CSC-Chef im Interview

"Wir tanzen nicht auf jeder Hochzeit"

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis. Gerhard Fercho, zuständiger CSC-Manager für Deutschland und Zentraleuropa, konzentriert sich in Krisenzeiten ganz auf die Key-Accounts.

CW: CSC legt bekanntlich einen geschäftlichen Fokus auf die Finanzbranche. Wie stark leiden Sie unter der Wirtschaftskrise?

Will nicht um jeden Preis mitbieten: CSC-Chef Gerhard Fercho.
Will nicht um jeden Preis mitbieten: CSC-Chef Gerhard Fercho.
Foto: CSC

Fercho: Den Kostendruck spüren wir selbstverständlich auch. Aber ich freue mich sagen zu können, dass CSC in Deutschland den Marktanteil unter unseren Key-Accounts, insbesondere den Großbanken, um 15 Prozent steigern konnte vom vorletzten aufs letzte Geschäftsjahr. Dort herrscht ein harter Verdrängungsmarkt.

CW: Gibt´s zurzeit überhaupt noch Neukundengeschäft für Sie?

Fercho: Wir fokussieren uns seit einiger Zeit auf das Key-Account-Management, auf Bestandskunden also. Aufgrund unserer 40jährigen Historie verfügen wir über eine große und stabile Kundenbasis, daher ist das für uns der sinnvollste Weg.

CW: Sie wollen keine Neukunden?

Fercho: Natürlich nehmen wir Neukunden gerne auf. Wir möchten uns aber auf die Kunden konzentrieren, denen wir auch wirklich einen Beitrag liefern können. Wir wollen nicht auf jeder Hochzeit tanzen, sondern nur dann anbieten, wenn wir auch wirklich etwas haben, womit wir uns differenzieren und dem Kunden weiterhelfen können.

CSC Deutschland hat Nachholbedarf bei Healthcare

CW: Traditionell ist CSC weltweit nicht nur auf die Finanzbranche, sondern auch auf den öffentlichen Sektor spezialisiert. Sind das ihre Schlüsselmärkte?

Fercho: Das sind in diesem Geschäftsjahr sicherlich zwei ganz wichtige Märkte, in denen wir weiteres Wachstum erwarten. Wir haben mit meinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren eine klare vertikale Struktur etabliert. Für uns sind insgesamt fünf Marktsegmente relevant. Neben Financial Services und dem Public Sector sind das Manufacturing, Health Services und der Komplex Technologie- und Handelsunternehmen sowie Versorger. CSC ist weltweit Marktführer im Healthcare-Bereich - ein klar strategischer Markt. Hier haben wir in Deutschland Nachholbedarf.

CW: Ist Ihnen diese von der US-Mutter übergestülpt worden?

Fercho: Im Gegenteil. Als ich angetreten bin, habe ich diese Organisationsform für meinen Verantwortungsbereich gewählt. Inzwischen hat der Konzern weltweit denselben Weg eingeschlagen. Allen Gesellschaften ist mittlerweile vorgegeben, diese Struktur zu leben. Für uns in Deutschland ist das von Vorteil, wir müssen uns nicht mit uns selbst beschäftigen. Wir gehen jetzt in das dritte Jahr mit einer nahezu unveränderten Organisationsstruktur.

Zur Person

Wer ist Gerhard Fercho?

  • Gerhard Fercho ist bei CSC als CEO verantwortlich für den Großraum Zentraleuropa. Außerdem ist er Vorsitzender der Geschäftsführung von CSC Deutschland.

  • Zuvor war Fercho CEO Central Europe und Deutschland-Chef von Atos Origin.

  • Der Manager hatte in seiner Karriere eine Reihe von Toppositionen bei IT-Unternehmen inne.

CW: Als wir uns vor etwa zwei Jahren gesprochen haben, lief bei CSC gerade das internationale Accelerate-Programm an. In dessen Rahmen wollte sich der Konzern neu aufstellen.

Fercho: Die Vertikalisierung ist Bestandteil des weltweiten Strategie-Programms "Accelerate" Wir waren in Deutschland gewissermaßen Vorreiter. Accelerate umfasst exakt diese Struktur mit den fünf vertikalen Bereichen und unseren Service-Lines. Über diese erzielen wir Skalen- oder Know-how-Effekte und in den vertikalen Bereichen die Lösungskompetenz für die jeweiligen Branchen. Hier ist der Konzern noch auf dem Weg, das weltweit auszurollen. In manchen Ländern wird schon so gearbeitet.

CW: Wie entwickelt sich denn der CSC-Umsatz in Deutschland aktuell? Ist in diesen Zeiten Wachstum möglich, wenn man sich nur um Bestandskunden kümmert?

Fercho: Wir haben im letzten Geschäftsjahr unseren Umsatz in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent gesteigert. Damit lagen wir deutlich über dem durchschnittlichen Marktwachstum von drei Prozent.

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