Apple Pay-Start in Deutschland & Europa

Wird das Bezahlen mit iPhone 6 und Apple Watch zum Erfolg?

Florian Maier beschäftigt sich in erster Linie mit dem Themenbereich IT-Security. Daneben schreibt er auch über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C und ist für den Facebook-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Apple Pay ist seit Ende Oktober 2014 in den USA verfügbar. Nach knapp drei Monaten ist die Bilanz durchaus positiv. Kann sich das iPhone 6-Bezahlsystem auch in Deutschland und Europa durchsetzen?

Apple will mit seinem Mobile Payment-Modell einmal mehr Trendsetter sein - nicht nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort profitieren inzwischen zahlreiche Handy-Bezahldienste wie Google Wallet oder CurrentC von einer zunehmenden Akzeptanz für Mobile Payment, die Apple mit seinem iPhone 6-Bezahlsystem erzeugt haben könnte. Laut Apple kooperiert man inzwischen mit den meisten großen Banken und Kreditinstituten der USA, sodass 90 Prozent der Kreditkarten-Kaufkraft abgedeckt sind. Laut den Analysten von ITG Investment Research wurden im November 2014 ein Prozent aller digitalen Zahlvorgänge in den USA mit Apple Pay vorgenommen. Vor dem Hintergrund, dass das Kreditkarten- und Fingerabdruck-basierte System momentan nur in Verbindung mit dem iPhone 6 und iPhone 6 Plus funktioniert, ist das nach Meinung der Analysten als Erfolg zu werten.

In den USA erfreut sich Apple Pay wachsender Beliebtheit.
In den USA erfreut sich Apple Pay wachsender Beliebtheit.
Foto: Apple

Bezahlen mit dem iPhone 6: Erfolg in den USA

Neben der In-App-Bezahlung ist in den USA mittlerweile auch in mehreren Warenhäusern, Supermarkt- und Fast-Food-Ketten die Bezahlung mit dem iPhone 6 möglich. Besonders die Anbieter von Mobile Shopping-Apps zeigen sich enthusiastisch, wenn es um die Nutzung und Akzeptanz von Apple Pay in den USA geht. Wie Forbes berichtet, sollen iPhone 6-User die Apple Pay nutzen, auch bereit sein, deutlich mehr Geld auszugeben als die Nutzer anderer Mobile-Payment-Systeme. Slava Rubin - seines Zeichens CEO der Crowdfunding-Plattform Indiegogo - gibt an, dass Kampagnen bei denen Apple Pay zum Einsatz kommt im Durchschnitt zweieinhalb mal mehr Kapital generieren. Ein ähnliches Bild zeichnet auch Jack Groetzinger, Mitbegründer der Ticket-App SeatGeek. Acht von zehn Kunden die Apple Pay einsetzen, würden laut Groetzinger auch wirklich etwas kaufen statt sich nur zu informieren. Bei den Nutzern anderer Bezahlsysteme sei das nur bei drei von zehn der Fall.

In Europa mit Smartphone, Tablet oder Smartwatch bezahlen?

Wann genau der Mobile-Payment-Dienst in unseren Breitengraden zum Einsatz kommen wird, steht indes noch nicht fest. Dass er kommt, daran bestehen kaum Zweifel. Gerüchteweise sollen noch im ersten Halbjahr 2015 die iPhones der neuesten Generation zu Bezahlzwecken zum Einsatz kommen, wahrscheinlich zuerst in Großbritannien. Wie "The Telegraph" Ende Dezember berichtete, soll Apple sich bereits mit den großen Finanzhäusern Englands in Verhandlungen befinden. Zuvor haben wir bereits über eine Stellenausschreibung berichtet, die nahelegt dass die Vorbereitungen zum Apple-Pay-Start in Europa bereits laufen.

Apple Pay vs. Bargeld: Start in Deutschland

Speziell in Deutschland dürfte es der Tech-Riese aus Cupertino allerdings schwer haben, Apple Pay erfolgreich zu etablieren. Das hat mehrere Gründe. Zunächst bevorzugen die deutschen Konsumenten immer noch altbewährte Bezahlmethoden. Laut einer Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten der Deutschen war im Jahr 2011 Bargeld noch immer das beliebteste Zahlungsmittel - 53 Prozent der Ausgaben in Deutschland wurden demnach bar bezahlt. Über eine Kreditkarte verfügten 2011 dagegen nur rund ein Drittel der Befragten.

Erst Kreditkarte, dann Apple Pay

Zwar sind bargeldlose Zahlungen auf dem Vormarsch, die Entwicklung schreitet jedoch nur sehr langsam voran. Von einer Verbreitung der Kreditkarte wie in den USA, wo diese für die Teilnahme am alltäglichen Leben faktisch unabdingbar ist und auch für Kleinstbeträge zum Einsatz kommt, ist man in Deutschland weit entfernt. Eine plötzliche Änderung des Zahlverhaltens und ein Massenansturm der Deutschen auf Kreditkarten, die ein wesentlicher Bestandteil von Apple Pay sind, sind hingegen nicht zu erwarten. Zudem liegt Apples Marktanteil in Deutschland deutlich unter dem in den USA.

Mobile Payment und die EU-Kommission

Ein weiteres, wesentliches Hemmnis für Apple Pay in Europa könnte - neben den problematischen Bereichen Datenschutz und Vertrauen in US-Unternehmen - zudem eine geplante Regulierung der Europäischen Kommission darstellen. Diese sieht vor, dass Banken bei Zahlungen die mit Kreditkarte erfolgen, maximal 0,3 Prozent des Umsatzes als Gebühr erheben dürfen. Apple fordert in den USA von den Banken pro Zahlvorgang 0,15 Prozent des Gesamtumsatzes. Würde man diesen Wert für Europa übernehmen, wäre Apple Pay für die Banken des alten Kontinents vermutlich ein unattraktives Geschäftsmodell.