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Wirtschaftsambitionen von Scientology im Visier

29.02.2008
Von pte pte
Scientology http://www.scientology.com ist aufgrund der wirtschaftlichen Ausrichtung zwar nicht als Religionsgemeinschaft in Deutschland anerkannt, macht aber trotzdem ihren Einfluss auf viele Wirtschaftsbranchen geltend. "Das deutsche Wirtschaftssystem ist so umfangreich, dass selbst eine aggressiv auftretende Gruppe nicht namhaft Fuß fassen wird", sagt der Rechtsanwalt und Scientology-Experte Ralf Bernd Abel im Gespräch mit pressetext. Trotzdem erlaubt ein aktuelles Urteil des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen dem Bundesverfassungsschutz, die Organisation weiter unter die Lupe zu nehmen. Obwohl Scientology angekündigt hat, gegen den Beschluss Nichtzulassungsbeschwerde einzulegen, mehren sich Kritiker, die von einer möglichen Unterwanderung der Wirtschaft sprechen.

"Inwieweit Scientology eine Unterwanderung der Wirtschaft als maßgebliches Ziel anstrebt, ist eine heiß diskutierte Frage. Bezogen auf den gesamten deutschen Wirtschaftsstandort halte ich die Verwirklichung dieses Plans jedoch für äußerst schwierig", verdeutlicht Abel weiter. Laut dem Spezialisten sei die Organisation als Wirtschaftsunternehmen primär darauf ausgerichtet, Geld durch das Verkaufen von sogenannten "Kursen" oder "Seminaren" zu lukrieren. "Hierbei dominieren vor allem Branchen, in denen man möglichst schnell, viel Umsätze herausholen kann. Folglich gehen die Aktivitäten in die Breite, wobei vor allem das Immobilien-Geschäft von Scientology in den 1990er Jahren in Ostdeutschland boomte", so Abel.

Zum aktuellen Urteil erklärten die Richter, dass der Erkenntnisstand über die Aktivitäten von Scientology den Schluss zulässt, dass diese ihre eigenen Prinzipien in Staat, Gesellschaft und vor allem auch in der Wirtschaft verbreiten wollen. Sekten-Experten wie Ingo Heinemann http://www.ingo-heinemann.de konfrontieren die Organisation hingegen mit Vorwürfen des Betrugs, Wuchers, der Ruinierung von Kunden sowie der Ausbeutung eigener Mitarbeiter. "Ich werfe der Scientology-Organisation nicht vor, dass sie Geschäfte macht, sondern wie sie Geschäfte macht", unterstreicht Heinemann auf seiner Internetseite. "Was Heinemann damit sagen will, ist, dass man sich wahrscheinlich unsauberer Methoden bedient, die nicht dem klassischen Bild eines ehrbaren Kaufmannes entsprechen", sagt Abel gegenüber pressetext.

Bei der Benennung von Unternehmen sollte jedoch Vorsicht geboten sein, da eine öffentliche Zuordnung besonders kleinere Firmen schnell in den Ruin treiben kann, gibt Abel zu bedenken. Heinemann hingegen weist darauf hin, dass Scientology selbst in nur sehr begrenzten Ausmaß eigene Unternehmen betreibt. "Meist handelt es sich um die Frage, ob eine Firma von Scientology-Anhängern und/oder nach den Anweisungen und ,Techniken' des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard betrieben wird", stellt der Insider fest. Die "Enttarnung" einer im Scientology-Netzwerk verstrickten Gesellschaft sei jedoch nicht auf Anhieb anhand einer rabiaten Geschäftsführung möglich. (pte)