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Zwist mit Sponsor Joyent

Zentrale Entwickler spalten sich von Node.js ab

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Node.js für Server-seitiges JavaScript ist ein populäres und wichtiges Tool für viele moderne Webseiten - allerdings mit einer ungewissen Zukunft.

Denn eine Reihe zentraler Developer hinter dem Projekt haben sich mit einem Fork namens Io.js von Node.js abgespalten. Sie waren erklärtermaßen unzufrieden mit dem Verhalten des offiziellen Projekt-Sponsors, der Cloud-Computing-Firma Joyent. "Wir wollen nicht, dass eine einzige, noch dazu von einer Firma entsandte Person Entscheidungen trifft", zitiert "WIRED" den in den Fork involvierten Node-Community-Organizer Mikeal Rogers. "Wir wollen mehr Kontrolle für die Kontributoren, mehr Konsens." Der Zwist sei nicht untypisch für Open-Source-Projekte mit Firmen-Sponsoren auf der einen und Nutzern und Entwicklern auf der anderen Seite, schreibt "WIRED", und zieht Parallelen zu Docker und CoreOS Rocket.

node.js Logo
node.js Logo
Foto: node.js

Node.js gibt es seit rund fünf Jahren. Erdacht wurde es von dem Progammierer Ryan Dahl mit dem Ziel, vollständige Online-Anwendungen in JavaScript zu entwickeln und ablaufen zu lassen. Entwickler konnten damit erstmals die Frontend-Skriptsprache JavaScript auch im Server-Backend benutzen; außerdem ist Node für eine große Zahl gleichzeitiger Benutzer ausgelegt, wie es sie zum Beispiel bei Online-Spielen gibt. 2009 wurde Dahl von Joyent angestellt, um Node.js weiterzuentwickeln, die Firma bekam auch die Namensrechte. Drei Jahre später trat Dahl als Leiter des Projekts ab und verschwand von der Bildfläche; seither kümmerte sich eine ganze Reihe von Developern aus unterschiedlichen Firmen um die Weiterentwicklung.

Sponsor Joyent habe zuletzt allerdings immer weniger zu Node beigesteuert: "Die Leute haben mir berechtigte E-Mails geschrieben und gefragt, ob das Projekt tot sei", sagt Mikeal Rogers. Und deswegen geht das Team von Io.js, zu dem fünf der aktivsten Node.js-Contributors gehören, nun eigene Wege. Der auf GitHub gehostete Code ist aktuell noch identisch mit der von Joyent gepflegten Version. Anfang 2015 soll eine erste eigenständige Variante von Io.js mit einer aktuellen Version von Googles quelloffener JavaScript-Engine "V8" erscheinen. Generell würde das Io.js-Team die weitere Entwicklung von Node.js aber am liebsten in den Händen einer Stiftung sehen.

Ob sich Markeninhaber Joyent dafür erwärmen kann, bleibt abzuwarten. CTO Bryan Cantrill findet jedenfalls, Node.js sei trotz der langsameren Entwicklungsgeschwindigkeit ein lebendiges und gesundes Projekt. Joyent habe sich darauf fokussiert, Node schneller und stabiler zu machen und weniger auf neue Features. "Man muss sich die Qualität der Contributions anschauen", sagt der Joyent-Mann, "und nicht die Quantität."