IT, Fachabteilung, Einkauf

"Wir sollten miteinander reden!"

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Konsens beim Sourcing Day in München: Flexibles Sourcing in IT-Projekten funktioniert nur, wenn Einkauf, IT- und Fachabteilungen sowie Dienstleister auf Augenhöhe kommunizieren und sich gegenseitig mehr Wertschätzung entgegenbringen.

Es war ein langer Tag voller Workshops, als sich die Teilnehmer des „1. Sourcing Days“ noch einmal zu einer abschließenden Diskussion trafen. „Brauchen wir einen Sourcing Manager?“ wurde debattiert. Oder gar eine noch höhere Instanz, einen „Ober-Manager“, der die Anforderungen und Abläufe aller Abteilungen - also der Fachabteilung, der IT-Abteilung und des Einkaufs - im Blick haben solle. „Ich bin schon froh, wenn ich weiß, was meine IT-Abteilung macht“, kommentierte Christian Mezler-Andelberg, CIO vom Automobilzulieferer Magna Steyr, trocken. Werner Schultheis, CIO des Personaldienstleisters Randstad, stellte klar, dass diese Ober-Rolle doch dem CEO zukomme und forderte: „Wir sollten zum Äußersten gehen und miteinander reden.“ Der Ruf nach mehr Transparenz und besserer Kommunikation zwischen den Abteilungen war laut an diesem 6. Juni in München.

Auf dem Sourcing Day 2013 diskutierten (von li.): Jürgen Gallmann (Allgeier), Helma Göbel (Deutsche Bahn), Christian Mezler-Andelberg (Magna Steyr), Thomas Lünendonk (Lünendonk), Mate Gabelica DekaBank) und Werner Schultheis (Randstad).
Auf dem Sourcing Day 2013 diskutierten (von li.): Jürgen Gallmann (Allgeier), Helma Göbel (Deutsche Bahn), Christian Mezler-Andelberg (Magna Steyr), Thomas Lünendonk (Lünendonk), Mate Gabelica DekaBank) und Werner Schultheis (Randstad).
Foto: Foto Vogt

Aber der Reihe nach: In Zeiten von Shareconomy, Social Media, Mobility, Big Data und Industrie 4.0 sind maßgebliche Kernprozesse, Kundenservices und Produkte ohne IT-Unterstützung heute undenkbar. Dazu beziehen die Unternehmen immer mehr IT-Services von Cloud-, Outsourcing- und Offshoring-Providern sowie Personaldienstleistern. Aber nicht nur die IT-Abteilung kauft ein, auch die Fachabteilungen holen sich IT-Dienstleistungen ins Haus (Stichwort „Schatten-IT“). Und immer möchte der Einkauf ein Wörtchen mitreden. Wichtig ist also zu klären, wie interne Bedeutung und externer Betrieb zusammenpassen? Wie man die Kontrolle wahren kann? Wie sich viele Servicepartner führen und verwalten lassen? Wie unzählige IT-Servicequellen sinnvoll ineinandergreifen?

Über diese Themen sollte einmal geredet werden, fanden die Unternehmensberatung Lünendonk und die COMPUTERWOCHE und luden CIOs, IT-Leiter, -Einkäufer und –Verantwortliche sowie Dienstleister zum „Sourcing Day“, der unter dem Motto „Erfolgsstrategien für flexibles Sourcing in IT-Projekten“ stand. Nach zwei Impulsvorträgen – unter anderem von Unternehmensgründer und Buchautor Thomas Lünendonk, der ein gutes Partner-Ökosystem als unerlässlich propagierte - wurden die rund 120 Teilnehmer in vier Workshops entsandt. Hier tauschten sie sich mit ihren Ideen und Erfahrungen zum Programm-Management am Beispiel von

Die Ergebnisse der einzelnen Workshops präsentierten die Themenpaten dann abschließend allen Teilnehmern und stellten sich der Diskussion.

„Ist in Zukunft vielleicht weniger mehr?“ gab Jürgen Gallmann von Allgeier angesichts der zunehmenden Komplexität der IT zu bedenken. Lünendonk hielt dagegen: Die Komplexität zu reduzieren sei wenig realistisch, vielmehr werde das Tempo in der IT-Entwicklung eher noch zunehmen. Da müsse man mithalten, denn sonst wäre es wie der Versuch, „die Zahnpasta wieder in die Tube zurückzudrücken.“ CIO Mezler-Andelberg verriet sein Rezept, wie seine IT-Abteilung die Komplexität meistert und es schafft, große Dinge aber auch kleine, interne Projekte zu stemmen: „Nah am Fachbereich agieren und weg von der Dienstleisterrolle der IT!“ Vielmehr müsse die IT auf Augenhöhe mit den Fachbereichen arbeiten und ein gleichberechtigter Partner sein. „Mein Weg ist die Dezentralisierung“, so der IT-Leiter des Automobilzulieferers weiter.

Magna-Steyr-CIO Christian Mezler-Andelberg (rechts) im Gespräch mit CW-Chefredakteur Heinrich Vaske zum Thema "SLAs werden überschätzt".

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Einkauf und IT

„Ist denn der Einkauf auf Augenhöhe mit der IT?“, wurde der Ball weitergereicht an Helma Göbel von der Deutschen Bahn. Die Leiterin Beschaffung IT-Dienstleistungen und Software erklärte, wie ihr Unternehmen das handhabt: „Die ITler denken vor“, definieren also ihre Anforderungen, dann werde der Einkauf frühzeitig mit eingebunden und anschließend komme es zur Ausschreibung für bestimmte Dienstleistungen.

Im Interview mit CW-Redakteur Hans Königes ließ sie sich dann noch ein wenig mehr in die Karten gucken:

Jedoch nicht überall funktioniert der frühe Schulterschluss zwischen IT und Einkauf, wie die Diskutanten zugaben. Viel zu häufig wird die Einkäufer-Rolle nicht als Bereicherung, sondern Last empfunden. Hier war sich Randstad-CIO Schultheis ins Zeug und plädierte für mehr Wertschätzung in beiden Richtungen.