Open-Source-Projekt gestartet

Zalando arbeitet an eigener BPM-Suite

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Der Online-Händler Zalando hat das Open-Source-Projekt bpmn.io gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines web-basierten Tools zur Modellierung von Geschäftsprozessen.
Foto: Zalando

Zalando startet das Open-Source-Vorhaben ab sofort. Unterstützung bekommt der Online-Versender von dem Softwarehersteller Camunda. Gemeinsam werden die Partner Entwicklungsressourcen in nicht näher genanntem Umfang bereitstellen. Die Bezeichnung "bpmn.io" des Open-Source-Projekts betont die Offenheit. BPMN (Business Process Model and Notation) ist eine ISO-standardisierte Notation für Prozessmodelle. Die entwickelte Software wird unter http://www.bpmn.io kostenlos und inklusive Quellcode verfügbar sein.

Zalando will die Prozessmodellierung verbessern

"Für ein Unternehmen mit starkem Wachstum spielen klar definierte Prozesse eine große Rolle. Wir möchten mit diesem Projekt unsere Anforderungen direkt in die Entwicklung eines leistungsfähigen Modellierungs-Tools einfließen zu lassen", begründete Marcus Zieger, Leiter im Bereich Enterprise Systems bei Zalando, das Vorhaben. "Darüber hinaus schätzen wir den innovativen Charakter der Open Source Community und möchten diese tatkräftig unterstützen." Zalando arbeite schon seit geraumer Zeit mit Camunda zusammen und nutzt die gleichnamige BPM-Suite für den Betrieb der Prozesse, etwa um die Bestellabwicklung zu automatisieren.

Das bpmn.io-Vorhaben zielt auf eine verbesserte Modellierung der Prozesse. Zum einen will man den Anwendern in den Fachbereichen - nicht nur bei Zalando - ein Modul zum Download anbieten, mit dem sie ohne Programmierkenntnisse die Arbeitsabläufe gestalten können. Zum anderen sollen Bibliotheken, Tutorials, Module, Baukästen etc. für Entwickler entstehen, mit denen sie BPM-Dienste in Web-Anwendungen einbinden können. Das können beispielsweise Dashboards mit Diagrammen und anderen grafischen Elementen sein, die Status-Information zu laufenden Prozessen und Bestellungen darstellen.

Erste Module und Bibliotheken sollen bereits in den kommenden Wochen zur Verfügung stehen. Das Endanwender-Paket zu Prozessmodellierung stellen die Partner frühestens für die zweite Jahreshälfte 2014 in Aussicht. Auf jeden Fall werde es noch vor Jahresende eine stabile und lauffähige Version der Software geben.

Foto: Camunda

Camunda ist ein Beratungs- und Softwarehaus mit BPM-Schwerpunkt. Kernprodukt des Unternehmens ist das quelloffene Produkt "Camunda BPM", das in einem Test des Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, in dem insgesamt acht BPM-Pakete analysiert wurden, noch gut abgeschnitten hat (siehe Fraunhofer testet acht BPM-Suites). Die Prüfer bemängelten vor allem die fehlenden Möglichkeiten zum grafischen Modellieren von Prozessen. Für die Nutzung der Camunda-Suite seien Programmier-Ressourcen erforderlich. Gut gefallen hat ihnen die Funktionsvielfalt, Flexibilität und die Erweiterbarkeit.

"Mit bpmn.io wollen wir einerseits die Prozessmodellierung mit BPMN weiter fördern, indem ein komfortables Werkzeug kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Zum Zweiten wird bpmn.io derart modular aufgebaut sein, dass jeder Interessierte mit HTML-Kenntnissen in der Lage sein wird, damit ganz neue Lösungen rund um BPMN zu entwickeln", versprach Jakob Freund, Geschäftsführer bei Camunda.