Internet of Things

Zahl der Hersteller verdoppelt sich

Tillmann Braun ist freier Journalist und Kommunikationsberater für non-profit Organisationen und Unternehmen. Sein Fachgebiet sind innovative IT-Lösungen für die Vernetzung von Menschen und Maschinen. Zu seinen Spezialthemen gehören intelligente (Heim-)Netzwerke, Machine-to-Machine-Kommunikation, Mobile Payment, IT-Strategien und vielfältig einsetzbare Kommunikationssysteme.
Das Internet of Things entwickelt sich immer mehr zu einem wichtigen Standbein der Industrie. Wie jüngste Studien zeigen, wird sich die Anzahl der Anbieter von IoT-Geräten in den kommenden zwei Jahren mehr als verdoppeln. Die Lösungen sollen intelligenter und somit profitabler werden. Experten sehen Parallelen zur Smartphone-Entwicklung.
Hardware, Bedienbarkeit und vor allem der Nutzen für den Anwender spielen bei der Entwicklung für eine IoT-Anwendung eine große Rolle.
Hardware, Bedienbarkeit und vor allem der Nutzen für den Anwender spielen bei der Entwicklung für eine IoT-Anwendung eine große Rolle.
Foto: ARM

Wie groß das Interesse am Internet of Things ist, lässt sich gut an den Plänen der Hersteller erkennen. Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, erwarten die Hersteller von Soft- und Hardware-Lösungen in den nächsten Jahren einen großen Ansturm von Unternehmen, die an IoT-Geräten interessiert sind. Laut den Untersuchungen von Flexera Software und IDC wollen zukünftig zwei Drittel der 580 Hersteller, die an der Studie teilnahmen, ihre Produkte auf das Internet of Things ausrichten. Eigenen Angaben zufolge arbeiten bislang lediglich 30 Prozent der Hersteller an entsprechenden Geräten, jedoch wollen weitere 34 Prozent das Thema innerhalb der nächsten zwei Jahre aktiv anpacken.

Im gleichen Zeitraum wird die Zahl der Unternehmen, die auf intelligente Software für ihre Geräte setzt, um 21 Prozent zulegen. Ganz oben auf der Agenda stehen dabei die Fernwartung und das Monitoring von Produkten und Leistungen. Die Optimierung der Lieferketten spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Zurzeit bietet rund jedes zweite Unternehmen entsprechende Geräte an.

"Innovation allein reicht nicht aus"

Was bei den Studienergebnissen auffällt, ist, dass ein Großteil der Hersteller unter anderem mittels Software-Lizenzen Angebote entwickeln, die neben der Hardware auch Service- und Beratungsleistungen umfassen. Von diesen Gesamtpaketen versprechen sie sich höhere Gewinne. "Innovation allein reicht nicht aus, um eine Branche zu transformieren", sagt Vikram Koka von Flexera Software. "Es muss auch möglich sein, Geld und letztlich Profit mit einer neuen Technologie zu machen."

Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, wieso die Anzahl der Unternehmen, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Hardware erzielt, um 5 Prozent zurückgehen wird, während die Unternehmen, die mehr Umsatz mit Serviceleistungen machen, voraussichtlich um 6 Prozent zulegen werden. "Durch die Transformierung ihrer Geschäftsmodelle mittels Software, Internet-Konnektivität und Lizenzierungsmöglichkeiten können Gerätehersteller neue Märkte erschließen, ihre Umsatzquellen und -einnahmen erhöhen, Gewinne maximieren und sich vom Wettbewerb abheben", erklärt Amy Konary von IDC mit Blick auf die Studienergebnisse.

Marktanteile müssen jetzt gesichert werden

Eric Schneider, Vorsitzender des Branchenverbands M2M Alliance, überraschen diese Ergebnisse nicht. "Die lösungsentwickelnde Industrie hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet von der Übertragungseinheit bis hin zur Software-Integration entsprechende Produkte an", lobt Schneider. Die Produktindustrien täten sich hingegen weiterhin sehr schwer. "Sie scheuen die initialen Kosten und die Komplexität und können zudem den Nutzen oftmals nur schwer zuordnen", erklärt Eric Schneider. Die Unternehmen seien sich häufig nicht darüber im Klaren, ob die angestrebte Lösung die internen Prozesse verbessern und somit Kosten senken oder aber das Endkundenprodukt optimieren soll. "Der interne oder auch externe Nutzen muss von Anfang an klar erkennbar und definiert werden", betont der Experte.

Schneiders Empfehlung lautet daher, dass sich die Unternehmen dem Thema über den Nutzen sowie die Geschäftsanforderungen nähern sollten. "Beispiele aus dem Verbraucherumfeld zeigen, dass ein Produkt Erfolg am Markt hat, sobald ein klarer Nutzen erkennbar ist", so Schneider. Dasselbe gelte für interne Prozesse. Es gebe genug Beispiele, bei denen der Anbieter versucht habe, eine Technologie als Produkt zu verkaufen. "Sie sind alle gescheitert", bilanziert Eric Schneider, denn die Technik sei und bleibe ausschließlich der Enabler. "Haben die Kunden UMTS gekauft, als es eingeführt wurde? Nein. Was sie haben wollten war ein schneller Informationsaustausch beim Surfen mit dem Smartphone."

Wie die jüngsten Studienergebnisse zeigen, werden sich immer mehr Unternehmen dieser Tatsache bewusst - und handeln entsprechend. (bw)