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Windows ohne Media Player bekommt neuen Namen

31.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat sich nach Kritik der EU-Kommission bereit erklärt, seinem auf Anordnung der Brüsseler Exekutive angebotenen Windows ohne beigepackten Media Player einen neuen Namen zu geben. Im Dezember hatte der Softwarekonzern angekündigt, es werde der Kartellentscheidung der Kommission Folge leisten und eine dazu eine "Windows XP Reduced Media Edition" herausbringen. Diese wird bereits an PC-Bauer geliefert und kommt auch in den Handel.

EU-Offizielle hatten sich anschließend über den von Microsoft gewählten Namen beschwert, der das abgespeckte Windows von vornherein herabwürdige und für Käufer unattraktiv mache. Nun haben die Redmonder eingewilligt, die Bezeichnung zu ändern. "Wir hatten ursprünglich den Namen 'Windows Reduced Media Edition' gewählt", erklärte Konzernsprecher Jim Desler. "Auch wenn wir der Ansicht sind, dass dieser der Entscheidung der Kommission voll entspricht, sind wir im Geiste des Kompromisses bereit, eine andere Bezeichnung zu wählen."

Über den neuen Namen sei noch nicht entschieden worden, so Desler. Microsoft verhandele mit der EU-Kommission über mögliche Alternativen, die Verbraucher über das Produkt informierten. Bislang seien noch keine Boxed Products ausgeliefert worden, sodass eine Rückrufaktion unnötig sei.

Seitens der Kommission gab es zu der Angelegenheit bislang keine Stellungnahme. Medienberichten zufolge hatte Brüssel dem Softwareriesen mit einer zusätzlichen Strafe von bis zu fünf Prozent seiner täglichen Einnahmen gedroht, falls er die alternative Windows-Version für Käufer unattraktiv mache.

Kommentar: An dieser Stelle können wir uns die Ansicht nicht verkneifen, dass die EU-Kommission sich mit ihrer Forderung nach einem Windows ohne Media Player in der geforderten Form schlicht selbst in Knie geschossen hat. Denn die alternative Version, wie immer sie künftig heißen mag, darf zum gleichen Preis verkauft werden wie das bisherige Windows. Kein einziger Verbraucher wird sich aber für ein Paket interessieren, das weniger Funktionen bietet, aber nicht auch weniger kostet. Wer Microsoft wirklich nicht mag, verwendet sowieso Linux als Betriebssystem. Oder kauft sich einen Mac - meist ohne zu wissen, dass Microsoft an der Entwicklung des ursprünglichen Mac OS nicht unerheblich mit beteiligt war und Apple ohne Microsofts Finanzspritze von 150 Millionen Dollar im Jahr 1997 heute womöglich gar nicht mehr am Markt wäre. (tc)