Pandacom lieferte X.25-Equipment für das Subnetz Erwin

WIN-Zugänge für 50 Institutionen in den fünf neuen Bundesländern

20.09.1991

FRANKFURT (CW) - Schneller als erwartet konnten die Hochschuleinrichtungen der neuen Bundesländer durch ein Kommunikations-System miteinander und gleichzeitig mit dem Wissenschaftsnetz WIN des Vereins zur Förderung eines deutschen Forschungsnetzes (DFN) verbunden werden. Das Vermittlungs-Equipment für die binnen sechs Monaten realisierte Lösung "Erwin" lieferte das Frankfurter Unternehmen Pandacom.

Eine direkte Einbindung der Institutionen in das WIN ließ sich aus technischen Gründen nicht von heute auf morgen realisieren. Daher strebte der DFN-Verein als Selbsthilfeorganisation der deutschen Wissenschaft für die rechnergestützte Datenkommunikation mit finanzieller Unterstützung durch das BMFT eine Interrimslösung in Form eine privaten X.25-Netzes an. Hierfür stellt die Telekom die Leitungen bereit. Das Netz Erwin - die Abkürzung steht für "Erweiterung des Wissenschaftsnetzes" -, das insgesamt 50 Universitäten, Fachhochschulen oder Institute auf dem ehemaligen Gebiet der DDR einbezieht, wird aber anders als das WIN vom DFN selbst betrieben.

Für die Unterstützung bei der technischen Realisierung des Projektes erhielt Pandacom im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung den Zuschlag. Die Wahl fiel vor allen Dingen deshalb auf den Frankfurter Anbieter, weil die X.25-Komponenten dieses Unternehmens bereits in der Grundversion auf die schnelle 2-Mbit/s-Kommunikation zugeschnitten sind und eine Auslegung für den Betrieb von Hochleistungsnetzen mit 10 Mbit/s sich in der Vorbereitung befindet.

Wegen der sehr komplexen Struktur der vorhandenen und zu planenden EDV-Basis in den neuen Bundesländern wurde ein flexibles, modular aufgebautes Kommunikationssystem verwirklicht. Pandacom setzt dabei den X.25-Paketvermittlungsknoten Switch 2000 und zusätzlich Module für integrierte PAD-Funktionen und Ethernet-Karten zum Anschluß lokaler Netzwerke ein. Auf diese Weise werden neben IP- insbesondere LLC Funktionen als Grundlage für die Bereitstellung OSI-gerechter Dienste geliefert. Zum Lieferumfang gehörten des weiteren auch die notwendigen Inhouse-Modems mit 19,2 Kbit/s und 64 Kbit/s und das Netzwerk-Management-System NMS 2000.

Die über Mietleitungen mit einander verbundenen Untervermittlungen gewährleisten eine Ankopplung der verschiedenen X.25 Endgeräte, so zum Beispiel von Mail und Fileservern, Personal Computern, Mainframes, LAN-vernetzten Rechnern und asynchronen Terminals. Die Verbindung zwischen Erwin und dem WIN wurde über zwei Strecken geschaffen: zum einen von der Humbold-Universität in Berlin aus - vorläufig via FU Berlin -, zum anderen vom Institut für Informatik und Rechentechnik via DFN-Geschäftstelle.

Durch den neuen WlN-Anschluß können die in der ehemaligen DDR angesiedelten Institutionen aus Wissenschaft und Forschung Dienste wie X.400 und FTAM nutzen, Datenbank-Recherchen im Dialogbetrieb durchführen, auf Konferenzsysteme zugreifen und die Rechnerleistung entfernter Systeme mittels Remote Job Entry "anzapfen". Über das DFN-Wissenschaftsnetz ist es zudem für die 50 Institutionen möglich, auch andere Wissenschaftsnetze wie IXI, Earn, Bitnet oder Internet zu erreichen.

Zusätzlich Zugänge ergeben sich über das europäische Wissenschaftsnetz IXI, so unter anderen zum britischen Janet, zum niederländischen Surfnet und zum schweizerischen Switch.

Vor allem Electronic-Mail wird nach ersten Erfahrungsberichten bereits rege genutzt. Durch FTAM können sich die Erwin-Anwender über alle Grenzen hinweg an Experimenten wie zum Beispiel dem Meßdaten-Austausch beteiligen. Wie stark die Brücke zum WIN frequentiert wird, zeigt sich in den ersten statistischen Zahlen zum Transfer-Volumen. Allein im Juni 1991 liefen täglich 32 MByte Daten von West nach 0st beziehungsweise 8 MByte in der Gegenrichtung. Diese Menge ist laut Pandacom insofern eindrucksvoll, als daß die Kommunikation innerhalb von Erwin zur Zeit mit nur 9600 Bits pro Sekunde erfolgt.

Die Steigerung der Übertragungsgeschwindigkeit gehört daher zu den vorrangigen Zielen im Rahmen der nächsten Projektphase. Allerdings läßt erst der direkte Anschluß der heutigen Erwin Nutzer an das WIN Übermittlungsgeschwindigkeiten von 64 Kbit/s bis 2 Mbit zu. Zunächst ist vorgesehen, die Infrastruktur innerhalb der neuen Bundesländer weiter auszubauen.