Arbeiten für Amerikaner

Woran Deutsche scheitern

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
US-amerikanische Firmen exportieren nicht nur Produkte, sondern auch ihre Kultur. Wer in einer deutschen Niederlassung von Google, Microsoft und Co. Karriere machen will, sollte die Unterschiede zwischen beiden Arbeitswelten kennen.

"US-amerikanische Konzerne suchen für ihre deutschen Niederlassungen brave Soldaten. Sie wollen keine kreativen Manager", stellt Thomas Heyn, Geschäftsführer der Personalberatung Jack Russell Consulting in München, immer wieder fest. Hierzulande soll das Management gehorsam die globale Unternehmensstrategie eins zu eins umsetzen. Für eigene Ideen und kreative Freiräume bleibt kein Platz; das bekommen deutsche Statthalter von mächtigen US-Firmen immer wieder zu spüren. Nach der Beobachtung von Heyn können manche Geschäftsführer über weniger als 50.000 Euro frei entscheiden. "Söldnertypen" seien gefragt, meint Heyn. Wer mit großem Elan, guten Ideen und dem Wunsch, etwas zu bewegen, dort anheuert, holt sich möglicherweise schnell Blessuren.

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  • wo es zwischen Deutschen und Amerikanern rumpeln kann;

  • wie die Kommunikation besser funktioniert;

  • weshalb regelmäßige Telefonate wichtig sind.

Thomas Hey, Jack Russell Consulting: US-amerikanische Niederlassungen brauchen keine kreativen Manager, sondern brave Soldaten.
Thomas Hey, Jack Russell Consulting: US-amerikanische Niederlassungen brauchen keine kreativen Manager, sondern brave Soldaten.

Selbst wer keine ambitionierten Karrierepläne hegt, sollte die grundsätzlichen Unterschiede in der Arbeitsweise kennen, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Herbert Nestler, interkultureller Kommunikationstrainer und Berater aus Chicago, lebt seit fast 20 Jahren in Deutschland und kennt beide Arbeitswelten bestens. "US-amerikanische Firmen exportieren nicht nur ihre Produkte, sondern auch ihre Kultur. Sie achten sehr darauf, dass die gleichen Prinzipien und Werte eine Rolle spielen. Das unterscheidet sie übrigens nicht von deutschen Konzernen, die genauso darauf bedacht sind, im Ausland ihr Image zu wahren."

Von den Amerikanern lernen

Statt über eine Bevormundung seitens der Zentrale oder fehlende Freiräume zu lamentieren, gilt es, als Mitarbeiter das Beste aus seiner Situation zu machen. "Von den Amerikanern können wir Spontaneität sowie Augenmaß für das Machbare lernen", rät die Wirtschaftswissenschaftlerin Ulrike Reisach.

Das empfiehlt auch Thomas Heyn. Der Manager arbeitete viele Jahre für US-amerikanische Unternehmen wie Oracle oder Hewlett-Packard (HP) und weiß, wie erfrischend Optimismus und Begeisterungsfähigkeit wirken können. Wichtig für eine gedeihliche Zusammenarbeit sind sehr gute Sprachkenntnisse, und zwar verhandlungssicheres amerikanisches Englisch. "Ich empfehle, sich die Sprache sehr schnell anzueignen, um Anspielungen und Witze zu verstehen."

Selbst wer nicht regelmäßig zwischen Alter und Neuer Welt pendelt, sollte sich in der Fremdsprache perfekt artikulieren können. Genauso nötig ist eine Offenheit gegenüber der Kultur und Lebensweise der US-amerikanischen Kollegen. "Das vermisse ich manchmal bei deutschen Mitarbeitern. Viele begegnen Amerikanern mit großer Arroganz."