Web

 

Xbox-Manager soll Microsofts Musikgeschäft ankurbeln

14.06.2005
Robbie Bach, Herr über die Xbox, soll Insidern zufolge Microsoft jetzt auch im Kampf um den digitalen Musikmarkt gegen Apple neu aufstellen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft will offenbar nicht länger tatenlos zusehen, wie Steve Jobs den Markt für digitale Musik kontrolliert. Der Redmonder Konzern habe deswegen den 43-jährigen Senior Vice President Robbie Bach, Chef der Xbox-Konsolensparte, damit beauftragt, das eigene Musik-Business neu aufzustellen, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Bach werde darüber hinaus möglicherweise auch die Verantwortung für weitere Consumer-Aktivitäten übernehmen, berichten die Quellen weiter.

Dabei sei davon auszugehen, dass der aufstrebende Manager eine Reihe von Veränderungen durchsetzen dürfe, beispielsweise die Einrichtung einer dedizierten Mannschaft für den digitalen Musikmarkt, die Reorganisation von Produktsparten oder den Zukauf geeigneter Firmen. Unter anderem soll Bach auch die Xbox zu einem "Hub" für die Verwaltung digitaler Musik machen, heißt es. Ein Microsoft-Sprecher erklärte, es sein noch zu früh, Bachs neue Rolle zu diskutieren.

Mit seinen bisherigen Bemühungen hat Microsoft Apples Erfolg mit den "iPod"-Audio-Playern und dem "iTunes Music Store" nicht bremsen können. Der im Oktober 2001 eingeführte iPod kommt auf fast 80 Prozent Marktanteil bei portablen Playern mit Festplatte - Tendenz steigend. Microsoft hat den Markt bislang ähnlich beackert wie das PC-Geschäft: Es hat versucht, durch Vergabe von "Windows-Media"-Lizenzen an jeden x-beliebigen Hardwarebauer ein "Ökosystem" zu etablieren. Zahlreiche Partner produzieren bereits "Plays-for-sure"-Player, und diverse Online-Dienste verkaufen Musik im Microsoft-Format.

Was bei PCs funktionierte, hat bei Musik bislang nicht geklappt. Statt Microsofts Technik als Industriestandard zu etablieren, wurden die Verbraucher mit einer Vielzahl unterschiedlicher Geräte und Dienste unter verschiedenen Markennamen konfrontiert, die nicht immer gut zusammenspielten. Apple dagegen ist der einzige iPod-Hersteller. Das Gerät ist einfach zu bedienen und arbeitet nur mit einem führenden Musik-Bezahldienst zusammen.

Während dieses Eine-Firma-Konzept bei PCs das Wachstum des Macs hemmte, hat sich die Integration von Hardware, Software und Online-Dienst aus einer Hand bei Musik als erfolgreicher erwiesen. Außerdem ist es Apple gelungen, seine Marken in der Populärkultur zu verankern, Microsofts Partner mit ihren verschiedenen Marken haben sich daran bislang vergeblich versucht.

"So sehr Microsoft auch behauptet, es biete Auswahl, der Verbraucher hat entschieden", urteilt Michael Gartenberg, Analyst bei Jupiter Research. "150 Player anzubieten ist offenbar kein Gegenstück für den einen iPod, den die Leute derzeit im Kopf haben." Konzernchef Steve Ballmer räumte denn auch unlängst in einem Interview ein: "Wir hätten bei der Integration unserer Geräte härter pushen können und sollen. Den Fehler machen wir nicht noch einmal."

Die Xbox Group unter Leitung von Robbie Bach ist eine von wenigen bei Microsoft, die nicht den Ökosystem-Ansatz verfolgt hat. Sie packt autokratisch Hard- und Software unter ein Markendach. Und obwohl sie mit externen Spielefirmen zusammenarbeiten muss, hat Bach erfolgreich die Kontrolle über das Konsolendesign, Partnerschaften, Fertigung, Marketing und Branding behalten. Zwar hat Microsoft mit seinem Einstieg in den Markt zunächst jede Menge Geld verloren, aber die Maschine ist ein Erfolg und eine anerkannte Marke - aus Sicht mancher im Konzern das Produkt von Microsoft, was Apples iPod am nächsten kommt.

Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass nun Bach sich des Musikgeschäfts annehmen wird. Dabei kann er gleich ein weiteres seiner Talente einsetzen - die erfolgreiche Arbeit mit zersplitterten Teams. An Microsofts Musikgeschäft arbeiteten zeitweise bis zu vier Sparten mit teils konkurrierenden Interessen. Bach ist seit 16 Jahren bei Microsoft, ihm schreibt man unter anderem die Vereinheitlichung der europäischen Landesgesellschaften und die Etablierung der Office-"Suite" aus zuvor separaten Marketing-Bereichen zu. (tc)