Internet of Things

Woran IoT-Projekte noch scheitern

17.03.2016
Von 


Christoph Lixenfeld, seit 25 Jahren Journalist und Autor, vorher hat er Publizistik, Romanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert.

1994 gründete er mit drei Kollegen das Journalistenbüro druckreif in Hamburg, schrieb seitdem für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, Focus, den Tagesspiegel, das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und viele andere.

Außerdem macht er Hörfunk, vor allem für DeutschlandRadio, und produziert TV-Beiträge, zum Beispiel für die ARD-Magazine Panorama und PlusMinus.

Inhaltlich geht es in seiner Arbeit häufig um die Themen Wirtschaft und IT, aber nicht nur. So beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren auch mit unseren Sozialsystemen. 2008 erschien im Econ-Verlag sein Buch "Niemand muss ins Heim".

Christoph Lixenfeld schreibt aber nicht nur, sondern er setzt auch journalistische Produkte ganzheitlich um. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Süddeutscher Zeitung und Computerwoche produzierte er so komplette Zeitungsbeilagen zu den Themen Internet und Web Economy inklusive Konzept, Themenplan, Autorenbriefing und Redaktion.
Es hapert an Standards, Integration und einer Infrastruktur für das Internet of Things. Gute Beispiele liefern dagegen schon ThyssenKrupp, Maersk und General Electric.

Das Thema ist buchstäblich in aller Munde, in diesen Tagen gibt es keine Businesskonferenz, keine öffentliche IT-Diskussion mehr, bei der nicht auch über das Internet der Dinge gesprochen wird.

Das Bemerkenswerte daran ist nicht die Aufmerksamkeit an sich, sondern die Tatsache, dass sich der Großteil dieser Diskussion seit Jahren nicht von der Stelle bewegt. Oder besser gesagt seit Jahrzehnten: Der Begriff Internet of Things feiert in diesem Jahr seinen 25sten Geburtstag. 1991, als der US-Wissenschaftler Mark Weiser ihn als erster verwandte, verband er ihn mit der damals noch fernen Vision von vernetzten Häusern und Küchengeräten.

Der Kühlschrank darf auf keinem Schaubild fehlen: Die Vernetzung des Heims ist DAS Standardbeispiel für die Funktionsweise des IoT. Die Potenziale liegen allerdings eher in anderen Anwendungen.
Der Kühlschrank darf auf keinem Schaubild fehlen: Die Vernetzung des Heims ist DAS Standardbeispiel für die Funktionsweise des IoT. Die Potenziale liegen allerdings eher in anderen Anwendungen.
Foto: Acer

Ein Vierteljahrhundert später müssen immer noch ständig Kühlschränke herhalten, wenn jemand erläutern will, was das Internet der Dinge ist. Denn Kühlschränke können - so die Vision - nicht nur selbst Milch bestellen, sondern auch Gedanken lesen und Spam verschicken…

Dass das Internet der Dinge viel mehr kann, und dass Businessanwendungen des IoT ein viel größeres Potenztial haben als die Beschäftigung mit den überstrapazierten Kühlgeräten, darauf wies schon Paul Miller, Analyst bei Forrester Research, Anfang diesen Jahres in einem Blogbeitrag hin.

Die große Sehnsucht nach Standards

Jetzt hat ein Forrester-Team in der "Internet of Things Heat Map 2016" herausgearbeitet, wie solche Anwendungen aussehen können und wie Unternehmen am besten davon profitieren.

Die Daten stammen aus Forresters "Global Business Survey 2015": Im Januar 2015 hatte das Analyseunternehmen mehr als 3600 Business- und Tech-Entscheider aus 20 Branchen in 10 Ländern - unter ihnen Indien, die USA und Deutschland - über ihre Investitionsabsichten und Business-Prioritäten befragt.

Sprich mit mir: Via Internet kann heute fast jedes Gerät mit anderen kommunizieren. Allerdings nur theoretisch; in der Praxis fehlt es an Standards.
Sprich mit mir: Via Internet kann heute fast jedes Gerät mit anderen kommunizieren. Allerdings nur theoretisch; in der Praxis fehlt es an Standards.
Foto: Samsung

Das Internet der Dinge war inhaltlich nur ein Teil dieses Panels - aber ein sehr wichtiger. Zumal - auch darauf wies schon Paul Miller in seinem Blogbeitrag hin, IoT-Visionen jenseits von Kühlschränken und Smart Homes bisher ziemlich unkonkret geblieben sind.

Was vor allem daran liegt, dass das Internet der Dinge mit allerlei technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, die die schnelle Umsetzung konkreter Vorhaben behindern. Kernproblem ist das Fehlen breit nutzbarer Standards, die eine komplexere Kommunikation zwischen Geräten ermöglichen, als dies mit RFID-Tags möglich ist. Viele Anwendungen sind deshalb Insellösungen geblieben, was dem hinter IoT stehenden Grundgedanken widerspricht.

Wirklich offene Ansätze sind selten

Und da, wo diese Inseln miteinander verbunden sind, handelt es sich häufig um proprietäre Ansätze einzelner Big Player. Eine ganze Reihe von Google-Anwendungen zum Beispiel basieren auf Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, allerdings ist das einzige - und wenig originelle - Geschäftsmodell dahinter die Sammlung und Auswertung von Nutzerdaten, um mit ihrer Hilfe mehr Werbung zu verkaufen.

Die Predix Cloud von General Electric

Doch seit einiger Zeit gibt es auch offenere, zukunftsweisendere Ansätze. Einer davon ist die "Predix Cloud" von General Electric, eine Platform as a Service (PaaS), die Maschinendaten aus der Industrie sammeln und auswerten kann, und zwar großen Mengen ganz unterschiedlicher Datentypen. Zur Analyse und Nutzung dieser Informationen stellt GE eine hochsichere Cloud-Umgebung bereit.

Die "Predix Cloud" soll einen Beitrag dazu leisten, mit Hilfe des Internets der Dinge nicht nur vorhandene Prozesse automatisieren oder vereinfachen zu können, sondern darüber hinaus ganz neue Prozesse zu definieren.