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Xerox feuert Wirtschaftsprüfer KPMG

08.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der gebeutelte US-Konzern Xerox hat sein 30-jähriges Geschäftsverhältnis mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gelöst. Das geht aus einer Pressemitteilung und einer Pflichtveröffentlichung bei der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) hervor. Als neuen Wirtschaftsprüfer verpflichtete der Kopierer- und Druckerspezialist PricewaterhouseCoopers (PwC).

Die Kündigung eines Auditors ist in großen Unternehmen ungewöhnlich und gilt im Fall Xerox als Zeichen dafür, dass der Hersteller seine Buchhaltungsprobleme noch immer nicht im Griff hat. Vor über einem Jahr musste das Unternehmen zugeben, dass es in seinem Mexiko-Geschäft zu Unregelmäßigkeiten gekommen war. Daraufhin nahm die US-Börsenaufsicht den Konzern unter die Lupe. Der Skandal spitzte sich zu, als sich KPMG weigerte, das Jahresergebnis von 2000 ohne gründliche Untersuchung zu bestätigen. Im Juni 2001 wies Xerox dann die Bilanzen für 1998, 1999 und 2000 neu aus mit der Begründung, bei den früher veröffentlichten Ergebnissen habe man einige Buchhaltungsregeln "falsch angewendet". Dadurch war der Umsatz in diesen drei Jahren um insgesamt 845 Millionen Dollar höher ausgefallen.

Aus der SEC-Pflichtveröffentlichung geht zudem hervor, dass KPMG mehrfach die Buchhaltungsmethoden von Xerox kritisiert hatte. So bemängelten die Wirtschaftsprüfer "grundlegende Schwächen im internen Kontrollsystem des Unternehmens" sowie die Unfähigkeit des Firmen-Managements, eine seriöse Finanzberichterstattung auf die Beine zu stellen. Zudem soll KPMG Insidern zufolge den Rücktritt des Finanzchefs Barry Romeril gefordert haben. Vor wenigen Tagen hatte Xerox dann bekannt gegeben, dass sein Finanzchef Barry Romeril zum Jahresende ausscheiden werde (Computerwoche online berichtete). Allerdings erklärte eine Unternehmenssprecherin, dass die Aufkündigung des Geschäftsverhältnisses mit KPMG und das Ausscheiden von Romeril in keinem Zusammenhang stehe. Der Wechsel der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bedeute lediglich, dass Xerox die Bilanzierung des

Geschäftsjahres 2001 unbelastet angehen wolle.

Dem "Wall Street Journal" zufolge soll man Romeril allerdings nahegelegt haben, seinen Rücktritt einzureichen. Sonst wäre es zu einer Kündigung gekommen. Wie eingeweihte Kreise weiter berichten, seien einige Xerox-Verwaltungsratsmitglieder über die dubiosen Bilanzierungsmethoden schockiert gewesen. Ihrer Meinung nach sollen Romeril und andere Führungskräfte das Board of Directors absichtlich im Dunkeln gelassen haben. Einige Direktoren äußerten zudem Kritik an den KPMG-Auditoren, die dem Verwaltungsrat zu wenig Informationen über die Buchhaltungspraktiken von Xerox übermittelt hätten.