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XFree86-Projekt setzt Gründungsmitglied vor die Tür

21.03.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Kern-Team des Open-Source-Projekts XFree86 hat sich vom Gründungsmitglied Keith Packard getrennt. Packard habe es abgelehnt, die Entwicklung betreffende Probleme im Team zu besprechen und statt dessen eine eigene geschlossene Mailing-Liste betrieben. Damit habe er XFree86 kippen und ein eigenes Konkurrenzprojekt etablieren wollen. Somit sei er als Mitglied nicht mehr tragbar, begründeten die XFree-86-Direktoren David Dawes, Robin Cutshaw, Marc Evans, Rich Murphey, Jon Tombs und David Wexelblat ihre Entscheidung. Packard streitet die Anschuldigungen ab. Er habe lediglich Anregungen sammeln wollen, um sie als kohärente Vorschläge in den Entscheidungsprozess von XFree86 einzubringen.

Schützenhilfe erhält Packard vom Linux-Kernel-Entwickler Alan Cox, einem engen Mitarbeiter von Linus Torvalds. Das Gründungsmitglied habe viele gute Ideen in das Projekt eingebracht, was bei der Entwicklung eines Systems wie XFree nicht einfach sei.

Bei XFree86 handelt es sich um eine quelloffenen Implementierung des X Window Systems, die hauptsächlich in die Open-Source-Betriebssysteme Linux und BSD, aber auch in Suns Unix-Derivat Solaris und Apples Mac OS X integriert ist. X Windows ermöglicht die Darstellung grafischer Benutzerführungen und dient als Schnittstelle zwischen Hardware wie Maus, Tastatur und Bildschirm sowie der Desktop-Umgebung mit APIs (Application Programming Interfaces). In der Vergangenheit warfen Hardwarehersteller, zum Beispiel ATI, dem XFree86-Projekt immer wieder vor, neue Funktionen zu langsam zu integrieren - mit der Folge, dass Linux die entsprechenden Grafikchips erst sehr lange Zeit nach der Markteinführung unterstützt. (lex)