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Cloud Computing mit Amazon

"Wir verkaufen Flexibilität"

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Amazon verspricht Anwendern des Cloud-Computing-Dienstes AWS IT-Kapazitäten je nach Bedarf. Adam Selipsky, Vice President für AWS, erläutert im Gespräch mit CW-Redakteur Joachim Hackmann den Nutzen der Services.

Seit Ende Oktober 2008 hostet der E-Commerce-Anbieter im Rahmen des Cloud-Computing-Angebots "Amazon Web Services" (AWS) auch Instanzen von Microsoft Windows Server und SQL Server. Bislang konnten Nutzer zwischen den Optionen Linux und Solaris als Server-Betriebssystem währen. AWS stellt neben Rechnerkapazitäten (EC2) auch Speichermöglichkeiten (S3) und Datenbank-Services (SimpleDB) zur Verfügung.

Was sich Amazon vom Windows-Server-Hosting verspricht

CW: Sie haben den EC2-Dienst um das Hosting von Microsoft-Servern erweitert. Warum?

Adam Selipsky, Vice President of Product Management and Developer Relations for Amazon Web Services.
Adam Selipsky, Vice President of Product Management and Developer Relations for Amazon Web Services.

SELIPSKY: Wir wollen uns nicht auf Betriebssysteme und Programmiersprachen beschränken. Wenn Anwender Linux, Solaris und Windows nutzen wollen, dann sollen sie das tun - uns ist es gleich. Wir verkaufen Flexibilität. Wir sind mit Linux gestartet, weil es damals der einfachste Weg war. Zunächst haben wir ein freies Linux gehostet, später folgte ein Abkommen mit Red Hat. Außerdem gibt es eine Vereinbarung mit Sun über das Hosting von Open-Solaris-Servern. Seit Oktober bieten wir auch Microsoft-Server als Betriebssystem für EC2 an. (siehe auch Amazon.com beginnt Hosting von Windows und SQL Server)

CW: Welche Server-Ausführung von Microsoft verwenden Sie?

SELIPSKY: Wir starten mit Windows Server 2003, weil es die populärste Version ist.

CW: Was versprechen Sie sich von diesem neuen Angebot?

SELIPSKY: Ganz offenkundig gibt es einen großen Markt für Windows. Allerdings sollte man den Bedarf und das Interesse an Linux nicht unterschätzen. Einige tausend Entwickler nutzen EC2 mit Linux. Aber klar, Windows öffnet uns neue Märkte und wir hoffen auf viele neue Kunden.

CW: Umfasst das EC2-Angebot mit Windows-Betriebssystem sämtliche Kosten auch einschließlich Lizenzen?

SELIPSKY: Die Preise verstehen sich inklusive. Wir haben eine Vereinbarung mit Microsoft, die die Lizenzierung regelt. Auf die Kunden kommen keine weiteren Kosten zu - außer für die Netzanbindung. Eine Stunde für die EC2-Nutzung mit einer kleinen Windows-Instanz kostet 12,5 US-Cent.

CW: Ist die Nutzung auf bestimmte Applikationen beschränkt oder lässt sich jede Art von Applikationen installieren?

SELIPSKY: Wir bieten nackte Kapazität. Die Kunden bekommen einen Server plus Betriebssystem und können jede Applikation darauf installieren. Der einzige Unterschied zu den lokalen Installationen ist, das wir unsere Maschinen virtualisiert haben. Wir räumen Entwicklern und Unternehmen damit eine Alternative zu ihren eigenen Servern ein.