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Milliardenverlust durch Wertberichtigungen

Yahoo stellt sich zum Verkauf und streicht Jobs

03.02.2016
Marissa Mayer macht noch einen groß angelegten Versuch, die Zukunft des Internet-Urgesteins Yahoo zu sichern. Ihre Pläne: Umbau, Stellenstreichungen sowie der Verkauf von Firmenteilen und vielleicht sogar des ganzen Unternehmens.

Der kriselnde Internet-Pionier Yahoo greift zu radikalen Maßnahmen. Erwogen wird der Verkauf von Unternehmensteilen für bis zu drei Milliarden Euro. Dem Umbau könnten ferner rund 15 Prozent der Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Außerdem sollen "strategische Alternativen" geprüft werden, hieß es zur Vorlage aktueller Quartalszahlen. Mit dieser Formulierung stellt sich Yahoo faktisch zum Verkauf.

Das Problem von Yahoo: Trotz aller Versuche von Chefin Marissa Mayer bekommt der Konzern sein Kerngeschäft mit Online-Werbung nicht in Schwung. Im vergangenen Quartal wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um gerade einmal 1,6 Prozent auf gut 1,27 Milliarden Dollar. Es gab einen Verlust von 4,43 Milliarden Dollar nach einem Minus von 166,3 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Auslöser war eine gewaltige Firmenwert-Abschreibung von 4,46 Milliarden Dollar auf das Geschäft in Nord- und Lateinamerika sowie in Europa und bei der Blogplattform Tumblr.

Wertberichtigungen sorgen für Milliardenverlust

Die Abschreibung - eine Wertberichtigung der überhöhten Preise aus Übernahmen - traf vor allem das Nordamerika-Geschäft mit einer Höhe von 3,7 Milliarden Dollar. Auf Tumblr entfielen 230 Millionen Dollar, hieß es in einer Telefonkonferenz nach der Zahlenvorlage. Die Blogplattform verfehlte ihr Ziel von 100 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr, hieß es. Yahoo hatte rund eine Milliarde Dollar für Tumblr bezahlt, um jüngere Nutzer anzulocken.

Der geplante Stellenabbau von bis zu 1700 Jobs geht mit der Schließung der Yahoo-Büros in Madrid, Mailand, Dubai, Buenos Aires und Mexiko-Stadt einher. Zum Ende dieses Jahres will der Konzern nur noch 9000 Mitarbeiter und 1000 externe Angestellte haben. Damit wäre die Belegschaft 42 Prozent kleiner als noch im Jahr 2012, betonte Yahoo. Der Abbau solle 400 Millionen Dollar pro Jahr sparen.

Beim Verkauf von Firmenteilen wolle Yahoo vor allem die Bereiche loswerden, die nicht zum Kerngeschäft gehörten, hieß es. Das könnten etwa einige Patente und Immobilien sein. Dies soll bis Jahresende eine bis drei Milliarden Dollar einbringen, so die Hoffnung des Managements.

Yahoo stellt sich zum Verkauf

Der Yahoo-Verwaltungsrat werde ferner "strategische Vorschläge" prüfen, hieß es weiter. Schon seit einigen Monaten wurde über einen möglichen Verkauf spekuliert. Die Aktie gab nachbörslich um mehr als zwei Prozent nach, nachdem auch die Prognose für das laufende Quartal niedriger als erwartet ausgefallen war.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer tut sich nach wie vor schwer, die Reichweite des Internet-Konzerns in ein profitables Geschäft umzumünzen.
Yahoo-Chefin Marissa Mayer tut sich nach wie vor schwer, die Reichweite des Internet-Konzerns in ein profitables Geschäft umzumünzen.
Foto: IDG News Service

Yahoo tut sich auch unter Mayers Regie schwer mit der zentralen Frage, an der schon mehrere ihrer Vorgänger scheiterten: Wie münzt man die Reichweite von mehreren hundert Millionen Nutzern in ein profitables Geschäft um? Zu Mayers Antwort gehörte ein Ausbau des Mediengeschäfts mit Investitionen in Themen-Websites und Video-Inhalte. So ließ sie die im TV abgesetzte Serie "Community" online wieder aufleben, bei der sie auf eine eingefleischte Fangemeinde hoffte. Dennoch brachte die Video-Offensive einen Verlust von 40 Millionen Dollar ein.

Fokus auf das Kerngeschäft mit drei Plattformen

Künftig soll es bei Yahoo drei Plattformen geben: Suche, Mail und Tumblr. Bei den Medienangeboten setzt der Konzern auf vier Themen: Nachrichten, Sport, Finanzen und Lifestyle. Deutschland wurde neben USA, Kanada, Großbritannien, Hongkong und Taiwan zu den "Wachstumsmärkten" für Yahoo gezählt.

Weiterhin überlegt das Management, wie sich Yahoo am besten vom verbliebenen Anteil an der chinesischen Handelsplattform Alibaba trennen könne. Der ursprüngliche Plan war, den Alibaba-Anteil von 15 Prozent abzustoßen und den Erlös an die Aktionäre auszuschütten. Doch auch kurz vor dem geplanten Abschluss der Transaktion Anfang 2016 blieb unklar, ob sie steuerfrei umgesetzt werden kann. Der aktuelle Plan seit Anfang Dezember ist, statt des Alibaba-Anteils nun das bisherige Internet-Kerngeschäft in eine neue Firma auszulagern. Dabei könnten zwei börsennotierte Unternehmen entstehen. Gehören würde die neue Firma den bisherigen Yahoo-Anteilseignern. (dpa/ba)