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Wine künftig unter GNU Lesser General Public License

11.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Projekt "Wine", angetreten mit dem Ziel, Windows-Anwendungen unter Linux und anderen Unixen lauffähig zu machen, soll zwecks Wahrung seiner Unabhängigkeit künftig unter der Open-Source-Lizenz GNU Lesser General Public License (LGPL) laufen. Vorausgegangen war eine angeregte Diskussion in der Wine-Mailing-Liste mit anschließender Abstimmung über verschiedene Copyleft-Lizenzen (neben der LGPL u.a. auch GPL und Mozilla Public License). Dabei setzte sich eine - eventuell zu modifzierende - LGPL durch, bei der Entwickler am Code vorgenommene Veränderungen wieder allgemein zugänglich machen müssen.

Wine implementiert die Programmierschnittstellen von Windows 3.x (16 Bit) und Win32 unter X und Unix für Intel-Prozessoren. Die aktuelle Prerelease-Version ist unter der Wine License erhältlich, die sich im Wesentlichen an die X11 License anlehnt und kommerziellen Softwarehäusern Modifikationen gestattet, ohne diese anschließend der Community zurückzugeben. In der Mailingliste hatte unter anderem Codeweavers-Chef Jeremy White Befürchtungen geäußert, Wine könne in proprietären Produkten genutzt werden, was ein so genanntes Code Forking (=Aufspaltung des Quellcodes in unterschiedliche, inkompatible Zweige) nach sich ziehen könnte.

Ironischerweise wird aber gerade die Einführung der LGPL, die Wine-Koordinator Alexandre Julliard in Kürze offiziell ankündigen wird, ein erstes Forking zur Folge haben, berichtet "Computerwire". Eine Gruppe von Entwicklern ist nämlich entschlossen, den Code weiterhin auf Basis der X11-Lizenz zu pflegen. Julliard kündigte an, es werde dazu einen "finalen Schnitt" des X11-Codes geben, der dann als Ausgangspunkt dienen könne. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, es werde nicht nötig sein, diesen Baum aufrecht zu erhalten. (tc)