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Xbox 360 läutet eine neue Ära ein

21.11.2005
Für die Spielekonsolen-Branche beginnt eine neue Ära. Als erster der drei großen Wettbewerber bringt Microsoft seine neue "Xbox 360" zunächst in den USA in den Handel, die neben einer drastisch höheren Rechenleistung erstmals auch hochauflösende Bilder liefern kann.

Marktführer Sony mit seiner "Playstation 3" (derzeit noch beschäftigt mit der portablen "PSP") und Nintendo mit der "Revolution" folgen erst im kommenden Jahr. Microsoft hofft, durch den Start zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft Boden im Markt gutzumachen.

Microsoft bringt sein neues High-Tech-Spielzeug als erstes Unternehmen weltweit nahezu zeitgleich in den Handel - am 2. Dezember folgt der Start in Europa und am 10. Dezember in Japan. Das gilt in der Industrie als riskant. So gebe es bei einer Neueinführung immer kleine Fehler in den Geräten, die erst nachträglich behoben werden können, sagt ein Branchen-Insider. Für kleine oder sogar größere Nachbesserungen habe Microsoft mit einem weltweiten Start keine Gelegenheit mehr und könnte unter Umständen die Kundschaft verärgern. Ein weiteres Risiko sind Lieferengpässe. Immerhin will Microsoft innerhalb von nur 90 Tagen weltweit mehr als drei Millionen Geräte verkaufen - eine logistische Herausforderung. Und in Deutschland etwa sollen zur Markteinführung auch 14 Spieletitel verfügbar sein.

Für den Softwarekonzern steht viel auf dem Spiel. Microsoft nimmt die langjährige Vorherrschaft von Sony ins Visier. Die allererste Playstation hatte der Marktführer 1994 auf den Markt gebracht, die Playstation 2 folgte im Jahr 2000. Vor rund vier Jahren drang dann Microsoft erstmals mit einer eigenen Konsole in den lukrativen Spielemarkt vor. Nun will sich der Konzern endlich selbst einen zeitlichen Vorsprung verschaffen und die Xbox der neuen Generation zum wirtschaftlichen Erfolg führen. In das Vorgängermodell hatte Microsoft zwölf Milliarden Dollar investiert sowie weitere Kosten von mehr als 2,4 Milliarden Dollar für Entwicklung und Verkauf verbucht.

Unterdessen wird spekuliert, ob dem weltgrößten Softwarekonzern mit der Strategie des weltweiten Starts der große Wurf gelingen wird. Bereits vor rund zwei Wochen gab es erste Meldungen darüber, dass in einigen Internet-Kaufhäusern die Konsole bereits Wochen vor dem offiziellen Start vergriffen sei. US-Händler warnten, sie könnten zum Verkaufsstart möglicherweise nicht genügend Geräte vorrätig haben, um alle Kundenwünsche zu befriedigen. Und bei eBay ging so manches Gebot für den digitalen Kraftprotz bis weit über 4000 Dollar - bei einem Preis von 399 Dollar bereits für die Premium-Version mit drahtlosem Controller, externer Festplatte, Headset und Fernbedienung. Die Basis-Ausführung kostet 299 Dollar.

Jüngste Spekulationen in der Spieler-Szene reichten bis zu einer Art Verschwörungstheorie, wie der "Seattle Post-Intelligencer" am Freitag berichtete: Könnte Microsoft die Lieferungen zurückhalten, um künstlich den Eindruck einer außerordentlichen Nachfrage zu erzeugen? Das sei "lächerlich", entgegnete Xbox-Manager Peter Moore. Microsoft wolle ganz im Gegenteil so viele Einheiten verkaufen wie nur möglich.

"Sie haben damit wirklich keine weise Geschäftsentscheidung getroffen, meinte dazu Händler Craig Tozzolino aus Hazlet (New Jersey). Der Geschäftsmann erwartet, weniger als zehn Geräte am kommenden Dienstag in seinem Laden vorrätig zu haben. Doch allen Unkenrufen zum Trotz zeigt sich Microsoft zuversichtlich. "Ich glaube, wenn sich der Staub gelegt hat, wird es sich als richtig herausstellen, und es wird der übliche Weg werden, wie man in dieser Industrie eine Spielekonsole auf den Markt bringt", sagt Moore. Immerhin hatte Microsoft frühzeitig vorgesorgt und das Gerät in drei großen Fabriken in Fernost produzieren lassen. (dpa/tc)