Web

 

Yahoo in der Krise

08.03.2001
Yahoo veröffentlichte gestern eine Hiobsbotschaft im Doppelpack: Die Einnahmen im laufenden Quartal liegen um 25 Prozent unter den Erwartungen, CEO Tim Koogle wirft das Handtuch.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Internet-Portal Yahoo sorgte gestern für einige Aufregung an den US-Börsen. Die Company unterbrach plötzlich und unerwartet eine Analystenkonferenz mit Merrill Lynch und wurde aufgrund der brodelnden Gerüchteküche anschließend vom Handel ausgesetzt. Sechs Stunden mussten Anleger und Analysten warten, dann veröffentlichte Yahoo (nachbörslich) eine Erklärung, die dem jüngsten Aufschwung der Technologiebörsen ein jähes Ende bereiten könnte.

Was Yahoo da herausließ, war eine Hiobsbotschaft im Doppelpack: Die Umsätze im laufenden Quartal liegen wohl 25 Prozent unter den Erwartungen. Gleichzeitig legt CEO (Chief Executive Officer) Timothy Koogle sein Amt nieder.

Die Einnahmen für das erste Fiskalquartal schätzt Yahoo auf 170 bis 180 Millionen Dollar, die Analysten waren laut First Call/Thomson bislang von optimistischen 232,6 Millionen Dollar ausgegangen. Auch aus den von der Wall Street erhofften fünf Cent Gewinn pro Aktie wird nichts - Yahoo erwartet lediglich ein Break-even-Quartal. Die Gewinnwarnung begründete Finanzchefin Sue Decker mit der allgemein schlechten Wirtschaftslage und der daraus resultierenden Zurückhaltung seitens der Werbekunden.

Überraschender kam aber die Ankündigung der Company, sie habe mit der externen Suche nach einem neuen CEO begonnen. Timothy Koogle, der 1995 als siebter Mitarbeiter bei Yahoo angeheuert hatte, will sich auf die Position des Chairmans (Sprecher des Verwaltungsrats) zurückziehen, sobald die beauftragten Headhunter von Spencer Stuart & Associates einen geeigneten Nachfolger gefunden haben. Bitter ist die Ankündigung für den von manchen Experten als "Kronprinz" eingestuften President und Chief Operating Officer (COO) von Yahoo, Jeffrey Mallett. Koogle bestätigte, dass dieser als Kandidat für das Spitzenamt nicht in Betracht komme. "Wir wollen ein frisches Talent von außen holen", erklärte der Noch-CEO.