"Wir brauchen keinen Servicevertrag"

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Kosten senken lautet für die meisten Unternehmen das wichtigste Argument für einen Wechsel auf Open-Source-Software. Zwar fallen dabei keine Lizenzgebühren an, doch Wartung und Support lassen sich professionelle Anbieter reichlich bezahlen. Längst nicht alle Kunden nehmen deshalb die Serviceangebote der großen Linux-Distributoren an.
(Foto: Argum)
(Foto: Argum)

Schon seit 1997 nutzt die Oldenburgische Landesbank (OLB) Linux als Server-Betriebssystem. Als im vergangenen Jahr das Upgrade der veralteten Suse-Linux Version 5.2 anstand, nahm Theodor Vehndel, Gruppenleiter IT-Basisdienste, mehrere Angebote unter die Lupe. Beim Preisvergleich mit dem kleinen Linux-Dienstleister Univention fiel der zwischenzeitlich von Novell aufgekaufte Open-Source-Spezialist durch: Die Software für rund 200 Server inklusive Update-Garantie und Supportvertrag für drei Jahre offerierte Univention um satte 40 Prozent günstiger.

Alternative Debian

Obwohl der Lieferantenwechsel auch mit dem Umstieg auf eine andere Linux-Distribution verbunden war, entschied sich Vehndel für den Anbieter aus dem nahegelegenen Bremen. Dessen Linux-Distribution "Univention Corporate Server" basiert auf Debian GNU/Linux. "Mit den Wartungs- und Supportkosten im Suse-Angebot hätten wir uns in Dimensionen bewegt, die wir von professionellen Unix-Derivaten kennen", begründet der IT-Manager die Entscheidung. Die Regionalbank in der Weser-Ems-Region setzt Linux vor allem als File- und Print-Server ein. Allerdings läuft auch eine klassische Banking-Anwendung, das "Schalter-Kasse"-System, unter dem quelloffenen System. Die Portierung von Suse Linux auf Debian habe man mit "minimalem Migrationsaufwand" bewältigt, sagt Vehndel.

Ähnlich wie Suse erging es auch dem zweiten großen Linux-Distributor Red Hat. Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin verabschiedete sich von der Linux-Variante der US-Amerikaner und setzt nun ebenfalls auf Debian GNU/ Linux. Dies sei vor allem aus "politischen Gründen" geschehen, heißt es in der Bundeshauptstadt. Man wolle keine "Knebelverträge" mit einem Hersteller. Für Wartung und Support der Linux-Installation nimmt das AA einen externen Dienstleister in Anspruch, genauere Angaben lehnt die Behörde aus Gründen der Geheimhaltung ab.

Ganz anders die Stuttgarter Versicherung, die für ihre rund 800 installierten Linux-Clients gänzlich auf einen Supportvertrag verzichtet. "Dazu besteht kein Anlass", erklärt Xaver Beck, Hauptabteilungsleiter Anwendungen und Verfahren. "Wir schaffen das selber." Zwar habe man mit Suse über ein Serviceabkommen verhandelt; die Positionen lägen aber noch zu weit auseinander. Der Aufwand für den Desktop-Support sei ohnehin gering: Mehr als ein Mannjahr setzt er dafür nicht an.