Interview mit CEO TK Kurien

Wipro Digital soll neue Märkte adressieren

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Wipro-CEO TK Kurien verfolgt eine Doppelstrategie: Im angestammten Infrastruktur-Geschäft sollen mit modernen Automatisierungs-Tools Effizienz und Qualität erhöht werden. Parallel dazu kümmert sich die neue Unit Wipro Digital um das Geschäft mit der digitalen Transformation.

CW: Sie haben in den vergangenen Monaten einige Veränderungen in Ihrem Management vorgenommen. Mit Abid Ali Neemuchwala haben Sie erstmals einen COO eingestellt, der von Tata Consultancy Services kommt. Warum dieser Schritt?

KURIEN: Das ist im Wesentlichen den Veränderungen im Markt geschuldet. In der Vergangenheit haben die Kunden Services von uns gekauft, basierend darauf, wie sie selbst organisiert waren. IT-Abteilungen hatten einen Applikations-, einen Infrastruktur-, einen Daten-Verantwortlichen. Jeder hat genau das geordert, was seinen Interessen entsprach.

TK Kurien, CEO des drittgrößten indischen IT-Outsourcers Wipro, möchte mit seiner neuen Business-Einheit "Wipro Digital" Kunden auf dem Weg in die digitalisierte Zukunft begleiten.
TK Kurien, CEO des drittgrößten indischen IT-Outsourcers Wipro, möchte mit seiner neuen Business-Einheit "Wipro Digital" Kunden auf dem Weg in die digitalisierte Zukunft begleiten.

Wir glauben, dass die Welt der IT-Infrastruktur nun in eine neue Phase eingetreten ist. Kunden kaufen Services jetzt auf einem Prozess-Level: Infrastruktur, Anwendungen und Daten werden als kombinierter, integrierter Stack gekauft. Es geht darum, Dinge zu vereinfachen und Kosten zu senken - wobei Effizienz nur ein Aspekt von mehreren ist.

Vor diesem Hintergrund verantwortet mein COO alles, was Prozesse inklusive Anwendungen, Infrastruktur und Daten betrifft. Dazu entwickelt er einen Service-Integration-Layer, der über allem liegt. Wir brauchen jemanden, die das ganze überblickt und aus Kundensicht für eine integrierte Lösung verantwortlich ist. Dafür haben wir jetzt einen COO.

CW: Was bedeutet das für die Effizienz im Bereich Service Delivery?

KURIEN: Der Backoffice-Stack, den wir all die Jahre an verschiedene Kundenbedürfnisse angepasst haben, wird künftig standardisierter und viel einfacher zu verwalten sein. Hier geht es um Integration und um Kosten. Wir haben in unserem klassischen Geschäft alle existierenden Stacks in einen einzigen integriert. Und wir haben als zweite große Division Wipro Digital aufgemacht. Services für die digitale Transformation werden in einer völlig anderen Art und Weise eingekauft als traditionelle Backoffice-Services.

Mit Wipro Digital möchte der indische Konzern neue Transformations-Services für Unternehmen erbringen.
Mit Wipro Digital möchte der indische Konzern neue Transformations-Services für Unternehmen erbringen.

CW: Wie sehen Sie künftig Ihre Rolle als CEO von Wipro? Sind Sie nur noch für Strategie und Innovation verantwortlich?

KURIEN: Ich sage Ihnen, wie es laufen wird: Der COO wird derjenige sein, der alle Service-Lines integrieren und für die Delivery zuständig sein wird. Er ist aus Kundensicht für den Stack verantwortlich und liefert. Die Verticals, die unsere Kunden mit ihrem Domain-Wissen adressieren, werden dagegen an mich berichten. Marktzugang, insbesondere auch zu neuen Märkten, und das Digital-Business werden mein Fokus sein.

Stack-based Buying wird der neue Standard sein

CW: Ist das ein Trend, den wir bei allen Outsourcern sehen werden: Die Trennung des hochautomatisierten Back-Office-Geschäfts vom individuelleren und vermutlich lukrativeren Digital-Business?

KURIEN: Wir glauben natürlich, dass wir ganz vorne dran sind. Stack-based Buying wird unserer Ansicht nach sehr bald der neue Standard sein. Der Erfolg bei ersten Ausschreibungen zeigt, dass wir da richtig liegen.

CW: Unternehmen stecken heute in der digitalen Transformation, sprechen über das Data-driven Unternehmen und träumen vom Realtime Enterprise. Wie wollen Sie diese zukunftsträchtigen Geschäfte angehen?

KURIEN: Zunächst einmal ist Stabilität im operativen Geschäft bei optimalen Kostenstrukturen die Grundlage von allem. Das war bislang unser Fokus und USP. Doch dann kam die Digitalisierung dazu. Jetzt geht es um Wettbewerbsfähigkeit; Stabilität und Kosten sind selbstverständlich geworden. Es geht jetzt um den Impact. Das ist ein völlig anderer Ansatz. Deshalb haben wir Wipro Digital eröffnet: eine komplett andere Einheit mit eigenen Regeln, Systemen und Strukturen. Wie die Mitarbeiter dort entwickeln, wie sie Frontends designen, das folgt typischen DevOps-Ansätzen. Und so sprechen sie auch mit dem Kunden; ein anderer Kundentyp übrigens, als wir ihn kennen.

CW: Wie sehen die Schnittstellen zum klassischen Geschäft aus?

KURIEN: Schnittstelle ist der Verantwortliche für den Kunden-Account. Die Digital-Unit wird nicht einfach losziehen und verkaufen, ohne den Account-Verantwortlichen einzubeziehen. Er ist aber wirklich nur noch dafür zuständig, den Digital-Kollegen beim Kunden einzuführen, das ist schon alles.