Wissens-Management/Kommentar

Wissen versus Kapital

23.08.2002
Helga Biesel Redakteurin CW

Es ist still geworden um einst vorbildliche japanische Management- und Fertigungstechniken: teils wurden sie in westliche Verfahren integriert, teils ihres Nimbus beraubt. Der Bambusvorhang ist transparent, auch in Nippon wird nur mit Wasser gekocht.

Unerwartete Aktualität indes erhält die japanische Unternehmensphilosophie, wonach nicht das Kapital, sondern "explizites Wissen" über den Erfolg eines Unternehmens entscheidet. Ikujiro Nonaka, Inhaber des Knowledge-Management-(KM-)Lehrstuhls an der Universität Berkeley, empfiehlt, mit der Wertschöpfung beim schlummernden intellektuellen Unternehmenskapital zu beginnen (Seite 34). Auf Basis einer belastbaren Unternehmenskultur scheint bereits mit marktgängigen KM-Tools (Seite 35 und 39) eine erstaunliche Hebelwirkung erzielbar im Kampf gegen die herkömmliche Marktmacht von Wettbewerbern.

Allerdings könnte die Vision "ganzheitlicher Wissens-Management-Konzepte" CIOs und potenzielle KM-Manager abschrecken (Seite 36). Zu viel organisatorischer Umbau, hohe Investitionen in Business Intelligence, Datenbanken und Schnittstellen, die XML verarbeiten können, stehen aus Kostengründen derzeit einem unternehmensweit einzuführenden Wissens-Management in der Regel entgegen. Projekte auf Abteilungsebene, beispielsweise für den Einkauf, haben weit bessere Realisierungschancen.

Dabei spielen die eigentlichen IT-Tools eine untergeordnete Rolle, wenn sie nur dem vorrangigen Ziel dienen, beispielsweise die besten Lieferanten zu ermitteln, mit denen man dann wettbewerbsentscheidende, günstigere Verträge aushandeln kann (Seite 40).

Solche punktuellen Erfolge von Wissens-Management, auch wenn sie nicht auf klassischer KM-Software basieren, sind die besten Wegbereiter für umfassende Konzepte, die das "lernende Unternehmen" zum hoch gesteckten Ziel haben (Seite 36).