Web-Fusion mit AOL, Werbepartnerschaft mit Google

Yahoo! schmiedet Allianzen gegen Microsoft

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Über eine Kombination seines Internet-Betriebs mit AOL und eine Werbe-Partnerschaft mit Google will Yahoo! sich der drohenden Übernahme durch Microsoft erwehren. Der Redmonder Konzern spricht derweil mit Rupert Murdochs News Corp. über ein gemeinsames Gebot für den Portalriesen.

Dies berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider der beteiligten Unternehmen. Der Übernahmestreit um Yahoo! verschärft sich damit zusehends. Microsoft hatte Anfang des Jahres rund 45 Milliarden Dollar für Yahoo! geboten, um seinen Internet-Rückstand zu Google aufzuholen. Yahoo! lehnte das Angebot bisher als zu niedrig ab. Die Microsoft-Offerte hat ohnehin inzwischen an Wert verloren, weil der Aktienkurs des Softwareriesen nachgegeben hat. CEO Steve Ballmer hat Yahoo! trotzdem inzwischen eine feindliche Übernahme zu einem möglicherweise noch geringeren Preis angedroht.

Die angedachte Web-Fusion mit AOL würde dem Bericht zufolge auch den Rückkauf von Yahoo!-Aktien zu einem Preis über dem des Microsoft-Angebots beinhalten. Zusammen mit einer Kooperation mit Google im Bereich Werbung in der Internet-Suche könnte Yahoo! eine Alternative zur Übernahme durch Microsoft aufbauen, auch wenn viele Analysten erwarten, dass Microsoft letztlich obsiegt. Zumindest könnte der Plan Yahoo! aber dabei helfen, einen höheren Preis herauszuschlagen.

Die Verhandlungen mit der AOL-Konzernmutter Time Warner sehen laut "WSJ" vor, dass Time Warner seine AOL-Sparte in Yahoo! einbringt und eine Barinvestition für etwa 20 Prozent des kombinierten Unternehmens tätigt. Der Deal würde AOLs Access-Geschäft (Dial-up) außen vor lassen und AOLs Internet-Aktivitäten mit rund zehn Milliarden Dollar bewerten. Yahoo! würde das Geld von Time Warner und weitere Mittel verwenden, um eigene Aktien im Wert von mehreren Milliarden Dollar zu jeweils 30 bis 40 Dollar vom Markt zu kaufen.

Gleichzeitig, so heißt es weiter, verhandele Yahoo! mit Google über ein "Outsourcing" der Vermarktung seiner Internet-Suche. Gestern kündigten beide Firmen einen entsprechenden Test an. Microsoft reagierte auf die Pläne umgehend mit scharfer Kritik. Ein Zusammenarbeit der beiden Firmen brächte Google bei Suchanzeigen einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent, warnte der Softwarekonzern am Mittwochabend. Dies würde den Wettbewerb dramatisch einschränken. Auch Branchenexperten rechnen in einem solchen Fall mit starken Bedenken der Wettbewerbshüter.

Microsoft wiederum erwägt im Gegenzug offenbar ein gemeinsames Angebot für Yahoo! zusammen mit Rupert Murdochs Medienimperium News Corp., dessen Ergebnis ein riesiger "One-stop Shop" für Online-Werbekunden wäre und einige der größten Player in den Bereichen Social Networking, Online-Nachrichten und E-Mail zusammenbrächte. Sowohl Microsoft als auch News Corp. hätten mit Yahoo! schon die Möglichkeiten einer Dreierallianz diskutiert, berichtet eine Quelle. Dieser zufolge würde News Corp. auch einiges Geld zu dem Deal beisteuern.

Eine Kombination dreier Seiten würde aber natürlich auch jegliche Integration nach Abschluss eines Deals erheblich erschweren, beispielsweise bei der Zusammenführung der unterschiedlichen IT-Systeme, dem Ausdünnen des Managements und der Festlegung der Markenstrategie. Dafür die Aktionäre von Yahoo! zu begeistern, dürfte eine zusätzliche große Herausforderung bedeuten. (tc)