zusammenarbeiten, erzielen eine höhere Auslastung als ihre Kollegen. Deutlich mehr als die Hälfte der IT-Freiberufler nutzt denn auch Agenturen, um neue Projekte zu gewinnen. Sie sind inzwischen der zweitwichtigste Vertriebsweg, nur übertroffen von den Altauftraggebern. Insgesamt sind die befragten Freelancer mit der Arbeit der Agenturen zufrieden, haben aber Verbesserungsvorschläge anzubieten. Je mehr Erfahrung die Externen in der Zusammenarbeit mit Agenturen haben, desto zufriedener sind sie.

Dass die Planbarkeit von Anschlussprojekten als größte Herausforderung von Freelancern gesehen wird, zeigt sich auch in den Antworten zur aktuellen Projektauslastung. Knapp die Hälfte der Befragten war 2009 an weniger als 200 Arbeitstagen beschäftigt. Eine Tatsache, die den Agenturen durchaus bekannt ist. Über die Gründe darüber gehen die Meinungen auseinander. Einig sind sich die Vermittler, was die Defizite der Selbständigen betrifft. Dazu zählen die zu späte Projektakquise, die oft geringe Bereitschaft zu reisen, zu hohe Stundensätze oder mangelnde Sozialkompetenz.

Kelly Elsasser, Sprecher des Vorstands des Personalvermittlers Reutax AG, sieht noch einen weiteren Grund: "Wir haben es hier mit einem klassischen Krisentrend zu tun. Kürzere Laufzeiten verhindern eine lange Budgetbindung." Michael Moser, Geschäftsführer der Gulp Information Services, wirft indes die Frage auf, ob Freiberufer mit einer Auslastung von 200 Tagen im Jahr nicht sogar relativ gut bedient sind. "Nachdem es im vergangenen Jahr in Bayern 252 Arbeitstage gegeben hat, von denen noch die Zeiten für Urlaub, Krankheit und Weiterbildung abgezogen werden müssen und das Jahr noch dazu als Krisenjahr bezeichnet wurde, ist diese Auslastung durchaus positiv", meint Moser.