Lenovo-Manager Engel im CW-Interview

"Windows 8 wird einen Schub bringen"

Wolfgang Herrmann
Wolfgang Herrmann ist Chefredakteur der CW-Schwesterpublikation TecChannel. Er war zuvor stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Data Center, Virtualisierung, Open Source und Cloud Computing. Er studierte Betriebswirtschaft und arbeitete unter anderem für den Vogel Verlag, den PC Magazin Verlag und die Suse Linux AG.
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Mit einer aggressiven Strategie hat sich Lenovo zur Nummer eins im deutschen PC-Markt gemausert. Stefan Engel, General Manager für die Region DACH, teilt im CW-Interview aus gegen Konkurrenzprodukte wie das Surface Pro und erklärt, wie Tablets und Windows 8 den darbenden PC-Markt wieder in Schwung bringen könnten.

CW: Im dritten Quartal 2012 haben Sie Hewlett-Packard im deutschen PC-Markt erstmals vom Thron gestoßen. War HP so schwach oder Lenovo so stark?

Engel: Wir haben unseren Vorsprung im vierten Quartal sogar noch ausgebaut. Besonders gefreut hat mich dabei, dass wir auch im Consumer-Segment und im Notebook-Markt die Nummer eins geworden sind. Das zeigt schon unsere Stärken.

CW: Welche Stärken meinen Sie?

"Wir haben Händler von Konkurrenten gewonnen", sagt Lenovo-Europamanger Stefan Engel.
"Wir haben Händler von Konkurrenten gewonnen", sagt Lenovo-Europamanger Stefan Engel.
Foto: Lenovo

Engel: Zum einen haben wir unser Consumer-Geschäft massiv nach vorne gebracht. Das liegt nicht nur an der Übernahme von Medion. Noch vor zwei Jahren hat Lenovo im Consumer-Markt praktisch keine Rolle gespielt. Jetzt halten wir hier einen Marktanteil von 20,2 Prozent. Im Professional-Bereich haben unsere anerkannt guten Produkte eine entscheidende Rolle gespielt. Ich möchte keine direkten Mitbewerber namentlich erwähnen. Aber wir merken schon, dass Händler auf uns zukommen, die wegen unserer tollen Produkte und unserer Innovationen von ihrem bisherigen Partner abrücken. Diese Innovationen finden Sie bei anderen Anbietern eben nicht. Wir haben also einige Händler hinzugewonnen, und zwar gerade von bestimmten Konkurrenten.

CW: Innovationen und gute Produkte sind das eine. Sie fahren aber auch eine aggressive Preisstrategie. Einige Analysten sagen, Lenovo subventioniere mit Niedrigpreisen den europäischen und amerikanischen Markt über den Heimatmarkt China. Was sagen Sie dazu?

Engel: Diese Analysten sollten den Job wechseln. Fakt ist: Wir verdienen Geld in Deutschland, das Geschäft ist profitabel. Natürlich befinden wir uns im Consumer-Bereich in einer Aufbauphase, hier schreiben wir eher eine schwarze Null. Damit sind wir aber genau im Plan. Der Gewinn, den wir hierzulande erwirtschaften, kommt derzeit noch aus dem B2B-Geschäft. Trotzdem trägt das Consumer-Geschäft natürlich zu den Stückzahlen bei; es verschafft uns die nötigen Economies of Scale, über die wir beispielsweise bei Intel oder Microsoft bessere Einkaufspreise bekommen.

CW: Apropos Geschäftspartner: Mit dem neuen Thinkpad Tablet 2 unter Windows 8 Pro konkurriert Lenovo direkt mit dem Surface Pro von Microsoft. Wie gehen Sie damit um?

Engel: Das Surface Pro ist ein Wettbewerbsprodukt wie alle anderen auch. Wir haben selbst auch die Erfahrung gemacht, dass Windows RT nicht unbedingt bei den Kunden ankommt. Microsoft muss jetzt erst einmal die Stückzahlen verkaufen, die es in den Channel geliefert hat. Es wird sich zeigen, ob sich das Surface Pro am Markt etabliert und ob die Vermarktungsstrategie dieses Herstellers die richtige ist. Wir konzentrieren uns auf unsere eigenen Produkte.

CW: Der erhoffte Wachstumsschub im PC-Markt durch Windows 8 ist bislang ausgeblieben. Wie sieht Ihre Prognose für 2013 aus?

Engel: Wir haben nicht erwartet, dass Windows 8 sofort den Schub bringt. Es handelt es sich um ein Touch-optimiertes Betriebssystem. Wir sehen aber gerade im Geschäftskundenbereich für Windows-8-Tablets eine enorme Nachfrage. Im Bereich der klassischen PCs und Notebooks werden im Laufe dieses Jahres viele Unternehmen, die noch Windows XP einsetzen - nach unseren Schätzungen sind das etwa 25 bis 30 Prozent - über eine Migration nachdenken müssen. Microsoft wird XP ab April 2014 nicht mehr unterstützen, auch der nächste Chipsatz von Intel wird das nicht mehr tun. Diese Anwenderunternehmen werden sich überlegen, ob sie noch auf Windows 7 oder eher auf Windows 8 umsteigen. Ich gehe davon aus, dass viele auf Windows 8 gehen werden. Das wird sicher einen gewissen Schub bringen. Im Consumer-Bereich wird die Akzeptanz stetig zunehmen. Die Endanwender gewöhnen sich gerade erst an die neue Optik und das Bedienkonzept.

CW: Microsoft führt als einen der großen Vorzüge von Windows 8 an, dass Unternehmen damit eine einheitliche Plattform für unterschiedlichste Client- und auch Server-Systeme bekämen. Wie valide ist dieses Argument, wenn man bedenkt, dass iOS- und Android-Devices längst durch die Hintertür in die Unternehmen eingezogen sind?

Engel: Sind sie ja eben nicht, zumindest nur teilweise. Viele unserer Großkunden weigern sich, solche Geräte in die Unternehmens-IT zu lassen. Sicherheitsbedenken, vor allem bei Android, spielen da eine große Rolle. Ein Systemhaus hat mir mal gesagt: Einen Auftrag, Android-Geräte in die Unternehmens-IT zu integrieren, würden wir ablehnen. Vor diesem Hintergrund ist das Argument Microsofts schon valide. Ein Aspekt ist dabei aber zu bedenken: Microsoft will für sein Betriebssystem ja immer noch Geld. Der Durchschnittspreis für Tablets wird künftig aber sinken, sehr stark im Consumer-Bereich, aber durchaus auch im Business-Segment. Die Kunden werden sich dann fragen: Ist das Argument der einheitlichen Plattform stark genug, um die Lizenzgebühren zu rechtfertigen?

CW: Auch die von Intel mit großem Aufwand unterstützen Ultrabooks haben bisher keine Wende im PC-Markt gebracht. Sind die Preise immer noch zu hoch?

Engel: Wir sind mit den Verkäufen unserer Ultrabooks zufrieden. Ultrabooks sind aber immer noch deutlich teurer als "normale" Notebooks. Bei der Markteinführung der Geräte wurde zudem ein Vorteil in den Vordergrund gerückt, der meiner Meinung nach nicht relevant ist, nämlich das geringe Gewicht. Wenn man weiß, dass 80 Prozent der Notebooks den privaten Haushalt nicht verlassen, ist das Gewicht eben nicht entscheidend. Ultrabooks haben ein tolles Design, sehr gute Batterielaufzeiten und diverse andere Vorteile. Viele private Kunden sind aber nicht bereit, mehr Geld für Eigenschaften auszugeben, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Im Business-Bereich ist die Nachfrage nach unseren Ultrabook-Modellen jedenfalls sehr gut. (wh)

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