IT am Körper vereinfacht Arbeit und Freizeit

Wir sind die Borg

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
"Wearable Computing" erscheint vielen noch wie Science-Fiction. Doktorand Kai Kunze beweist das Gegenteil.

CW: Was genau ist Wearable Computing?

Kunze: Die Idee dahinter ist, Alltagssituationen durch bewegungsgesteuerte Computer zu erleichtern. Weg vom Desktop hin zu proaktiven Systemen, die den Benutzer beispielsweise im Beruf oder daheim unterstützen. Der Mensch trägt die Technik direkt am Körper und kann so Aufgaben erledigen, die im Normalfall nicht möglich wären.

CW: Zum Beispiel?

Sieht ein wenig aus wie Star Trek: Kai Kunze demonstriert, wie pervasive Systeme am Körper getragen werden.
Sieht ein wenig aus wie Star Trek: Kai Kunze demonstriert, wie pervasive Systeme am Körper getragen werden.

Kunze: Ein Nutzer, der eine Diät macht, programmiert sein System entsprechend mit dieser Information. Über ein Mikrofon im Ohr werden die Kaugeräusche aufgezeichnet. So weiß das System, wann, wie viel und auch wie der Anwender gegessen hat. Es ist sogar vorstellbar, durch Vergleiche und mit einer Datenbank festzustellen, was gerade gegessen wird. Wenn beispielsweise das prägnante Kaugeräusch von Kartoffelchips festgestellt wird, bekommt der Nutzer einen Hinweis, dass diese Kalorienbomben für den Verzehr eher ungeeignet sind. Zugegeben, ein ziemlich extremes Beispiel - aber es zeigt, was mit allgegenwärtigen Systemen ("pervasive systems") möglich ist.

CW: Warum haben Sie kürzlich mit Handy und Notebook bewaffnet ein Möbelhaus besucht?

Kunze: Ich habe mein Handy auf verschiedene Oberflächen gelegt und den Vibrationsalarm ausgelöst. Die Resonanz ist je nach Untergrund unterschiedlich, die Vibration hört sich immer anders an. Diese Geräusche habe ich aufgezeichnet und das System mit den Daten gefüttert.

CW: Wozu?

Kunze: Direkt ein praktisches Beispiel dazu - ältere Menschen, die aus dem Haus gehen, vergessen ganz gerne einmal ihr Handy. Tragen Sie eines unserer Systeme am Körper, prüft dieses beim Verlassen der Wohnung, ob sich das Handy am Körper befindet. Wenn nicht, wird es angefunkt. Es löst die Vibration aus und meldet sich mit einer bestimmten Art von Geräusch zurück. Das tragbare IT-System erkennt nun sofort, auf was für eine Art Untergrund das Handy liegt, und informiert den Nutzer im Idealfall genau darüber, wo im Haus oder in der Wohnung das Handy vergessen wurde.