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HTML5 kann noch zu wenig

YouTube bricht eine Lanze für Flash

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Vielfach ist schon die Rede davon, der <video>-Tag von HTML5 mache Multimedia-Plug-ins wie den Flash Player von Adobe obsolet. Die weltgrößte Video-Site YouTube sieht das allerdings anders.

"Mit der Video-Unterstützung von HTML5 können wir zwar die meisten Inhalte und Features von YouTube auf Computern und anderen Geräten anbieten, die den Flash Player nicht unterstützen", schreibt der Software-Ingenieur John Harding heute im YouTube API Blog. "Sie erfüllt aber nicht all unsere Anforderungen. Derzeit ist Adobe Flash die beste Plattform für die Video-Distribution von YouTube, und deshalb haben wir unseren primären Video-Player damit gebaut."

Zuvor führt Harding detaillierter aus, wo er gegenwärtig noch Probleme bei dem doch relativ simplen <video>-Tag des noch unfertigen HTML5-Standards sieht, der wie <img> eigentlich nur den Browser auf den Speicherort einer Binärdatei verweist. Das sind Punkte wie das Fehlen eines standardisierten Videoformats (H.264 ist hier aufgrund von Patenten und Lizenzierung nicht konsensfähig, WebM noch nicht ausgereift und verbreitet genug), zu wenig robustes Streaming, fehlende Unterstützung für Kopierschutz/DRM etwa für Mietvideos, die fehlende Möglichkeit, Videos auf externen Seiten einzubetten oder im Vollbild anzuzeigen sowie der fehlende Rückkanal mit Kamera- und Mikrofonzugriff für Nutzer, die direkt über die YouTube-Seite eigene Clips aufnehmen wollen.

Zuletzt hatte sich vor allem Apple verstärkt gegen Adobes Flash-Technik ausgesprochen. Der Hersteller aus Cupertino lässt keinen Flash Player auf seinen populären Mobilgeräten iPhone, iPad und iPod zu und begründet das unter anderem mit dem Ressourcenhunger und der Instabilität der Adobe-Software. Auch die Entwicklung von Anwendungen für iPhone und iPad mit Cross-Platform-Werkzeugen wie Flash ist durch die Nutzungbedingungen für Entwickler weitgehend untersagt.

Die YouTube-Mutter Google verfolgt einen anderen Ansatz - sie treibt einerseits die Verwendung von HTML5 voran, integriert aber gleichzeitig den Flash Player fest in die Distribution ihres Browser Chrome und lässt den Flash Player auch auf ihrem mobilen Betriebssystem Android zu.