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Zehn Linux-Vorhersagen für 2003

13.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wie bereits in den vergangenen Jahren trifft der Linux-Experte Joe Barr der amerikanischen CW-Schwesterpublikation "Linuxworld" auch für 2003 zehn Prognosen im Hinblick auf Linux:

Der Distributor Mandrake fusioniert mit einem anderen Unternehmen, um überleben zu können. In Frage dafür kommt zum Beispiel Connectiva. Damit verbunden ist ein Eintritt in die United-Linux-Initiative.

Matthew Szulik verlässt Red Hat. Der Grund sind unterschiedliche Ansichen darüber, wie mit Open-Source-Software Geld verdient werden kann.

Staatliche Linux-Programme nehmen 2003 weltweit zu. Das Betriebssystem läuft auch in US-Bildungseinrichtungen und Behörden Windows den Rang ab.

Microsoft bringt eine Linux-Version seines Office-Pakets heraus. Diese hinkt jedoch eine Versionsnummer hinter der aktuellen Windows-Variante hinterher. Hintergedanke der Gates-Company ist, die Linux-Community zu kontrollieren. Wenn sich MS-Office auf Linux durchgesetzt hat, kauft Microsoft einen Distributor auf (zum Beispiel Mandrake). Daraufhin werden Betriebssystem und Büroanwendungen so aufeinander abgestimmt, dass Office nur noch auf der hauseigenen Distribution läuft.

Mindestens ein US-Bundesstaat verabschiedet Gesetze, nach denen Aktivitäten der Business Software Alliance (BSA) illegal sind, die im Interesse Microsofts stehen.

Von aktuellen Top-Spielen werden Linux-Versionen entwickelt. In der Gaming-Community werden Linux-Nutzer nicht mehr als Anwender zweiter Klasse belächelt.

Adobe veröffentlicht Pläne, die Profi-Grafikanwendung "Photoshop" auf Linux zu portieren.

Linux-Erfinder Linus Torvalds gibt seinen Job bei Transmeta auf, um sich mehr um seine Familie sowie die Kernel-Entwicklung zu kümmern.

Bill Gates gibt zu, privat bereits seit längerer Zeit Linux zu verwenden, weil es besser als Windows sei.

Barr schließt seine Prognosen mit einem Augenzwinkern ab. Die Linux-Revolution werde weitergehen, auch wenn einige der neun vorangestellten Vorhersagen "einigermaßen schwachsinnig" sind.

Eine Bewertung steht demzufolge erst Ende 2003 an. Auch manche Vorhersagen der vergangenen Jahre will Barr im Nachhinein lieber nicht getroffen haben. So orakelte er Anfang 2002 zum Beispiel, ein bekannter US-Geheimdienst werde katastrophale Entscheidungen treffen, weil er Windows im Einsatz habe. Auch einen von ihm vorausgesagten AOL-Client für Linux gibt es bislang nicht. Lediglich mit den Prognosen, dass Red Hat in die Gewinnzone rutscht (Computerwoche online berichtete) und sich Linux auch auf Desktops zunehmend ausbreitet, behielt Barr recht. (lex)