Gates und Ballmer auf der D:

Windows 7 bekommt Multi-Touch-Technik

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Microsoft hat einen ersten Blick auf die unter dem Codenamen "Windows 7" entwickelte nächste Windows-Version gewährt.

Windows 7 enthält eine bereits aus dem "Surface"-Computertisch bekannte Touch-Screen-Technik, die zukünftig eine ganz neue Generation von PCs ermöglichen könnte. Die Vorführung auf der "D:"-Konferenz des "Wall Street Journal" wenigstens 20 Monate vor Erscheinen der Software unterstreicht allerdings auch die Wahrnehmung, dass die aktuelle Windows-Version "Vista" nicht die Erwartungen von Microsoft erfüllt.

Foto: All Things Digital

Die neue Benutzerführung in Windows 7, von Microsoft als "Multi-Touch" bezeichnet, gestattet es dem Nutzer, die Software ähnlich wie bei Apples iPhone über einen berührungsempfindlichen Bildschirm mit Fingern zu steuern. Dabei werden mehrere Berührungen ausgewertet - mit fünf Fingern lassen sich so beispielsweise fünf Linien gleichzeitig zeichnen. Die Microsoft-Vice-President Julie Larson-Gee demonstrierte dies, indem sie auf einem Dell-Laptop mit den Fingern einen Baum, Land und eine Sonne skizzierte. "Das werden Sie auf Computern aller Größen und Formen sehen", kündigte die Microsoft-Frau an.

Foto: All Things Digital

Microsoft hält Multi-Touch unter anderem für besonders gut geeignet, um digitale Fotos zu bearbeiten oder in Internet-Kartendiensten zu navigieren. Larson-Green suchte bei ihrer Finger-Demo auch einen Starbucks möglichst nah beim Tagungsort im kalifornischen Carlsbad.

Bezüglich weiterer Details zu Windows 7 hielten sich Microsoft-Gründer Bill Gates und CEO Steve Ballmer indes bedeckt. Das gilt insbesondere für den Erscheinungstermin des Vista-Nachfolgers. Es hieß lediglich, angepeilt werde ein Verkaufsstart etwa drei Jahre nach dem Launch von Vista, was auf Januar 2010 hinauslaufen würde. Der für Windows zuständige Vice President Steven Sinofsky erklärte in einem Interview mit dem Branchendienst "Cnet", der Konzern liege im Plan, um diesen Terminkorridor zu halten.

Steven Sinofsky, Microsofts Herr über Windows.
Steven Sinofsky, Microsofts Herr über Windows.
Foto: Microsoft

Jegliche Details zur nächsten Windows-Version werden mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, weil das Betriebssystem für Microsoft der wichtigste Umsatz- und Gewinnbringer ist und eine Vielzahl von Hardware- und Software-Anbietern mit ihren Produkten davon abhängt. Indem Microsoft schon jetzt ein wichtiges Feature des Produkts enthüllt, riskiert es, dass Aufmerksamkeit von Vista abgelenkt wird. Das aktuelle Windows verkauft sich zwar gut, hat aber nur glanzlose Kritiken erhalten. Das Microsoft-Management hat wiederholt darauf verwiesen, dass erst 2008 das entscheidende Jahr für die Verbreitung von Vista in Unternehmen sei, auch wenn viele Firmen bereits angezeigt haben, dass sie noch nicht für eine Migration vorbereitet sind.

Mit den Jahren ist die Komplexität des Microsoft-Betriebssystems immer weiter gestiegen und macht die Entwicklung neuer Version zu einem monumentalen und riskanten Unterfangen. Bei Vista zum Beispiel, das nach mehreren Verschiebungen im Januar 2007 für Endkunden in den Handel kam, dauerte die Entwicklung bereits fünf Jahre und damit mehrere Jahre länger als ursprünglich vorgesehen. Zu Ende März hatte Microsoft nach eigenen Angaben 140 Millionen Vista-Lizenzen verkauft (dabei zählen die aus Volumenprogrammen für Unternehmen nicht mit).

Im Windows Vista Team Blog stellt Microsoft Prioritäten für die Entwicklung von Windows 7 vor. Einer aktuellen Pressemitteilung zufolge will der Konzern "gewährleisten, dass die Investitionen der Partner und Kunden in Windows Vista vollständig berücksichtigt werden und sie mit beiden Versionen einen enormen Mehrwert erhalten". Windows 7 solle daher "auf der gleichen Hardware laufen, die auch für Windows Vista empfohlen wird"; Anwendungen und Geräte für Windows Vista würden auch mit Windows 7 kompatibel sein. Mehr Details dazu werde man Partnern und Kunden so bald wie möglich mitteilen.