Digitalisierung braucht den CDO

Wo und wer ist der Chief Digital Officer?

Martin Krill ist Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung in Frankfurt am Main. Die Firma ist auf Executive Search spezialisiert.
Die digitale Transformation stellt traditionelle Prozesse und Geschäftsmodelle auf den Kopf. Für Unternehmen bedeutet dies häufig tiefgreifende Einschnitte, die auf höchster Ebene verantwortet werden sollten. Trotzdem ist der Chief Digital Officer in den Führungsetagen deutscher Betriebe noch kaum angekommen.

Die Digitalisierung prägt die gesamte Wirtschaft und auch Gesellschaft. Viele Unternehmen sind aufgrund dieses Trends stark damit beschäftigt, groß angelegte Digitalisierungsstrategien auszuarbeiten. Sie setzen alles daran, diese entsprechend umzusetzen. Doch mit rein digitalen oder gar disruptiven Geschäftsmodellen ist es nicht getan. Zum einen können Großkonzerne und etablierte Unternehmen nicht von heute auf morgen ihre Geschäftsmodelle über den Haufen werfen. Zum anderen sollte bei neuen Ausrichtungen ein ganzheitlicher Ansatz angestrebt werden. Viele deutsche Unternehmen, die sich momentan mit der Digitalisierung befassen, haben keinen Hauptverantwortlichen, der das Thema steuert und vorantreibt, nämlich einen Chief Digital Officer (CDO).

Ein Chief Digital Officer muss höchst diverse Skills in einer Person vereinen.
Ein Chief Digital Officer muss höchst diverse Skills in einer Person vereinen.
Foto: g0d4ather - shutterstock.com

Die Strategie in Sachen Digitalisierung sollte möglichst vom Unternehmen insgesamt ausgehen und nicht nur aus der Marketingabteilung heraus, weil sie den gesamten Betrieb betrifft. Es ist keine Seltenheit, dass Unternehmen "Digitalisierungs-GmbHs" gründen oder dieses Thema komplett in die IT-Abteilung, also direkt an den CIO, abschieben. Andere wiederum etablieren Abteilungen und Bereiche, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen und die erforderlichen Projekte dann umsetzen müssen. In Unternehmen, die bereits die Position eines Verantwortlichen "Digital" geschaffen haben, ist diese zumeist auf der Führungsebene angesiedelt. Der typische CDO verantwortet in der Regel den Digitalisierungsprozess für das Land, in dem sein Unternehmen tätig ist.

Unterstützung auch durch HR erforderlich

In der Regel ist der CDO direkt dem Vorstand oder der Geschäftsführung unterstellt. Der Bereich Human Resources (HR) sollte bei der digitalen Transformation jedoch im Wesentlichen eingebunden sein. Allem voran im Bereich der Unternehmensentwicklung, denn Voraussetzung für eine erfolgreiche digitale Transformation ist ein wohldurchdachtes und professionell organisiertes Change Management. Dieses sollte von der HR-Abteilung und idealerweise mit professioneller Unterstützung begleitet werden, um die neue Strategie und Ausrichtung erfolgreich in der gesamten Belegschaft zu verankern. Auch bei der personellen Ausgestaltung des digitalen Geschäftsmodells sowie der damit einhergehenden Ableitung der neuen personellen Rollen, Verantwortlichkeiten und relevanter Funktionsprofile bedarf es kompetenter Hilfe.

Was genau macht ein Chief Digital Officer?

Namhafte internationale Konzerne wie McDonald’s, Toyota, Starbucks, Nestlé oder L’Oreal haben bereits eigene CDOs an Bord. Zahlreiche deutsche Unternehmen hingegen überlegen derzeit, ob sie einen Neuzuwachs auf Vorstandsebene rekrutieren sollen. Der CDO sollte derjenige sein, der die Online-Strategie und digitale Transformation entwickelt, vorantreibt und letztendlich auch verantwortet. Mit anderen Worten: Für diese Rolle ist ein Stratege, ein Umsetzer, ein Change Manager und Impulsgeber in einer Person gefragt. Für die erforderliche Handlungsfähigkeit sollte er im Vorstand angesiedelt sein, denn durch die Digitalisierung werden häufig neue Geschäftsmodelle ermöglicht, während andere Prozesse und Geschäftszweige sogar hinfällig werden können.

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The Next Now!

Eine der essentiellen Aufgaben eines CDO liegt darin, durch die Digitalisierung entstehende Potenziale zu identifizieren und für das Unternehmen zu nutzen. Dazu gehört die Entwicklung von digitalen Produkten und Dienstleistungen, die zum einen neue Einnahmequellen erschließen und zum anderen eine Steigerung der Kundenzufriedenheit bedeuten. Ferner muss der CDO in seiner Planung bedenken, welches Mitarbeiter-Know-how für die Digitalisierung erforderlich ist, welches Wissen im Unternehmen vorhanden ist und welches es zu rekrutieren gilt. Von der Digitalisierung betroffen sind letztendlich alle Unternehmensbereiche: von den Mitarbeitern über interne Prozesse und Strukturen bis hin zur Erschließung neuer Absatzwege und Kommunikationskanäle.

Diverse Qualifikationen erforderlich

Abschließend muss der CDO sehr viele Qualifikationen mitbringen, weil ihm in seinem Job viel abverlangt wird. Er ist kein reiner IT-Manager, der in erster Linie einen technischen Hintergrund vorweisen muss, sondern kann aus verschiedenen Bereichen kommen, wie zum Beispiel Betriebs- und Volkswirtschaft, Kommunikation, IT, Verwaltung, Produktentwicklung, Dienstleistung und mehr. In jedem Fall muss er aber höchst diverse Skills in seiner Person vereinen. (pg)

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