Blackberry Live 2013

„Wir sind wieder im Rennen“

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Nach dem geglückten Start von Blackberry 10 und den ersten Blackberry-Geräten Z10 und Q10 auf dem Markt wagt es der kanadische Hersteller, wieder etwas weiter nach vorne zu blicken. In der Zukunft sollen dabei mobile Endpunkte jeder Größe eine Rolle spielen, verriet Blackberry-Chef Torsten Heins in seiner Keynote zur Blackberry Live.

Auf der diesjährigen Hausmesse in Orlando, Florida, gab sich der Blackberry-CEO wieder betont selbstbewusst – und diesmal nicht ganz ohne Grund. „Wir haben mit der Company wieder festen Boden erreicht“, verkündete Heins vor rund 5000 Besuchern. „Letztes Jahr haben Leute gesagt, das sei die letzte Konferenz und das letztes Jahr für die Company überhaupt… und sie lagen falsch! Heins räumte ein, dass sich Blackberry zwar nicht in der Pole Position befinde, aber immerhin gut im Rennen läge. Tatsächlich hatten die Kanadier das vierte Quartal des letzten Geschäftsjahres mit einem leichten Gewinn abgeschlossen und den ersten Ergebnissen zufolge befindet sich die Company auch mit der neuen Plattform Blackberry 10, die in nur zwei Jahren von Grund auf erschaffen wurde und Ende Januar mit den zwei Geräten Z10 und Q10 startete, auf einem guten Weg.

Thorsten Heins und Lewis Hamilton: Autos spielen bei Blackberry eine große Rolle.
Thorsten Heins und Lewis Hamilton: Autos spielen bei Blackberry eine große Rolle.

Für Heins ist Blackberry 10 allerdings mehr als nur ein Update für das in die Jahre gekommene BBOS7, geschweige denn lediglich ein einfaches Handy-Betriebssystem. Der Topmanager geht davon aus, dass in der nächsten Dekade ein großer Paradigmenwechsel im Mobile-Bereich stattfindet, ähnlich dem von Wired- zum Wireless-Computing. Dabei soll Blackberry 10 als mobile Plattform die Industrie in die nächste Ära des Mobile Computing zu führen, in dem jedes „Device“ mit dem Internet verbunden ist.

In diesem Zusammenhang ist auch seine jüngste Aussage über die düstere Zukunft für Tablets zu sehen, wie der deutsche Ingenieur in einer Fragerunde klarstellte. Er glaube nicht an eine Zukunft mit mehreren verschiedenen Systemen, etwa Smartphone, Tablet und Notebook, sondern eher an eine Personal-Computing -Engine, die alles antreibt. Diese Entwicklung werde die Tablet-Industrie belasten. Heins erstickte damit auch die Erwartungen auf eine überarbeitete Neuauflage des glücklosen Playbook – als reiner Hardware-Ansatz mache dies nicht viel Sinn, so sein Kommentar.

Autos als mobile Endpunkte

Wie man sich die mobile Zukunft à la Heins vorstellen muss, demonstrierte Blackberry mit einem ganz speziellen mobilen „Endpunkt“ – einem Bentley-Cabrio, bei dem Infotainment, Navigation und andere Connected Services auf einem großen Touchscreen mit Blackberry 10 laufen. Wie auf der Bühne demonstriert wurde, kann man in dem Fahrzeug auch Videokonferenzen via Blackberry Messenger abhalten – allerdings nur im Stand. Setzt sich die Limousine in Bewegung, schaltet BBM auf Audio um. Als weiterer Beweis, dass neben Smartphones künftig auch andere Geräte und insbesondere Autos eine Rolle spielen, holte Heins in der Keynote auch Johann Jungwirth, seines Zeichens Entwicklungschef für Mercedes Nordamerika auf die Bühne. Mercedes nutzt bereits QNX, auf dem Blackberry 10 basiert, in seinem Infotainment-System.

Live-Demo auf der Bühne: Videokonferenz im Bentley.
Live-Demo auf der Bühne: Videokonferenz im Bentley.


Für eine Vision zu leben ist eine Sache, gleichzeitig gilt es aber auch, die Produkte für die nächsten Monate und Jahre weiterzuentwickeln. Hier stellte Blackberry nach den zwei Highend-Geräten Z10 und Q10 nun das etwas niedriger angesetzte Q5 vor. Mit dem Einsteigergerät, das bereits als R10 geleakt war, will Blackberry die Leistungsfähigkeit des über 700 Euro teuren Q10 zu einem erschwinglichen Preis bieten. Als Abnehmermärkte sieht Heins insbesondere Schwellenländer, wo Smartphones mit Volltastatur noch häufig als PC-Ersatz genutzt werden. Im Vordergrund stehen dabei Texteingabe, E-Mails, Messaging via BBM, aber weniger Medienkonsum, wo ein großes Display Vorteile bietet.

Einsteigergerät mit BB10: Das Blackberry Q5
Einsteigergerät mit BB10: Das Blackberry Q5
Foto: Blackberry

Wie viel das Gerät letztendlich kosten soll, wurde aber noch nicht bekannt gegeben. Das Gerät soll im Sommer in Rot, Schwarz, Weiß und Pink auf den Markt kommen und besitzt ein 3,1-Zoll-Display mit 720 mal 720 Pixel Auflösung, verfügt über einen 1,2Ghz-Dualcore-Prozessor mit 2 GB RAM und 8 GB Speicher. Die Kameras haben fünf und zwei Megapixel Auflösung und sind damit eher Mittelmaß.

Außerdem gab der Hersteller bekannt, dass die Carrier nun bis Ende der Woche damit begännen, Blackberry 10.1 für das Z10 ausrollen. Im Zuge des Updates erhält das System einige Verbesserungen, darunter einen HDR-Modus für die Kamera oder einen verbesserter Blackberry Hub. Außerdem soll die Tastatur weitere Features erhalten, etwa die von BBOS7 gewohnten Shortcuts. Mit dem Update kommt dann auch Skype auf das Z10

BES10.1 ist fertig

Neues gibt es auch von Blackberry Enterprise Service, das nun in Version 10.1 zum Download bereitsteht, für eine kurze Zeit auch als kostenloses Update für BES5-Kunden. Seit dem Launch von BES10 im Januar wurden laut Blackberry immerhin weltweit 12.000 Server aufgesetzt. Das Mobile Device Management-System spielt eine wichtige Rolle in Blackberrys neuer Strategie, weil sich damit neben BB10- und BB7-Smartphones auch Android- und iOS-Devices verwalten lassen.

Doch Blackberry hat nicht nur erkannt, dass immer mehr Unternehmen mehrere mobile Betriebssysteme parallel im Einsatz haben. Die Kanadier reagieren auch auf Trends wie ByoD oder allgemeiner neue gelockerte Nutzungsszenarien. Viele Unternehmen hätten erkannt, dass das Abschalten von Diensten allein keine Wertschöpfung bringe, bringt es Blackberry-COO Kristian Tear auf den Punkt. So ermögliche es Blackberry Balance, auf Blackberry-Geräten private und berufliche Daten zu trennen, für Android- und iOS-Devices will das Unternehmen sogenannte Secure Workspaces bringen – das Beta soll in diesem Sommer herauskommen.

BBM kommt auch für andere Plattformen

Als weitere Überraschung kündigte Blackberry an, dass die beliebte Messaging-Lösung Blackberry Messenger (BBM) mit immerhin 60 Millionen aktiven Nutzern ab Sommer auch für Android (ab ICS) und iOS (ab Version 6) als unabhängige und kostenlose App erscheinen wird. Zunächst werden Messaging und Groups unterstützt, in einem zweiten Schritt kommen dann BBM Voice, Screen-Sharing und Video und zuletzt BBM Channels.

Über die Öffnung für andere Plattformen war bereits früher spekuliert worden, gleichzeitig kamen dabei aber Befürchtungen auf, dass Blackberry damit in Märkten wie Großbritannien, den Niederlanden und vielen Schwellenländern ein wichtiges Kaufargument für seine Geräte verlieren könnte. Diese Zweifel wischte Firmenchef Heins nun beiseite. Sicher sei BBM ein einzigartiges Asset und ein Grund dafür gewesen, warum viele Anwender Blackberry nutzten, räumte er ein. Die neue Plattform Blackberry 10 stehe nun aber auf eigenen Füßen, weshalb die Öffnung als ein Zeichen der Zuversicht gesehen werden müsse – gleichzeitig sei BBM stark genug, um nun eine unabhängige Multiplattformlösung zu werden.