Web

 

Woche der Wahrheit: Kleinfeld könnte gestärkt aus Krise kommen

23.04.2007
Es könnte nach schweren Monaten eine gute Woche werden für Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Durch den Rücktritt von Vorgänger und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer wird seine Position bei Deutschlands größtem Elektrokonzern nach Einschätzung von Branchenexperten gestärkt.

Zudem will der Aufsichtsrat am Mittwoch (25. April) Kleinfelds Vorstandsvertrag verlängern. Einen Tag später kann Kleinfeld bei Vorlage der Halbjahreszahlen zeigen, ob - wie von ihm kurz nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren versprochen - tatsächlich erstmals alle Geschäftsbereiche die ehrgeizigen Renditevorgaben des Konzerns erfüllen. "Ich hoffe, er kommt mit so glänzenden Zahlen daher, dass man nach all den Skandalen wieder übers Geschäft redet", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

In einem Schreiben an die Siemens-Beschäftigten erklärte Kleinfeld, er sei "betroffen und traurig" von der Entwicklung. "Wie Sie alle wissen, schätze ich Herrn von Pierer als Mensch, als Manager, als Ratgeber und als einen von uns." Er sei seinem Nachfolger zu tiefstem Dank verpflichtet. In den vergangenen Monaten war allerdings spekuliert worden, dass Verhältnis der beiden habe sich zunehmend verschlechtert. So betrieb Kleinfeld die Abspaltung des Autozulieferers VDO, den Vorgänger Pierer mit einer Milliardenübernahme erst geschmiedet hatte.

Kleinfeld könne den Konzern nun leichter nach seinen Vorstellungen umbauen, sagte ein Branchenkenner. Als früherer US-Chef von Siemens stehe er für einen amerikanisch geprägten Management-Stil, während Pierer noch ein Vertreter der alten Deutschland-AG war. So trauert der Gesamtbetriebsrat denn Pierer durchaus nach. "Er stand wie kein anderer für die Belange der Arbeitnehmer und den Standort Deutschland."

Schon bisher hat Kleinfeld unter anderem mit dem umstrittenen Verkauf der Handysparte und der Auflösung der Kommunikationssparte Com gezeigt, dass er zu drastischen Einschnitten bereit ist. Als er vor zwei Jahren - vom "manager magazin" als "Wunderknabe" begrüßt - die Nachfolge des langjährigen Vorstandschefs Pierer antrat, sah die Welt noch rosig aus. Doch schon damals ahnte Kleinfeld, dass die Aufgabe schwierig sein würde. 25 bis 30 Prozent des Geschäfts seien bei seinem Amtsantritt wegen der Probleme im Arbeitsgebiet Information und Kommunikation in einer schwierigen Situation gewesen, sagte er rückblickend. "Da besteht immer die Gefahr, dass dieser Teil den Rest des Unternehmens mit nach unten zieht."

Dennoch verkündete der neue Chef kurz nach seinem Antritt als Vorstandschef bei einer Pressekonferenz in Lissabon sein ehrgeiziges Ziel: Bis spätestens April 2007 sollten alle Sparten des Konzerns die Vorgaben erfüllen. Kleinfeld verknüpfte auch sein persönliches Schicksal mit dem Erreichen dieses Ziels. Überschattet von der Schmiergeldaffäre wird sich nun am Donnerstag zeigen, ob der Vorstandsvorsitzende Wort gehalten hat. Laut Branchenkreisen sehen die Zahlen gut aus, alle Bereiche hätten die Renditevorgaben erfüllt.

In der Schmiergeldaffäre um Auslandskorruption und dubiose Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB hat Kleinfeld nach allem, was bisher bekannt ist, eine weiße Weste. Gewerkschaft und Aktionärsschützer fordern aber noch mehr Engagement bei der Aufklärung. "Wir hätten gerne einen monatlichen Bericht über den Stand der internen Untersuchungen", sagte Bergdolt von der Schutzvereinigung DSW. Auch die IG Metall sieht den Vorstandsvorsitzenden stärker in der Pflicht. "Von Klaus Kleinfeld, der eine rückhaltlose Aufklärung der Schmiergeldzahlungen angekündigt hatte, sind wir sehr enttäuscht", sagte Aufsichtsrat Dieter Scheitor der "Abendzeitung". "Wir hätten uns sehr gewünscht, dass Siemens den Strafantrag gegen die AUB mitgetragen und mit uns gemeinsam gestellt hätte." (dpa/tc)