Dementi

Wikipedia weist Autorenflucht-Meldungen zurück

30.11.2009 | von pte pte
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia setzt sich gegen kürzlich aufgekommene Medienberichte zur Wehr, die von einer regelrechten Autorenflucht bei der englischen Ausgabe sprechen.

Die von dem spanischen Forscher Felipe Ortega stammende Erkenntnis, dass alleine in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als 49.000 Wikipedia-Schreiberlinge geflüchtet sein sollen, entspreche nicht den Tatsachen und sei völlig falsch verstanden worden, heißt es von der Wikimedia Foundation, die als Verwalter der Online-Enzyklopädie auftritt.

"Wenn man sich die Zahl der Autoren, die sich gegenwärtig pro Monat auf Wikipedia betätigen, genauer ansieht, wird ersichtlich, dass die Beteiligung insgesamt gesehen seit dem Höchststand von vor zweieinhalb Jahren zwar leicht zurückgegangen ist. Ab diesem Zeitpunkt hat sich dieser Wert aber auf konstantem Niveau gehalten", schreiben Wikimedia-Deputy-Director Erik Moeller und Data Analyst Erik Zachte im offiziellen Unternehmensblog. Natürlich würden von Monat zu Monat hin und wieder einige Verfasser von Beiträgen abspringen. "Gleichzeitig kommen aber auch immer wieder neue hinzu", betonen Moeller und Zachte.

Definitionsproblem als Ursache für Aufregung

Ausschlaggebend für die aktuelle Aufregung ist den beiden Wikimedia-Mitarbeitern zufolge ein grundsätzliches Definitionsproblem. "Es ist wichtig zu erkennen, dass die Analyse Ortegas generell jeden User als Wikipedia-Autor definiert, sobald dieser auch nur einen einzigen Beitrag verfasst hat. In unseren internen Statistiken haben wir uns aber dafür entschieden, einen Autor erst ab fünf aktiven Beteiligungen als solchen zu werten", so die Erläuterung. Dieser Unterschied zeige sich auch in der geschätzten Gesamtzahl der Autoren, die Ortega mit drei Millionen beziffert, während die Wikimedia Foundation lediglich auf knapp unter eine Million kommt.

Innerhalb der deutschen Wikipedia-Community, die laut hauseigener Statistik-Information derzeit insgesamt 24.564 aktive Mitglieder zählt, sieht man die derzeitige Diskussion eher gelassen. "Wikipedia ist ein offenes Projekt, dem es darum geht, sicherzustellen, dass jeder einzelne Mensch einen Zugang zum gesammelten Wissen der Menschheit hat. Die Höhe der Autorenzahlen ist dabei eher nebensächlich", stellt Catrin Schoneville, Pressesprecherin von Wikimedia Deutschland, gegenüber pressetext klar.

Wie bei jedem offenen Projekt müsse man sich auch bei Wikipedia im Klaren darüber sein, dass entsprechende Statistiken nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft hätten. "Hinzu kommt der Umstand, dass man die verschiedenen Wikipedia-Sprachausgaben grundsätzlich getrennt voneinander betrachten muss. Eine einheitliche Definition, wer als Autor gilt und wer nicht, gibt es auf internationaler Ebene bislang noch nicht", so Schoneville. (pte)

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