Klaus Vitt, CIO der BA

"Wir setzen mehr auf Werterhaltung als die Industrie"

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Der Bundesagentur für Arbeit schaut eine ganze Nation auf die Finger. Auch der CIO Klaus Vitt steht unter ständigem Rechtfertigungsdruck.

CW: Die Bundesagentur für Arbeit ist derzeit finanziell sehr klamm. Wie bezahlt sie eigentlich den IT-Betrieb und die Projekte?

Klaus Vitt, CIO, Arbeitsagentur
Klaus Vitt, CIO, Arbeitsagentur
Foto: Joachim Wendler

VITT: Unsere IT ist zum Teil beitragsfinanziert - über die Arbeitslosenversicherung - und zum Teil steuerfinanziert, zum Beispiel dort, wo es sich um Anwendungen für das Arbeitslosengeld II handelt. Wie in jedem Unternehmen stellen wir jährlich zusammen, was wir benötigen. Das ist fast immer mehr, als an Mitteln zur Verfügung steht. Dann beginnt der Prozess der Haushaltskonsolidierung. Das heißt, wir diskutieren mit den Fachbereichen, wie viel wofür aufgewendet werden soll.

CW: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie das?

VITT: Es gibt drei Kategorien: zum einen die Projekte - sowohl laufende als auch neue -, zum anderen die Weiterentwicklung bestehender IT-Anwendungen, zum dritten der Betrieb der Rechenzentren und die Netzbetreuung. Für jeden dieser Bereiche wird eine Rangfolge festgelegt, die dann als Grundlage für die Verteilung der Mittel dient. Die IT ist in dieser Diskussion der Moderator. Aber die Fachbereiche entscheiden, was wichtig ist.

CW: Wo kürzt es sich denn am geschicktesten?

VITT: Selbstverständlich lassen sich am leichtesten neue Projekte verschieben, die noch gar nicht gestartet sind. Hier sind die negativen Auswirkungen am geringsten. Oft müssen wir aber auch die Mittel für laufende Projekte kürzen. Die werden dann gestreckt.

CW: Wie bitte?

VITT: Wenn ein Projekt beispielsweise über drei Jahre laufen soll, wird vor dem Start der jährliche Mittelbedarf festgelegt. Aber damit ist noch nicht garantiert, dass die Mittel auch jedes Mal zur Verfügung stehen. Sie müssen jedes Jahr neu beantragt werden. Und wenn sie in einem Jahr zu knapp ausfallen, hat das Projekt zeitweilig zu wenig Kapazitäten. Das heißt, es dauert dann etwas länger.

CW: Aber damit stellt sich der Effekt auch später ein.

VITT: Das geht in die Berechnung ein. In der Priorisierung vergeben wir Punkte sowohl für die Kosten als auch für den Nutzen. Und ganz oben stehen die Projekte, die am meisten Punkte sammeln können - also viel Nutzen bei geringen Kosten bringen.