Ratgeber richtig verkabeln

Wo LAN-Kabel WLAN und Mobilfunk ausstechen

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Wireless LANs beziehungsweise Wifi und High-Speed-Mobilfunk wie LTE (Long Term Evolution) sind mittlerweile in Büros, Lagerhallen und anderem Geschäftsgebäuden auf dem Vormarsch. Doch sie können das klassische Ethernet-Kabel oder die Glasfaser nicht ersetzen. Zumal im Kabel Gebäudemanagement und klassische Daten- und Sprachkommunikation in der IP-Welt zusammenwachsen.

Die Anforderungen, die ein Netzkabel erfüllen muss, haben sich in den vergangenen 25 Jahren erheblich geändert. Auf auffälligsten wird das anhand der Entwicklung der Datenraten: Mitte der 1990er Jahre war 10Base-T mit 10 Mbit/s der Stand der Technik. Derzeit wird über 10 oder sogar 100 Gbit/s bis zum Arbeitsplatz und 40GBase-T diskutiert. Zudem ist absehbar, dass die Trennung von Sprach- und Datennetzen in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören wird. Service Provider wie die Telekom exerzieren dies bereits in ihren Kernnetzen vor. Dort ersetzen paketorientierte Übertragungsverfahren auf Basis von IP die klassische leitungsvermittelnde Infrastruktur. Bis 2018 will die Telekom ihre Netzinfrastruktur in allen Ländern auf IP umstellen.

Eine Verkabelungsinfrastruktur ist eine Investition mit Langzeitwirkung. Die Basiskomponenten sind oft 10 bis 20 Jahre lang im Einsatz.
Eine Verkabelungsinfrastruktur ist eine Investition mit Langzeitwirkung. Die Basiskomponenten sind oft 10 bis 20 Jahre lang im Einsatz.
Foto: Reichle & De Massari

Ein dritter Trend ist die Integration ("Konvergenz") von verteilten Diensten. Künftig werden Services für die Sprach- und Datenkommunikation die gleiche Infrastruktur nutzen wie Access Points von WLANs, Systeme aus den Bereichen Heizung, Klimatisierung und Gebäudeautomation sowie Stromverteilung und Sicherheit. Die Spezifikation EN 50173 für anwendungsneutrale Kabelsysteme wurde entsprechend um einen Teil 6 ergänzt.

Strukturierte Verkabelung bleibt Standard

Solche Entwicklungen bedeuten jedoch nicht das Ende der klassischen strukturierten Verkabelung, wie sie in den EN-50173-Normen definiert ist. Eine strukturierte Verkabelung gliedert sich in drei Bereiche: Primär-, Sekundär- und Tertiärbereich. Diese Struktur hat sich sowohl in Bürogebäuden als auch Industrieanlagen und bei der Heimvernetzung bewährt:

Primärbereich: Er bezeichnet die Vernetzung von Gebäuden auf einem Campus (Firmengelände). Als Übertragungsmedium kommen meist Glasfasern zum Einsatz. Im Primärbereich angesiedelt sind der Standortverteiler, die Geba?udeverteiler und die Kabel zwischen den Geba?udeverteilern eines lokalen Netzes.

Grundzüge einer strukturierten Verkabelung gemäß den Vorgaben von ISO/IEC.
Grundzüge einer strukturierten Verkabelung gemäß den Vorgaben von ISO/IEC.
Foto: Cisco

Sekundärbereich: Dies ist die Steigbereichsverkabelung zwischen den einzelnen Etagen eines Gebäudes. Kernelemente sind die Gebäudeverteiler beziehungsweise Standortverteiler. Von diesen laufen Kabel sternförmig zu den Switches (Etagenverteilern) in jedem Stockwerk.

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Tertiärbereich: Der Tertiärbereich ist die horizontale Stockwerkverkabelung, also die Verkabelung innerhalb der Stockwerke eines Gebäudes (Etagenverkabelung). Dieser Bereich umfasst die Kabel vom Stockwerkverteiler zu den Anschlussdosen und die Anschlussdosen selbst. Die eingesetzten Kabelarten sind Twisted-Pair-Kabel, bei Fiber to the Desk (Anbindung von Arbeitsplätzen mittels Lichtwellenleitern) auch Glasfaserkabel.