Mehr Kreativität in der SAP AG

"Wir wollen die innovativste Business-Software-Firma werden"

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Der SAP-Aufsichtsratschef und der Co-Vorstandsvorsitzende haben die Marschroute vorgegeben: Hasso Plattner und Jim Hageman Snabe wollen für mehr Kreativität und weniger Hierarchie sorgen.
Wollen innovatives Denken bei SAP fördern: Hasso Plattner und Jim Hagemann Snabe beim fünfjährigen Jubiläum der D-School.
Wollen innovatives Denken bei SAP fördern: Hasso Plattner und Jim Hagemann Snabe beim fünfjährigen Jubiläum der D-School.
Foto: HPI

Hasso Plattner und Jim Hagemann Snabe hätten sich kaum einen besseren Ort aussuchen können, um ihre Vision von einer innovationsstarken und für die Zukunft gerüsteten SAP AG zu proklamieren. 600 Gäste waren zum Hasso-Plattner-Institut nach Potsdam gekommen, um dort das fünfjährigen Jubiläum der School of Design Thinking (kurz "D-School" genannt) zu feiern. Dieser Bereich des HPI propagiert ein stark kundenorientiertes Vorgehen.

SAPs Co-Vorstandsvorsitzender Snabe formulierte die Marschroute: Sein Unternehmen wolle der "innovativste Anbieter von Business-Software" sein. Daran arbeitet SAP seit rund zwei Jahren, indem man die Design-Thinking-Methode - vor allem in der Entwicklungsabteilung - einführt. Bis Ende nächsten Jahres sollen alle 18.000 Entwickler in dieser Methode fortgebildet werden. Bisher sei die Resonanz sehr positiv.

Design Thinking

… ist ein multidisziplinärer Ansatz, mit dem Produkte, Dienstleistungen und Konzepte entwickelt werden. Es verbindet Denkprozesse und Arbeitsabläufe aus dem Design mit Methoden aus Technologie und Wirtschaft und stellt dabei die Bedürfnisse der Nutzer in den Mittelpunkt.

Snabe fordert: kürzere Projekte, kleine Teams

Snabe befürchtet auch nicht, dass einige Entwickler sich mit Neuen schwer tun und blockieren, wie das früher gelegentlich mit dem Umstieg von R/2 auf R/3 der Fall war . Wichtig ist in seinen Augen, die Entwicklungszeiten von Projekten zu reduzieren und innovatives Denken zu fördern. Ziel müsse sein, zum Beispiel ein 18monatiges Vorhaben auch in der Hälfte der Zeit oder noch kürzer umzusetzen. Dafür benötige er kleine, starke Teams, die sich selbst steuern können. "Wir brauchen weniger traditionelles Management und mehr Zeit für Kreativität im Team mit klaren Rahmenbedingungen", lautete Snabes Aussage. "Nur so bekommen wir beides: die Ideen, die wirklich einen technologischen Durchbruch schaffen wie HANA und die Qualität und Verlässlichkeit bei der Weiterentwicklung unserer Technologieplattformen, auf der dann schnelle innovative Anwendungen etwa für mobile Endgeräte oder Cloud-Lösungen aufbauen."

Hasso Plattner, SAP: "Wir brauchen weniger Hierarchie und ein schnelleres Umsetzen von Ideen."
Hasso Plattner, SAP: "Wir brauchen weniger Hierarchie und ein schnelleres Umsetzen von Ideen."
Foto: HPI

Innovations-Management ist ein Thema, das auch dem SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner am Herzen liegt: "Wir brauchen weniger Hierarchie", heißt es bei ihm. Bestätigt fühlt er sich durch das Echtzeit-Datenbankprojekt HANA, das dem Unternehmen zurzeit einen starken Auftrieb gibt und in Zukunft für Milliardenumsätze sorgen soll. In Potsdam erzählte Plattner, dass HANA "aus dem Untergrund" kam. Dazu passte auch Plattners Aussage, für ihn seien eher Firmen wie Google und Facebook Vorbilder. Diese "denken das Unmögliche und setzen Ideen oft schneller um als Riesentanker wie IBM oder Microsoft" - obwohl ihm klar ist, dass SAP eher zur zweiten Kategorie zählt.

Plattner: Chefs müssen Entwickler verstehen

Plattner hält auch nicht viel davon, zwischen Fach- und Management-Laufbahn zu unterscheiden, wie das viele Unternehmen preisen: "Ein Manager muss verstehen, was der Programmierer tut, er muss mit Budgets umgehen und Mitarbeiter inspirieren können". Und um noch einmal kräftig draufzusetzen: "Zuckerberg kann programmieren, Ballmer nicht." In Standford, wo sich Plattner regelmäßig aufhält, hat der SAP-Aufsichtsratschef vor allem eines gelernt: Entwickler müssen ihre Arbeit schriftlich in vollen Sätzen dokumentieren, damit es zu keinen Missverständnissen komme und alles nachvollziehbar sei. Er habe die Powerpoint- und Bulletpoint-Kultur satt.

SAP ist aber nicht nur dabei, seine Mitarbeiter in Richtung innovationsorientiertes Arbeiten zu trimmen. Vor gut einem Jahr hat das Unternehmen begonnen, sein gesamtes Inneres komplett neu zu gestalten, um "Kommunikation und Kreativität zu fördern"; wie Snabe es formulierte. Das Haus ist bunter geworden, und die neuen Möbel bieten viele Möglichkeiten, das Arbeiten und den Gedankenaustausch in agilen Teams zu unterstützen.

Nun sei die Personalabteilung am Zug, meinte Snabe. Sie müsse auch nach außen den Bewerbern die Botschaft von der "neuen SAP" mitteilen. Natürlich sehe er, dass Bewerber eher von Google oder Apple als Arbeitgeber träumten. Ihnen müsse man die Alternative SAP schmackhaft machen, schließlich sei sein Unternehmen der wichtigste weltweite Lieferant von Firmensoftware.