Bloß keine Konzerne

Wir wollen anders arbeiten

28.01.2010
Von Anja Dilk

Jürgen Rohrmeier ist anderer Ansicht. Der auf die IT-Branche spezialisierte Personalberater bei der Pape Consulting Group in München stößt bei der Personalsuche immer wieder auf junge IT-Profis, die "komplett anders denken". "Sie sind von einer neuen Internet-Kultur mit ihren sozialen Netzwerken geprägt und wünschen sich äußerst autonome und netzwerkorientierte Arbeitsformen - wie etwa nach dem amerikanischen Rowe-Konzept."

Arbeiten in Netzwerken beschleunigt Innovationen

Bereits vor drei Jahren hat der amerikanische Internet-Forscher und Chef der Beratungsfirma "New Paradigm", Don Tapscott, neue Formen der Zusammenarbeit aufkeimen sehen: "Wikinomics", die Wiki-Wirtschaft, hat er sie getauft und damit eine freie, Web-basierende Art der Kooperation über die Unternehmensgrenzen hinweg mit Hilfe der Wiki-Technik beschrieben. "Unternehmen können plötzlich auf der ganzen Welt nach Personal suchen. Alte Überzeugungen, dass Talente innerhalb einer Firma aufgespürt werden müssen, dass man Mitarbeiter im Unternehmen weiterbilden muss, damit sie bestimmte Probleme lösen, sind anachronistisch geworden", sagt Tapscott. "Unternehmen der Zukunft bedienen sich stattdessen nach Bedarf an dem globalen Talentpool."

Firmen wie der Markenartikelhersteller Procter & Gamble (P&G) machen es vor. In seiner Branche hat sich das Innovationstempo in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Die 9000 Chemiker, die P&G beschäftigt, können das allein nicht mehr schaffen. Deshalb können über das Netzwerk Innocentive Externe nach Belieben ins Unternehmen treten und sich beteiligen. Experten organisieren sich in Netzwerken, entwickeln gemeinsam Ideen und lösen Probleme. Seitdem ist das Innovationstempo kräftig gestiegen. Ähnliches macht die deutsche SAP, die die virtuelle Entwicklungsgemeinschaft SDN auf die Beine gestellt hat, auf der sich 1,3 Millionen User aus 200 Ländern über knifflige technische Fragen austauschen.

Die Grenzen der Flexibilität

Kienbaum-Personalberater Markus Krahforst lacht: "So weit sind wir in den meisten Unternehmen allerdings noch nicht." Immer wieder merkt er, wie eng die Grenzen der Flexibilität gesteckt sind. Schon wenn ein hochqualifizierter Bewerber lieber an einem anderen Standort des Unternehmens arbeiten möchte als ursprünglich geplant, ist oft Schluss. Doch er ist sicher, dass Stempelkarte und feste Arbeitsplätze überholt sind. Der Siegeszug der Telearbeit in den vergangenen Jahren habe gezeigt, wie sehr die Arbeitsformen im Wandel seien. "Die Jungen lassen sich ihren Wunsch nach mehr Freiheiten nicht mehr so leicht abkaufen", glaubt Krahforst. "Menschen, wie sie sich bei Palomar 5 getroffen haben, sind vermutlich die Speerspitze einer machtvollen Entwicklung, vor der deutsche Unternehmen nicht die Augen verschließen können." Noch hänge Deutschland zwar im internationalen Vergleich hinterher. "Doch die IT-Industrie hat das Zeug, Vorreiter des Wandels zu werden."