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Yankee Group: CIOs tun sich schwer mit komplexem IT-Outsourcing

22.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Parallel zu den Bemühungen der Unternehmen, mit Hilfe von Umstrukturierung und anderer Maßnahmen auf die schwache Konjunktur zu reagieren, steigen auch die Anforderungen an die IT-Entscheider. So versuchen immer mehr Firmen, als Mittel zur Kostensenkung weite Geschäftsbereiche auszulagern. Nach Prognosen von Analysten steigen die Ausgaben für IT-Outsourcing in diesem Jahr um elf bis zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertreffen dabei das Wachstum in anderen IT-Servicebereichen wie Systemintegration und Beratung. Die Tätigkeit der CIOs werde dadurch aber nicht einfacher, so das US-Marktforschungsunternehmen Yankee Group. Wegen der Vielzahl von Angeboten und der gestiegenen Zahl der Geschäftsprobleme erhöhe sich vielmehr die Chance exponentiell, dass die ausgewählte Lösung nicht zu dem akuten Problem passt, argumentiert Yankee-Group-Analyst Andy Efstathiou.

Um erfolgreich ihre Outsourcing-Aktivitäten anzupassen, müssen sich CIOs und andere IT-Entscheider von der Ansicht trennen, dass man nur Bereiche auslagern sollte, die nicht mit dem Kerngeschäft verbunden sind. Diese Faustregel ist passé, erklärt Efstathiou: Beim Outsourcing gehe es längst nicht mehr nur um die Trennung zwischen Kern- und nicht Kernprozesse. Entscheidend sei vielmehr, wie die Geschäftsprozesse in einer sich stetig entwickelnden Geschäftsumgebung verbessert werden können. Dabei stünden alle Aktivitäten zur Disposition und sollten - wenn die Umstände dafür sprächen - auch ausgelagert werden.

Derzeit beschäftigen sich CIOs mit zwei Outsourcing-Grundtypen, erläutert der Yankee-Analyst: Zum einen mit der traditionellen Auslagerung von IT-Aufgaben und -Infrastruktur zur Kostensenkung, zum anderen mit dem ausgeklügelten und komplexeren Business-Process- Outsourcing (BPO). Unter den zweitgenannten Punkt fallen etwa Lohnabrechnungen und andere Finanzdienstleistungen zusammen mit dem zugehörigen IT-Unterbau.

In beiden Fällen sei es schwierig, aus der Myriade unterschiedlicher Angebote zu wählen, zumal die Marketing-Methoden der Outsourcing-Dienstleister für Verwirrung sorgen. Zudem müssten die CIOs aufgrund der ständig wechselnden Geschäftssituation kontinuierlich ihre IT-Umgebung prüfen und bewerten, einschließlich der Mischung aus In- und Outsourcing.

Um den geeignetesten Dienstleister für ein aktuelles Outsourcing-Projekt zu finden, empfiehlt Efstathiou eine Auswahlmethode, die eine objektive Analyse der Möglichkeiten erlaubt. Wichtige Aspekte dabei seien ein Pflichtenheft und ein detaillierter Vergleich der Leistungen bei einzelnen Angeboten. Außerdem ergänzt der Analyst, sollten die IT-Entscheider Outsourcing-Verträge im Beisein eines Anwalts verhandeln und sich die endgültige Entscheidung von der Chefetage absegnen lassen.

Aber selbst nach Vertragsabschluss ist die Arbeit für den CIO noch nicht beendet. Nun gilt es, die Qualität der Outsourcing-Leistungen kontinuierlich zu überwachen und ihre Notwendigkeit wiederholt auf den Prüfstand zu stellen. (mb)