Wo klemmt's bei CeBIT?

25.04.1986

Auf der soeben zu Ende gegangenen Industrie-Messe in Hannover konnte ich - und nicht nur ich etwa alleine - allmählich eine gelinde Langeweile bei der Diskussion "CW und die CeBIT-Trennung" feststellen. Man versteht die immer noch andauernde "Nachklappe" Ihres Blattes nun nicht mehr. Zwei große Messen in Hannover jeweils zu Jahresbeginn in der Trennung CeBIT und Industrie - das ist so gut wie gegessen. Und auch selbst beim berühmten Lieschen Müller längst akzeptiert. Was soll's also noch?

Lassen Sie sich daher ruhig einen gutgemeinten, ehrlichen, Rat geben: Lassen Sie das Thema CeBIT endlich ruhen!

1. Die Trennung ist wirtschaftlich und organisatorisch seitens der Messe AG voll o.k.

2. Dasselbe gilt für die Aussteller und deren Verbände. Selbst der ZVEI mag Ihnen die Stange nicht mehr halten; er schwenkte jetzt zur Industrie-Messe auf die Messe-AG-Seite.

3. Einkäufer, Fachleute, Entscheider und Journalisten haben es heute mit den beiden Verbundmessen in Hannover leichter - selbst wenn Sie zweimal in die niedersächsische Landeshauptstadt reisen müssen.

4. Das Problem der CeBIT ist nicht die Hannover-Messe Industrie, sondern das sind die vielen fast schon zig Bit-Messen in Deutschland und anderswo.

Georg Wadehn, Fach- und Wirtschaftsjournalist in Hasbergen

Betrifft Kommentar "KI-Software wird leicht zum KIotz am Bein" in der CW Nr. 14 vom 4. April 1986

Wir können den Kommentar von Herrn Dr. Sauerbrey nur so interpretieren, daß ihm einige im Bereich der Wissensverarbeitung wohlbekannte Fakten entgangen zu sein scheinen. Deshalb ist richtigzustellen, daß es sich bei dem vom MIT entwickelten und von Symbolics zur Marktreife gebrachten und exklusiv vertriebenen Expertensystem Macsyma für angewandte Computer-Algebra nicht um einen "Prototypen" handelt, der, wie ein rohes Ei behandelt" wird. Die Zahl von über 500 Installationen" weltweit, davon mehr als 10 Prozent in Deutschland, und die Tatsache, daß Symbolics seit 1980 über 30 Mannjahre Entwicklungsarbeit in dieses Softwareprodukt investiert hat, dürften für sich sprechen.

Mit dem generellen Tenor seines Kommentars zweifelt der Autor nicht nur die Kompetenz unserer zwar wenigen, doch weltweit anerkannten Forscher und Entwickler an sondern stellt ebenso die ernsthaften Anstrengungen von inzwischen beinahe 100 namhaften Industrieunternehmen in Frage, die mit Hilfe der Wissensverarbeitung und Kl - vorwiegend im Bereich der Expertensysteme - die etwa zwei- bis dreijährige Know-how-Lücke zwischen den USA und Deutschland zu reduzieren suchen. Uns scheint bemerkenswert, daß diese Bemühungen im Gegensatz zu der von Sauerbrey vertretenen Meinung nicht von den EDV-Abteilungen, sondern von eigens eingerichteten Kl-Arbeitsgruppen getragen werden.

Heiko Flaspöhler Leiter Marketing/Vertrieb Symbolics GmbH, Eschborn/Ts.

Betrifft: Softwarekrise

Seit geraumer Zeit beobachte ich die Tendenzen im Bereich der Software-Entwicklung für Personalcomputer. Mit großem Erstaunen muß ich feststellen, daß man offensichtlich aus den Fehlern und Sünden der Vergangenheit nichts gelernt hat. Die DV-Abteilungen klagen über einen zu hohen Aufwand für die Wartung der "Alt-Anwendungen" und über fehlendes beziehungsweise nicht ausreichend qualifiziertes Fachpersonal. Die Fachabteilungen beklagen den viel beschworenen "Softwarestau". Daß ausgerechnet die individuelle Datenverarbeitung diesen Stau auflösen soll, verwundert mich sehr.

Meiner Meinung nach wird hier eindeutig Stimmung gegen die Mainframe-DV gemacht. Hätte man der Datenverarbeitung in der Vergangenheit eine Phase der Konsolidierung gewährt, hätte man sicher den Wartungsaufwand deutlich reduzieren können. Da dies offensichtlich versäumt wurde, unternimmt man heute den untauglichen Versuch, die anstehenden Probleme nach dem "Chinesenprinzip" oder mit geballtem Werkzeugeinsatz lösen zu wollen.

Daß aber andererseits die Fachabteilungen beginnen, ihre Probleme "außer Haus" lösen zu lassen, halte ich für den denkbar schlechtesten Weg.

Um dies zu verdeutlichen, einige Anmerkungen meinerseits zu "Qualität" und Wartbarkeit von Softwareprodukten im Bereich Personalcomputer:

- Ich stimme Professor Weizenbaum zu, wenn er sagt: Basic eignet sich zur Programmierung von Computern, wie sich römische Zahlen zum Rechnen eignen.

- Viele PC-Freaks, die es geschafft haben, in mühsamem Selbststudium mehr als ein Dutzend Basic-Commands halbwegs vernünftig anzuwenden, fühlen sich berufen, Individual- beziehungsweise Standardsoftware zu entwickeln und auf den aufnahmebereiten Markt zu werfen.

- Die Presse bejubelt 14jährige ob ihrer "trickreichen" Software, ohne danach zu fragen, ob diese "DV-Teenager" ihre eigenen Gedankensprünge in einem Jahr selbst noch ohne weiteres nachvollziehen können.

- Ein-Mann-Unternehmen produzieren und verkaufen Software zu "günstigen" Konditionen, sind aber bei auftauchenden Problemen entweder wieder vom Markt verschwunden oder halten sich jetzt mit überhöhten Honoraren schadlos.

- Viele Hardware-Anbieter sprechen in ihrer Werbung von 100, 1000 oder noch mehr vorhandenen Softwarelösungen, sagen aber nicht, woher diese kommen beziehungsweise wer für deren Wartung zuständig ist.

- Im Bereich der kommerziellen Datenverarbeitung werden "mächtige" Funktionen angepriesen, die beweisen sollen daß es unter Umgehung der vier Grundrechenarten möglich ist, die Aufgabe 1+1 mit dem Ergebnis von 1,9999... zu lösen.

- Unter "Fortgeschrittenen" gilt es als besonders elegant Bereiche des Betriebssystems mit Hilfe von PEEK und POKE zu benutzen, in der festen Überzeugung, daß es der Hersteller des Betriebssystems für die Dauer des Software-Lebens unterläßt, diese "freien" Bereiche anderweitig zu nutzen.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, möchte ich klarstellen: Ich bin kein Gegner der Personalcomputer, aber ich wehre mich gegen die aufkommende Meinung, Datenverarbeitung sei ein Kinderspiel. Ich bin seit zirka 20 Jahren in der Softwareentwicklung tätig und halte es für meine Pflicht, meine Mitarbeiter davor zu bewahren, wegen "Rückständigkeit" belächelt zu werden.

Rudolf Wallenburger Lortzingstraße 6, 6457 Maintal 4.