Infrastructure as a Service

Wo IaaS Kosten senkt - und wo nicht

Daniel Behar ist IT Strategy Lead DACH bei Accenture.
Dominik Krimpmann ist Cloud Strategy Specialist bei Accenture.
IT-Infrastruktur in die Cloud auszulagern, ist für viele Anwender ein vorstellbares Szenario - teils wird es sogar schon gelebt. Häufig spielen Kostengründe eine tragende Rolle bei der Entscheidung pro IaaS - nicht immer zu Recht, wie unser Beitrag zeigt.

Immer mehr IT-Manager sehen in "Infrastructure as a Service" (IaaS)-Angeboten eine gute Lösung, IT-Infrastrukturkosten sehr schnell, sehr umfangreich zu senken. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass IaaS nicht immer nachhaltig Kosten senkt. Zwar entwickelt sich die Kostenstruktur kurzfristig zum Positiven, langfristig steigen die Kosten jedoch wieder an. Es bedarf einer IaaS-Strategie, die eine bewusste Entscheidung für oder gegen die Nutzung von IaaS fällt. Hierbei sind zwei Ziele in den Fokus zu stellen: die Steigerung des Geschäftsnutzens und die langfristige Senkung der IT-Infrastrukturkosten.

Die folgenden vier Handlungsempfehlungen für IT-Manager helfen, IaaS erfolgreich einzuführen.

Nur der Geschäftsnutzen zählt

Hypes kennzeichnen sich dadurch, dass Entscheidungen nicht vollständig evaluiert werden. Entscheider lassen sich von Emotionen leiten - gerade bei Cloud Computing. Bei jeder Evaluation von IaaS muss daher der Geschäftsnutzen im Fokus stehen. Es darf keine Entscheidung für den Einkauf von IaaS geben, die nicht einen dokumentierten Geschäftsnutzen aufweist. Accenture führt in der aktuellen Technology Vision 2015 diesen Punkt unter dem Trend "Die neue Ergebnis-Orientierung: Hardware bringt harte Fakten".

Bei jeder Evaluation von IaaS muss der Geschäftsnutzen im Fokus stehen.
Bei jeder Evaluation von IaaS muss der Geschäftsnutzen im Fokus stehen.
Foto: Mathias Rosenthal/Shutterstock.com

Umfrage zu CRM in der Cloud

Zusätzlich sind Entscheidungen mit einer ganzheitlichen Kosten-Nutzen-Betrachtung zu versehen (siehe hierzu auch den Abschnitt "IaaS ganzheitlich bewerten"). Eine effektive Herangehensweise, um kontinuierlich auf den Geschäftsnutzen zu fokussieren, ist eine "Zero Budgeting Logik". Entgegen der in vielen Unternehmen üblichen Festlegung eines jährlichen Budgets für IT-Projekte, beschließt ein Entscheidungsgremium aus Geschäftsbereich und IT ad-hoc unter Darlegung des Geschäftsnutzens, ob ein IT-Projekt genehmigt wird oder nicht.

Public IaaS nur selektiv einsetzen

IT-Manager sollten grundsätzlich überlegen, welche Infrastruktur-Services für die öffentliche (Public) Cloud, welche für die Private Cloud geeignet sind und welche auf der bestehenden dedizierten Infrastruktur verbleiben sollen. Hierbei empfehlen wir unseren Kunden initial einen einfachen Entscheidungsbaum.

Dieser Entscheidungsbaum hilft bereits zu Beginn der Evaluierung von potenziellen IaaS-Kandidaten, die richtigen Weichen für eine langfristige Strategie zu setzen.
Dieser Entscheidungsbaum hilft bereits zu Beginn der Evaluierung von potenziellen IaaS-Kandidaten, die richtigen Weichen für eine langfristige Strategie zu setzen.
Foto: Accenture

Unsere Erfahrung zeigt, dass gerade für Großunternehmen die Private Cloud meistens die beste Lösung ist, da sie das Beste beider Welten vereint: Zum einen sichern sich Unternehmen eine Infrastruktur, die nicht mit anderen Unternehmen geteilt wird und zum anderen können generelle Vorteile, wie Skalierbarkeit und schnelle Installation genutzt werden.

IaaS ganzheitlich bewerten

IT-Manager sollten den Reifegrad einer Organisation bewerten und damit die Grundvoraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche IaaS-Strategie legen. Hierbei sind vier Themenfelder zu berücksichtigen:

  1. Implementierung technischer Standards

  2. Bewertung bestehender Vertragsverhältnisse

  3. Abschaltung von Altsystemen

  4. Anpassung der bestehenden Organisationsstrukturen

Implementierung technischer Standards

IaaS als "Public"- oder auch als "Private"-Variante bedingt, dass Verbindungen zu externen Partnern aufgebaut werden. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass die Verbindungen einem marktgängigen Standards wie XML oder anderen Standards folgen. Hilfe bei der "Partnerwahl" bietet ein technischer Evaluationsbogen. Sonst tendieren manche Unternehmen dazu, eine anbieterspezifische Anbindung zu konfigurieren oder sogar zu programmieren. Das führt nicht selten zu einer unbewussten Abhängigkeit (Vendor-Lock-in), die künftige Anbieterwechsel erschwert oder sogar verhindert. Diese Situation ist für einen IaaS-Anbieter wünschenswert, jedoch für den Kunden der Services führt es zu einer kontinuierlichen Anpassung bestehender Verträge - meist zu dessen Nachteil.

Bewertung bestehender Vertragsverhältnisse

Neben den einmaligen Anschaffungskosten für die Hardware sind die Aufwendungen für die Wartungsverträge ein umfangreicher Kostenblock in der IT-Infrastruktur. Unsere Erfahrung zeigt, dass in Großunternehmen, die noch umfangreiche Mainframe- oder AIX-Umgebungen betreiben, langfristig angelegte Wartungsverträge keine Seltenheit sind. Für eine ganzheitliche Kostenbetrachtung ist es an dieser Stelle ratsam, die bestehenden Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen zu berücksichtigen. Nicht selten werden Entscheidungen über IaaS ohne die zusätzlichen Kosten durch unkündbare Wartungsverträge gemacht.