CIO trifft CEO

"Wir brauchen mehr Unterstützung von Microsoft!"

Christoph Witte ist freier Publizist und Kommunikationsberater.
Michael Neff, CIO der Heidelberger Druckmaschinen AG, fühlt Achim Berg, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, auf den Zahn. Es geht um die Microsoft-Partner, die Offenheit des Anbieters, um dessen Enterprise-Geschäft und nicht zuletzt um die Frage: Wie sexy ist Microsoft eigentlich noch?

NEFF: Wird Microsoft durch den Rückzug von Bill Gates ein anderes, quasi ein normales Unternehmen?

BERG: So komplett ist der Rückzug nicht. Bill Gates bleibt ja Microsoft-Chairman und wird an ausgewählten Projekten weiter mitarbeiten. Man wird ihn nach wie vor in Redmond treffen - auch wenn jetzt Steve Ballmer in seinem Büro sitzt. Die Tugenden, die Microsoft bisher ausgezeichnet haben, bleiben definitiv erhalten.

Was wollte Microsoft mit Yahoo?

NEFF: Der Deal zwischen Yahoo und Microsoft scheint gescheitert, aber es bleibt Fakt, dass Microsoft im Geschäft mit Privatkunden und im Internet-Werbemarkt eine dominante Rolle anstrebt. Wie hätten Enterprise-Kunden von der Akquisition profitiert?

BERG: Prinzipiell kann man Business und Consumer-Themen nicht wirklich voneinander trennen. Denken sie nur an das Thema Instant Messaging. Worklife und Lifestyle wachsen immer enger zusammen. Die Leute erwarten zunehmend, dass sie mit den Geräten und Services, mit denen sie zu´Hause werkeln, auch in der Firma arbeiten können. Die Überlappung wird immer größer. Und schließlich hat Yahoo einiges, was Microsoft sehr gut gebrauchen könnte. Der globale Werbemarkt steht für mehr als 500 Milliarden Euro, das ist deutlich mehr als die 300 Milliarden Euro, die der weltweite Softwaremarkt ausmacht. Angesichts dieses Größenverhältnisses ist es extrem wichtig, dass wir das Thema Online weiter vorantreiben, denn viele künftige Geschäftsmodelle basieren auf Online-Werbung. Da müssen wir dabei sein - und zwar vorn.

COMPUTRWOCHE-Gipfeltreffen

In lockerer Folge bringt die COMPUTERWOCHE jeweils den CIO eines wichtigen deutschen Unternehmens mit einem hochkarätigen Manager aus der IT-Industrie ins Gespräch. Die Redaktion bereitet die Gespräche mit den Protagonisten intensiv vor. Aber während des Dialogs sind die CW-Redakteure nur Zaungäste, die sich aus der Diskussion heraushalten und sie lediglich dokumentieren.