Tablet statt Ultrabook

Wirtschaftliche Unsicherheit bremst Intel aus

18.07.2012
Wenn Prozessoren-Primus Intel vorsichtig wird, bedeutet das nichts Gutes für die Computerbranche. Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage hat das Unternehmen seine Wachstumsprognose zurückgeschraubt.
Intel-Chef Paul Otellini mit einem Smartphone-Prototypen auf der CES 2012
Intel-Chef Paul Otellini mit einem Smartphone-Prototypen auf der CES 2012
Foto: Intel

Der weltgrößte Chiphersteller Intel bekommt die weltwirtschaftlichen Probleme von der Euro-Schuldenkrise bis zur mauen US-Konjunktur zu spüren. "Wegen des herausfordernden makroökonomischen Umfelds wird unser Wachstum langsamer sein als wir erwartet hatten", erklärte Konzernchef Paul Otellini am Dienstag. Intel traut sich statt eines Umsatzplus' im Gesamtjahr im hohen einstelligen Prozentbereich nun nur noch ein Wachstum von drei bis fünf Prozent zu.

Die Aussage hat Gewicht in der Branche: Ohne die Chips der Kalifornier würde in der Computerwelt so gut wie nichts funktionieren. So treiben Intel-Prozessoren vier von fünf PC an. Schwachpunkt ist jedoch das Geschäft mit den boomenden Tablet-Computern und Smartphones, in denen zumeist ein Herz schlägt, dass auf der Technologie des britischen Entwicklers ARM beruht.

Intels Umsatz im zweiten Quartal stieg um vier Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar (11 Milliarden Euro). Das größte Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnete der Konzern mit Chips für leistungsstarke Firmenrechner und Speichersysteme, wie sie zum Betrieb des Internets genutzt werden. Der Gewinn sank angesichts hoher Entwicklungskosten jedoch um vier Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar.

Intel hat heftig in stromsparende Chips für die neuen mobilen Geräte investiert, um hier den Anschluss wiederzufinden. Konzernchef Otellini versprach für das zweite Halbjahr zahlreiche Neuvorstellungen - auch bei den sogenannten Ultrabooks. Die Verkäufe dieser superleichten und schlanken Notebooks sind nach Angaben der Marktforschungsfirma Gartner bislang winzig, was am vergleichsweise hohen Preis liegen dürfte. Außerdem ist die zweite Generation mit "Ivy-Bridge"-Chips gerade erst am Start.

Die Anleger scheinen von Intels eingetrübten Aussichten für das restliche Jahr nicht sonderlich überrascht worden zu sein. Nachbörslich fiel die Aktie nur leicht. Kürzlich hatte bereits der kleinere Rivale AMD vor einem eingetrübten Geschäft gewarnt. Überdies hatten die Marktforscher von Gartner von stagnierenden Auslieferungen neuer PCs berichtet.

Neben der wirtschaftlichen Unsicherheit hielt auch die steigende Beliebtheit von Tablet-Computern und Smartphones viele Käufer von der Anschaffung eines neuen Rechners ab. Neuen Schwung in den Markt könnte das im Herbst erscheinende Microsoft-Betriebssystem Windows 8 bringen. Intel-Prozessoren stecken aber auch in Mac-Computern von Apple. (dpa/tc)