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WSIS zieht bei Open Source den Schwanz ein

30.09.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Dezember findet in Genf der von den Vereinten Nationen (UN) und der International Telecommunications Union (ITU) World ausgerichtete Summit on the Information Society (WSIS) statt. Nachdem im August im Vorfeld des Kongresses noch ein umfänglicher Aktionsplan entstanden war, der unter anderem verstärkt den Einsatz von Open-Source-Software forderte, gibt sich ein in der vergangenen Woche verabschiedetes Papier deutlich milder. Hier haben sich offenbar sowohl Regierungen von Industrieländern als auch Lobbyisten der Softwareindustrie dafür stark gemacht, kommerzielle Software zumindest gleichberechtigt zu behandeln.

Regierungen sollten "bei allen Beteiligten das Bewusstsein für die Möglichkeiten vorantreiben, die unterschiedliche Softwaremodell bieten, darunter proprietäre, quelloffene und freie Software", heißt es in dem Entwurf vom 26. September. Im August-Papier wurde Open Source noch deutlich bevorzugt und insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländern ans Herz gelegt. Unter anderem sah das Papier vor, die UN solle zu diesem Zwecke eine Organisation "Programmier ohne Grenzen" schaffen.

Übrigens fielen auch Ausführungen zur Spam-Problematik aus dem Aktionsplan heraus. Nachdem es noch im August geheißen hatte, man solle im Rahmen einer weltweiten konzertierten Aktion gegen die Flut unerwünschter Werbe-Mails zu Felde ziehen und dazu Service-Provider koordinieren, die Nutzer schulen und Spam-Versender juristisch verfolgen, schrumpften die rund 100 Wörter aus dem August-Draft in der September-Variante auf den schlichten Satz "Mit den gebotenen Mitteln auf nationaler und internationaler Ebene gegen Spam vorgehen" zusammen.

Auf dem WSIS werden mehr als 50 Staatsoberhäupter erwartet, um eine Fülle von Themen rund um die Überbrückung der so genannten "Digital divide", der Kluft zwischen Besitzern und Nichtbesitzern von Informationstechnik, zu diskutieren. (tc)